3.L | Dienstag, 16. Dezember 2014 (M.Schmid)
Rizzi, Leist und Rühle vor dem Derby im Interview

Am Samstag kommt es zum Schwabenderby zwischen den gastgebenden Stuttgarter Kickers und unserer SG Sonnenhof Großaspach. Die Vorfreude steigt bei den Fans, den Spielern und auch bei den Medien. Der "Stadtanzeiger Filder Extra" interviewte drei SG-Kicker, die auch schon das Trikot der Degerlocher trugen.

Interview: Ein Trio trifft auf die Ex

Am Samstag, 20. Dezember, 14 Uhr, empfangen die Stuttgarter Kickers im Reutlinger Kreuzeiche-Stadion die SG Sonnenhof Großaspach – das letzte Spiel vor der Winterpause. Unsere Redaktion sprach vorab mit Michele Rizzi, Julian Leist und Tobias Rühle – ein Trio, das nicht ganz freiwillig die Landeshauptstadt gegen den Ort nahe Backnang getauscht hat.


Von Mathias Schmid


Zurück zur alten Wirkungsstätte. Auch ein Duell gegen die alten Kumpels?

  • Michele Rizzi: Naja, ganz die alte Wirkungsstätte ist es nicht. Wir spielen ja in Reutlingen. Da habe ich übrigens noch nie verloren, wenn ich dort früher mit den Kickers als Aktiver und in der Jugend gespielt habe (grinst). Aber meine Kontaktpersonen bei den Kickers sind mittlerweile größtenteils weg. Ich bin ja jetzt auch schon eine Weile hier.
  • Julian Leist: Ich stehe vielleicht noch mit fünf, sechs Spielern in Verbindung. Manchmal gehen wir auch noch gemeinsam essen. Aber nach der letzten Saison sind ja dann doch einige Spieler bei den Kickers gegangen.
  • Tobias Rühle: Und ich war ja ohnehin nur ein Jahr dort. Von daher war für mich die Bindung im Vergleich zu Michele und Julian nicht ganz so groß.

Das merkt man auch bei der Reaktion der Kickers-Fans. Während Sie, Herr Leist, noch gefeiert werden, gab es für Sie, Herr Rühle, im Hinspiel zuletzt böse Häme.

  • Leist: Das hat mir schon im Herzen wehgetan. Ich hatte eine schöne Zeit dort. Aber als dann der Wechsel vollzogen war, war für mich auch ein Haken an der Sache. Aber es ist schön, dass mich die Kickers-Fans nicht vergessen haben.
  • Rühle: Ja, ich bin es ja leider schon gewohnt, mit der Häme der gegnerischen Fans umgehen zu müssen. Da werden Unwahrheiten aus früheren Zeiten genutzt.
  • Rizzi: Also ich fand das richtig daneben und war wirklich sauer. Deshalb hab ich nach meinem Tor auch so gemacht (fasst sich hinter die Ohren). Das war einfach unter der Gürtellinie.
  • Rühle: Ganz ehrlich: Die können sich auf den Kopf stellen. Das ist mir völlig egal.

Wie verfolgen Sie denn die Entwicklung der Kickers?

  • Rühle: Ich glaube, dass vor allem der Trainer gute Arbeit leistet. Von den einzelnen Spielern sind sie vielleicht nicht so stark, wie sie derzeit dastehen, aber sie sind eine sehr gefestigte Mannschaft.
  • Rizzi: Ja, aber spielerisch sind sie schon wirklich stark. Das wird auf jeden Fall eng für uns. Sie haben zu Hause noch kein Spiel verloren.

Können Sie sich freuen, dass es bei Ihrem Ex-Verein so gut läuft?

  • Leist: Sagen wir mal so: Dass sie jetzt so erfolgreich sind, gönne ich den einen mehr als den anderen. Aber das ist ja auch völlig normal.

Der Weg nach Großaspach war für Sie alle auch ein Schritt ins Berufsleben neben dem Fußball. Was machen Sie nebenher?

  • Rizzi: Ich habe mein Sportmanagement-Studium beendet und arbeite jetzt teilzeit in einer Marketing-Agentur, die sich unter anderem auch um die Vermarktung der SG kümmert.
  • Rühle: Ich habe eine Ausbildung zum Industriekaufmann angefangen.
  • Leist: Und ich werde ab 5. Januar bei Gazi anfangen zu arbeiten. Dort bekomme ich die Möglichkeit, alle Geschäftsbereiche zu durchlaufen. Das ist für mich ein wichtiger Schritt. Denn wenn man meist nur abends Training hat, sind die Tage oft lange und es ist schwierig, einen geregelten Tagesablauf reinzubekommen.

