3.L | Dienstag, 7. April 2015 (BKZ)
SG setzt Erfolgsserie fort

^^^ Hoch, höher, Pascal Sohm: Aspachs Außenbahnspieler im Duell
mit dem Kieler Kicker Rafael Kazior. Foto: A. Becher

31.SpT  |  3.Liga  |  Saison 2014/15

SG Sonnenhof Großaspach - Holstein Kiel   1:1 (1:1)
Samstag, 4. April  |  14:00 Uhr  |  mechatronik Arena

[zur BKZ, unserem Medienpartner, mit Videobericht]
[zum Online-Videobericht "SWR Sport am Samstag"]

Dem Serientäter einen Punkt abgeknöpft

Sieben Spiele in Serie hatten Kiels Kicker gewonnen, an Großaspach bissen sie sich die Zähne aus. Die SG trotzte dem Drittliga-Zweiten mit dem 1:1 einen verdienten Punkt ab und blieb auch im sechsten Duell unter Rüdiger Rehm unbesiegt. Auf einen Heimsieg muss der Trainer-Rückkehrer zwar weiter warten, doch sein Team hält Kurs auf dem Weg zum Ligaverbleib.

Von Steffen Grün - Die nackten Zahlen sagen, dass Aspachs Polster auf den ersten Abstiegsplatz um einen Punkt auf nunmehr drei Zähler geschrumpft ist. Das liegt am Mainzer Sieg gegen Erfurt, durch den die Erstliga-Reserve auf den rettenden viertletzten Platz kletterte, während die in Osnabrück unterlegenen Unterhachinger nun Drittletzter sind. Mit solchen Rechenspielchen wollen sich Spieler, Trainer und Funktionäre im Fautenhau aber nicht beschäftigen. Deren Hauptaugenmerk richtet sich zurecht auf die eigene Leistungskurve, die bereits seit einigen Wochen steil nach oben zeigt.

Wie ausgeprägt das Selbstvertrauen der SG-Kicker mittlerweile ist, zeigte sich im Heimspiel gegen den Aufstiegskandidaten aus Kiel nach einem Beginn, der schlechter nicht vorstellbar gewesen wäre. Handgestoppte 77 Sekunden waren gespielt, als es den Aspachern mehrere Male nicht gelang, den Ball endgültig aus der Gefahrenzone zu befördern. Dann schnappe ich ihn mir, dachte sich Holsteins Manuel Schäffler und spielte die Kugel auf den rechten Flügel zu Tim Siedschlag, dessen Hereingabe Marc Heider über die Linie drückte.

Solch ein frühes 0:1 gegen die Serientäter aus dem hohen Norden, die seit dem 13. Dezember 2014 kein Spiel mehr verloren haben und seither mit acht Siegen und einem Remis als Neuling auf den zweiten Platz stürmten, kann einen schon mal aus der Bahn werfen. Doch die Einheimischen schüttelten sich nur kurz und übernahmen nach einer Viertelstunde die Regie. Nach einigen Distanzschüssen, bei denen die Visiere der SG-Kicker noch miserabel eingestellt waren, musste Kiels Keeper nach 20 Minuten zum ersten Mal eingreifen. Mehr als einen Anwesenheitsnachweis von Kenneth Kronholm erforderte Shqiprim Binakajs Versuch noch nicht, beim Schuss von Matthias Morys (22.) sah das schon anders aus. Machtlos wäre der Torwart in der 28. Minute gewesen. Nach der genau getimten Flanke von Sahr Senesie schraubte sich Binakaj in bester Horst-Hrubesch-Manier zum Kopfball hoch, doch der Ball klatschte an den rechten Innenpfosten und danach direkt in die Arme von Kronholm.

Damit war das Gäste-Glück aber aufgebraucht, in der 37. Minute fiel das verdiente 1:1. Aspachs Nicolas Jüllich ging nach einem von den Kielern abgewehrten Ball ins Dribbling und wurde von Maik Kegel kurz vor der Strafraumgrenze zu Fall gebracht. Standard-Spezialist Michele Rizzi legte sich die Kugel in halblinker Position zurecht. Er guckte kurz, lief dann an und zirkelte das Leder mit seinem rechten Fuß über die Mauer in den linken Winkel.

