3.L | Montag, 9. Mrz 2015 (BKZ)
Wichtiger Dreier bei "keinem normalen" Spiel

28.SpT  |  3.Liga  |  Saison 2014/15

SG Dynamo Dresden - SG Sonnenhof Großaspach   0:1 (0:0)
Samstag, 7. März  |  14:00 Uhr  |  Stadion Dresden

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Aspach beeindruckt selbst Dresdens Fans

Kellerkind siegt beim Ex-Bundesligisten unerwartet 1:0 und steht nach einem sehr intensiven Spiel auf einem Nichtabstiegsplatz

Es war ein richtig großes Fußballfest. Eines, bei dem am Schluss trotz aller Sympathien aber nur ein Teil der fast 30000 Beteiligten groß jubelte. Denn Außenseiter SG Sonnenhof Großaspach bezwang Dynamo Dresden dank eines Tores von Matthias Morys (67.) 1:0 und steht das erste Mal seit langer Zeit auf einem Nichtabstiegsplatz der Dritten Liga.

Von Uwe Flegel - Dresdens Trainer Peter Nemeth sprach gar nicht erst um den heißen Brei herum: „Unser Gegner war besser und schneller und hat verdient gewonnen.“ In der Tat war es eine sehr gute Vorstellung, mit der sich die Kicker aus dem Fautenhau etwas Luft im Tabellenkeller verschafften. „Wir hatten einen ganz klaren Plan“, freut sich Aspachs Coach Rüdiger Rehm über den Auswärtscoup in Elb-Florenz und erklärte: „Wir wussten, dass Dynamo das Pokalspiel gegen Dortmund hatte. Deshalb wollten wir sie austoben lassen und dann kontern.“ Das funktionierte klasse. Auch weil die Sachsen im Spielaufbau mit der aggressiven Vorgehensweise der Schwaben ihre Probleme hatte. „Fehler passieren, aber das waren zu viele Fehler“, ärgerte sich Dresdens Linksverteidiger Nils Teixeira nach dem Spiel.

Wenn es bei den Gästen etwas zu kritteln gab, dann die Tatsache, dass der Erfolg nicht noch höher ausfiel. Chancen genug waren dazu vorhanden. Die dickste Möglichkeit, den Erfolg noch höher ausfallen zu lassen, vergab Michele Rizzi, als er in der 84. Minute mit einem Foulelfmeter am mit Abstand besten Dynamo-Akteur Patrick Wiegers scheiterte. Verursacht worden war der Strafstoß von Innenverteidiger Dennis Erdmann, der Aspachs eingewechselten Offensivakteur Pascal Sohm im Strafraum völlig unmotiviert festgehalten hatte und dann mit Gelb-Rot vom Platz geflogen war.

Überhaupt war in der Begegnung das Drumherum zwar sehr freundschaftlich, das Geschehen auf dem Platz aber sehr intensiv. Zwar standen die Schwaben in der Anfangsphase kompakt und tief, doch nach und nach begannen sie Nadelstiche zu setzen. Mit Balleroberungen im Mittelfeld und schnellen Offensivattacken bereitete das Kellerkind den noch auf einen Aufstiegsplatz schielenden Hausherren Probleme. Doch Simon Skarlatidis (13.) sowie die frei vor Wiegers auftauchenden Shqiprim Binakaj (15.) und Tobias Rühle (37.) ließen gute Möglichkeiten ungenutzt. Zudem traf Michele Rizzi mit einem 18-Meter-Freistoß in der 25. Minute nur die Latte und zwei, drei Mal kam ein Großaspacher im Strafraum ein, zwei Schritte zu spät.

Auf der anderen Seite hatten die Gäste zweimal Glück als Dresdens Sinan Tekerci neun Meter vor dem Tor über den Ball säbelte (33.) und der aufgerückte Innenverteidiger Michael Hefele aus fünf Metern den Ball am Tor vorbei schob.

In der zweiten Halbzeit war es erneut Wiegers, der die Gastgeber im Spiel hielt, als er in der 64. Minute einen weiteren Rizzi-Freistoß mit den Fingerspitzen noch um den Pfosten lenkte (64.). Nur drei Minuten später war auch Dresdens Schlussmann machtlos. Einmal mehr eroberte Großaspach im Mittelfeld den Ball und konterte. Von Tobias Rühle gelangte die Kugel dann zu Matthias Morys und der jagte das Leder von Halblinks aus neun Meter flach zum 1:0 ins lange Eck.