Herr Rühle, Sie scheinen nach unglücklichen Stationen ein passendes Umfeld gefunden zu haben.

  • Rühle: Ja, das letzte Jahr lief wirklich gut für mich. Ich fühle mich in dieser familiären Atmosphäre sehr wohl. Ich komme ja selbst vom Land, bin in Herbrechtingen bei Heidenheim geboren. Deswegen ist das für mich hier ein gewohntes Umfeld. Aber es ist auch das Leben an sich hier: Meine Freundin, eine Arbeit – alles ist geordneter. Vielleicht hatte ich früher manchmal zu viel Freizeit.

Herr Leist, Sie hätten sicher gehofft, mehr zu spielen, nachdem Sie bei Ihrem Aus bei den Kickers hier den Neuanfang wagten.

  • Leist: Ja, das ist eben das Los des Fußballers. Man weiß eben nie, wie es kommt, bevor man so eine Entscheidung trifft. Aber hier steht einfach wie kaum wo der Verein im Vordergrund und nicht irgendwelche Einzelschicksale. Das habe ich sehr schnell gelernt und dem ordne ich mich auch unter – auch wenn es manchmal schwerfällt.

Herr Rizzi, Sie haben sich in Ihren dreieinhalb Jahren in Großaspach zum Führungsspieler entwickelt und sich doch noch den Traum von der 3. Liga erfüllt. Das war nicht unbedingt absehbar, oder?

  • Rizzi: Nein, als ich hierher gekommen bin, war es nicht das Ziel, aufzusteigen. Aber irgendwann war der Aufstieg dann die logische Konsequenz weil wir immer wieder richtig gute Spieler dazubekommen und uns kontinuierlich weiterentwickelt haben.

Unter dem neuen Trainer Uwe Rapolder läuft es plötzlich wieder deutlich besser. Ist es wirklich so einfach?

  • Rizzi: Unter Rüdiger Rehm hatten wir zuletzt einfach eine Negativserie.
  • Rühle: So ein Spiel wie am Samstag gegen Duisburg hätten wir bei gleichem Spielverlauf in der damaligen Phase sicher verloren.
  • Rizzi: Aber der Trainer hat viel neuen Schwung reingebracht. Da kann es passieren, dass drei Spieler in der einen Partie in der Startelf stehen und beim nächsten Mal auf der Tribüne sitzen.
  • Leist: Für mich war es wahrscheinlich die größte Achterbahnfahrt. Zwar habe ich unter Rapolder endlich auch meine Spiele bekommen, war dann aber auch schnell wieder draußen.

War Ihnen immer bewusst, dass die Saison nicht so weiterläuft wie zu Beginn?

  • Rizzi: Klar, irgendwann hatten sich die Gegner besser auf uns eingestellt. Und dann ist es in dieser Liga eben oft Spitz auf Knopf. Aber was das Wichtigste ist: Wir haben nie den Spaß verloren weil wir charakterlich wirklich eine super Truppe sind.

Glauben Sie, dass Sie bis zum Ende um den Klassenverbleib zittern müssen?

  • Rühle: Wir haben jedenfalls gute Chancen, in der Liga zu bleiben. Von den letzten 16 Spielen sind zehn im eigenen Stadion. Für den Kopf ist das auf jeden Fall gut. Es liegt in unserer eigenen Hand, was wir daraus machen.
  • Rizzi: Wenn wir das nutzen und bei den direkten Konkurrenten auswärts nicht unbedingt verlieren, sehe ich das genauso.

Was ist bei den Kickers drin?

  • Rizzi: Ich glaube, dass wir punkten werden. Natürlich hätte ich gegen einen Dreier nichts.
  • Leist: Ja, die Siegprämie könnten wir gut gebrauchen, dass unsere Liebsten was Schönes unter dem Weihnachtsbaum liegen haben (lacht).
  • Rühle: Die Kickers müssen vor heimischer Kulisse gewinnen, von uns wird das nicht erwartet. Das kann unser Vorteil sein.

Quelle: "Stadtanzeiger Filder Extra" am 16. Dezember 2014