3.L | Montag, 17. November 2014 (BKZ)
Rückblick: Pokalaus in Freiberg

wfv-Pokal  |  Viertelfinale  |  Saison 2014/15

SGV Freiberg - SG Sonnenhof Großaspach   1:0 (0:0)
Samstag, 15. November  |  13:30 Uhr

[zu unserem Medienpartner BKZ mit Video zum Spiel]

Dem Höhenflug folgt die Bruchlandung

WFV-Pokal-Viertelfinale: Nach zuletzt zwei Siegen in der Dritten Liga verlieren Aspachs Fußballer bei Oberligist Freiberg mit 0:1

Nichts war zu sehen vom Zwei-Klassen-Unterschied, die Drittliga-Kicker der SG Sonnenhof Großaspach unterlagen im WFV-Pokal-Viertelfinale beim Oberligisten SGV Freiberg mit 0:1. Auf den Höhenflug in der Punkterunde mit zuletzt zwei Siegen folgte also die Bruchlandung. Die finanziell lukrative DFB-Pokal-Teilnahme muss sich der Verein wohl abschminken.


Von Steffen Grün


Vor allem tat Thomas Deters natürlich der sportliche Rückschlag weh. Als Geschäftsführer des gestrauchelten Favoriten geisterten ihm aber auch gleich die monetären Folgen des Ausscheidens durch den Kopf. Wird die SG in der Liga nicht noch Vierter, was eher abwegig ist, findet der DFB-Pokal nächste Saison ohne Aspach statt. Damit gehen „gesicherte 140000 Euro plus Zuschauereinnahmen“ flöten, weiß Deters. Dass es mit den Stuttgarter Kickers zeitgleich auch einen Drittliga-Rivalen bei einem Oberligisten erwischt hatte (0:1 beim FV Ravensburg), war kein Trost, ganz im Gegenteil: Der Einzug ins Halbfinale hätte die SG damit endgültig zum Topfavoriten auf den WFV-Pokal-Triumph gemacht.

Mit einem Spaziergang hatten die Gäste ohnehin nicht gerechnet, der Trainer hatte großen Respekt vor dem Außenseiter bekundet. Dass es richtig eng werden würde, dämmerte Uwe Rapolder spätestens in der 26. Minute. Bis dahin war sein Team zwar keinesfalls drückend überlegen gewesen, aber doch ordentlich ins Spiel gekommen. Freiberg hatte durch Spetim Muzliukaj die erste dicke Torchance versiebt (4.), danach näherten sich allerdings auch die Gäste einem Torerfolg. Einmal scheiterte Manuel Fischer mit einem Kopfball an SGV-Keeper Henning Bortel (10.), das andere Mal gelang es Shqiprim Binakaj aus fünf Metern nicht, die Kugel kontrolliert im Kasten unterzubringen. Er traf sie nur so lala, sie segelte deshalb über das Gebälk.

Binakaj spielte auch in der besagten 26. Minute die Hauptrolle, allerdings eine unrühmliche. Sein verhunzter Distanzschuss blieb bereits am ersten Abwehrbein hängen, die Hausherren spielten umgehend einen langen Ball auf den startenden Muzliukaj. Binakaj eilte hinterher, wollte seinen Fauxpas wieder in Ordnung bringen, stellte sich dabei aber ungeschickt an. Als der SGV-Angreifer das Tempo bereits gedrosselt hatte, um auf Kollegen zu warten, riss ihn der Aspacher nach einer Körpertäuschung um. Unnötig sowieso, noch unnötiger, weil Binakaj sechs Minuten zuvor für ein Handspiel verwarnt worden war. Die Ampelkarte war nun die logische Folge, die SG musste zu zehnt weitermachen.

Trotzdem hätte Fischer nach einer Freistoßflanke von Josip Landeka das 1:0 erzielen können, doch er köpfte mutterseelenalleine aus kurzer Distanz vorbei. Das sollte für lange Zeit die letzte Torchance für die SG bleiben. Bis zur 88. Minute, um genau zu sein. Da landete ein Kopfball des eingewechselten Cidimar auf dem Netz. Es wäre aber nicht das Siegtor gewesen, sondern hätte die Gäste nur in die Verlängerung gerettet. Die immer frecher werdenden, den Favoriten vor zunehmend größere Probleme stellenden Freiberger hatten in der 75. Minute nämlich vorgelegt. Nach einer genau getimten Flanke des Ex-Aspachers Niko Rummel wuchtete Muzliukaj die Kugel mit dem Kopf in den Winkel.