Dresden mühte sich, Druck zu machen. Die immer wieder hoch vors Tor geschlagenen Bälle sorgten aber für keine große Gefahr. Und auch als Großaspachs Abwehrorganisator Daniel Hägele in der 80. Minute mit Verdacht auf einen Nasenbeinbruch raus musste, geriet die SG Sonnenhof nicht aus der Spur. Zumal Erdmanns Ampelkarte kurz darauf den Schwaben in die Karten spielte.

„Ein verdienter Sieg“, freute sich Sportdirektor Ioannis Koukoutrigas über den Dreier, mit dem Aspach die Bundesligareserve von Borussia Dortmund überflügelte und vom dritt- auf den viertletzten Platz kletterte. Das wiederum bringt zusätzlich Spannung ins ohnehin brisante Kellerduell am Mittwoch in Dortmund. Wobei Kapitän Hägele im Nachholspiel wohl nicht mit von der Partie ist.

Aspach in Dresden: Kein normales Spiel

Selbst Dynamo-Fans feiern Gästesieg

(uwe). „Es hat tierisch Spaß gemacht.“ SG-Trainer Rüdiger Rehm beschrieb treffend, was alle im rund 200 Köpfe starken Tross aus dem Schwäbischen über das Aspacher Gastspiel in der Sachsen-Metropole dachten. Und das zwar auch wegen des unerwarteten Dreiers für das Kellerkind, vor allem aber mit Blick aufs Drumherum. Das Duell zwischen dem Aufsteiger und dem Ex-Bundesligisten war nicht einfach nur ein Fußballspiel.

Seit dem ersten Vergleich beider Vereine im Spätsommer 2014 hat sich eine Freundschaft entwickelt. So dick, dass Dresdens kritisch beäugte Ultras die durchaus überschaubare Aspacher Fangemeinde zum Rückspiel zur Stadtrundfahrt und gemeinsamen Fußballschauen eingeladen hatte. Gleicht das Stadion sonst bei Dynamo-Kicks an manchen Stellen einem Hochsicherheitstrakt, waren Heim- und Gästebereich zum ersten Mal in der jüngeren Dynamo-Geschichte diesmal nicht getrennt. In einem Block stehend feuerten die Anhänger beider SGs ihre jeweiligen Teams an. Und: Waren sich viele Experten nach dem Hinspiel noch sicher, dass es keinen Ärger gab, weil die Sachsen 3:1 gesiegt hatten, so zeigte das Rückspiel, dass Dresdens Fans auch Niederlagen ab können.

Hatte schon vor dem Spiel Waldfee Pia Pfitzenmaier bei den Sachsen für die Schönheiten des Schwäbischen Walds werben dürfen, Aspachs Präsident Werner Benignus mit Blick auf die Stehplätze der sogenannten Gelben Dynamo-Wand staunend festgestellt: „Da stehen 8500 Zuschauer. Das sind mehr Menschen als unsere Gemeinde Einwohner hat“, so war die Szene nach den 90 Minuten dann richtig großes Kino: Als die Gästeelf in die Kurve zu ihren Fans lief, da feierten die dort ebenfalls stehenden Dresdner Anhänger den Sonnenhof-Sieg halt einfach mit. Aspachs Auftritt in Elb-Florenz war nicht nur wegen des überraschenden Ergebnisses kein normales Fußballspiel.

Spieler, Tore, Fakten

SG Sonnenhof Großaspach: Gäng – Gehring, Hägele (80. Schiek), Aupperle, Kienast – Binakaj, Jüllich, Rizzi, Skarlatidis (88. Kuqi) – Rühle (73. Sohm), Morys.
SG Dynamo Dresden: Wiegers – Teixeira, Erdmann, Hefele, Vrzogic (68. Kreuzer) – Fiel, Moll (83. Jim-Patrick Müller) – Eilers, Dürholtz (61. Andrich), Tekerci – Tobias Müller.
Tore: 0:1 (67.) Morys.
Gelbe Karte: Gehring, Morys.
Gelb-Rot: Erdmann (83.)
Besondere Vorkommnisse: Rizzi scheitert mit Foulelfmeter an Wiegers (84.).
Schiedsrichter: Schröder (Hannover).
Zuschauer: 28144.

SG auf bkz-online

Vom Auswärtscoup der SG Sonnenhof Großaspach bei Dynamo Dresden gibt es im Internet unter www.bkz-online.de ein kommentiertes Video. Neben dem goldenen Tor von Matthias Morys sind die interessantesten Szenen vom Fußballfest in Elb-Florenz zu sehen.

Fotos eines denkwürdigen & emotionalen Tages

von Uwe Ehrlich und Tai

 

...und selbst der Abendhimmel erstrahlte in Dynamo-Farben:

 

>>> DA-DA-DA-DA-DANKE DRESDEN !!!