In der zweiten Hälfte „stand das Spiel auf des Messers Schneide“, befand SG-Trainer Rehm, „beide Teams haben mit offenem Visier gekämpft“. Seine Mannschaft kam fortan aber nicht mehr zu den ganz dicken Torchancen, die von Rizzi (58.) war noch die nennenswerteste. Der Mittelfeld-Regisseur hielt aus 20 Metern mal drauf, der Ball flatterte ziemlich, doch Kiels Keeper wehrte ihn mit Mühe zur Seite ab. In der 79. Minute stockte all denen mit Sympathien für die Aspacher der Atem. Holstein konterte über Rechtsaußen, die Hereingabe Heiders hätte Jaroslaw Lindner aus kurzer Distanz nur noch in das leere Tor schieben müssen, doch er verstolperte die Kugel. Vorwürfe an die Adresse des Jokers gab es von Karsten Neitzel nicht, der Trainer stellte nur nüchtern fest: „Keine Frage, dass der Ball ins Tor muss, das weiß Jarek selbst.“

Die letzte Torchance hatten wieder die Hausherren, doch Morys haute die Kugel nach einem Zuspiel von Simon Skarlatidis über das Gehäuse (86.). Sechzig Sekunden später war die Partie für Teamkollege Kai Gehring beendet. Kurz zuvor hatte der Innenverteidiger Gelb gesehen, fürs nächste Foul folgte die Ampelkarte. Doch auch ohne den Innenverteidiger schaukelte die SG den Punktgewinn über die restliche Zeit.

Ruhende Bälle: Rizzi schlägt mal wieder zu

Achtes Saisontor des 26-Jährigen, schon die siebte Standardsituation

(stg). Da mag Michele Rizzi im Mittelfeld noch so gekonnt die Fäden ziehen, die Angreifer in Szene setzen oder in Kooperation mit dem Partner in der Schaltzentrale auch einmal die Drecksarbeit erledigen – der normale Fan schätzt den 26-Jährigen vor allem als den vielleicht besten Spezialisten für ruhende Bälle in der Dritten Liga. Diesem Ruf wurde Rizzi gegen Kiel erneut gerecht. Das 1:1 war sein zweiter direkt verwandelter Freistoß in dieser Runde, dazu gesellen sich noch fünf Elfmeter – sieben von acht Saisontreffern, die den Edeltechniker zum erfolgreichsten Schützen der SG Sonnenhof machen, resultierten demnach aus Standardsituationen.

„Ein Tor für uns, nicht für mich“, wies Rizzi alle Lobeshymnen auf seinen Schuss der Marke Tor des Monats gegen Kiel zurück: „Es war wichtig, noch vor der Pause den Ausgleich zu machen.“ Beim verdienten Remis blieb es bis zum Ende, der Mittelfeldspieler lobte die Moral des Teams nach dem frühen Rückstand: „Nie aufgeben, immer an sich selbst glauben, keinen Zweikampf scheuen – das zeigt, wie sehr wir in dieser Liga bleiben wollen.“ Auch wenn das Polster auf den ersten Abstiegsplatz um einen Zähler auf drei Punkte geschrumpft ist, sind die Aussichten gut, zumal Trainer Rüdiger Rehm betont: „Wir hatten richtig dicke Brocken in den letzten Wochen.“ Trotzdem holte Aspach aus sechs Spielen unter dem alten und neuen Trainer zwölf Punkte. „Wenn wir so weitermachen, werden wir es schaffen, in der Liga zu bleiben“, glaubt Rehm, „aber eben nur dann.“ Weiter geht’s am Samstag beim Tabellenneunten SV Wehen Wiesbaden.

Spieler, Tore, Fakten

SG Sonnenhof Großaspach: Gäng – Schiek, Gehring, Hägele, Kienast (83. Aupperle) – Sohm (70. Skarlatidis), Jüllich, Rizzi, Binakaj – Senesie (90.+2. Leist), Morys.
Holstein Kiel: Kronholm – Herrmann, Auracher, Wahl, Kohlmann – Siedschlag (74. Lindner), Kegel, Vendelbo (65. Breitkreuz), Kazior (88. Gebers) – Heider, Schäffler.
Tore: 0:1 (2.) Heider, 1:1 (37.) Rizzi.
Gelbe Karten: Hägele, Morys, Gehring / Kegel, Auracher.
Gelb-Rote Karte: Gehring (87., wiederholtes Foulspiel).
Schiedsrichter: Mix (Abtswind).
Zuschauer: 1500.

SG auf bkz-online

Der Freistoß Marke Tor des Monats von Michele Rizzi, der frühe Gegentreffer, alle weiteren spannenden Szenen – bewegte Bilder vom 1:1 zwischen Großaspach und Kiel gibt es im Internet unter www.bkz-online.de. Einige Stimmen reichern das Video noch an.

Quelle: Backnanger Kreiszeitung am 7. April 2015