0:1 – das Aus drohte, eine Reaktion des Drittligisten blieb weitgehend aus. Nichts zu sehen von aggressivem Draufgehen, von dem unbedingten Willen, das Blatt noch zu wenden. Vielmehr hatte die SG Glück, dass der Oberligist die Konter nicht sauber zu Ende spielte. In der Nachspielzeit hätte Bastian Joas mit einem Lupfer beinahe auf 2:0 erhöht, dann war Schluss.

Rapolder hält die schützende Hand über sein Team

SG-Trainer übt nach dem Pokal-Aus in Freiberg nur leise öffentliche Kritik

(stg). In Uwe Rapolder dürfte es nach dem WFV-Pokal-Aus in Freiberg gebrodelt haben, nach außen blieb Aspachs Trainer ruhig. „Wir sind natürlich sehr enttäuscht“, räumte der 56-Jährige ein, hielt jedoch die schützende Hand über seine Truppe: „Ich werde einen Teufel tun, sie in den Senkel zu stellen. So ein Pokalspiel kannst du mal vergeigen.“ Nicht umhin kam Rapolder allerdings, den Auftritt der SG-Fußballer als „seltsam lethargisch“ zu bezeichnen: „Die Aggressivität hat gefehlt. Wir haben nur 70 Prozent abgerufen, das war zu wenig.“

Zu wenig gegen einen Rivalen, dessen Trainer Ramon Gehrmann mit seinen Akteuren zur Einstimmung in den Kino-Film über den deutschen Triumph in Brasilien gegangen war und vor dem Duell mit der SG zu ihnen sagte: „Dieses Spiel ist unser WM-Finale.“ Heraus kam eine couragierte Vorstellung. Freibergs Sieg sei verdient gewesen, sagte Rapolder, „der Knackpunkt war der Platzverweis“. Öffentliche Kritik am Verhalten von Shqiprim Binakaj, das zur Ampelkarte führte, verkniff sich der Trainer auf Nachfrage aber. Dann richtete der erfahrene Coach den Blick nach vorne, „nächsten Samstag geht es in der Liga gegen Chemnitz weiter, meine volle Konzentration gilt jetzt bereits diesem Spiel“.

Eher nicht dabei ist dann Flügelspieler Nico Granatowski, der in Freiberg 17 Minuten nach seiner Einwechslung wieder raus musste, weil er auf die Schulter gefallen war. Eine genaue Diagnose wird heute erwartet, gut sah es allerdings nicht aus.

Überzeugt davon, seinen Platz im Tor zu behaupten, auch wenn der einstige Platzhirsch Christopher Gäng nach seiner Verletzung wieder mit den Hufen scharrt, ist Kevin Kunz. „Ich bin die Nummer eins“, sagte der 22-Jährige nach dem Pokal-Aus bei seinem früheren Klub in Freiberg: „Ich denke, da gibt es keine Diskussion. Ich wüsste nicht, warum der Trainer anders entscheiden sollte. Die Leistung stimmt.“

SG auf bkz-online

Wie es zum Aspacher Aus im WFV-Pokal kam, dokumentiert ein Video vom Spiel in Freiberg – abrufbar ist es unter www.bkz-online.de.

Spieler, Tore, Fakten

SGV Freiberg: Henning Bortel – Rummel, Nonnenmann, Zagaria, Ismaili – Sebastian Bortel – Kutlu (88. Joas), Januzi, Lorch (90.+1. Jung), Öztürk (73. Mamba) – Muzliukaj (85. Kunde).
SG Sonnenhof Großaspach: Kunz – Gehring, Hägele, Leist – Schiek (79. Jüllich), Rizzi, Berger (45. Granatowski/62. Rühle), Landeka – Skarlatidis, Fischer (62. Cidimar), Binakaj.
Tor: 1:0 (75.) Muzliukaj.
Gelbe Karten: Ismaili, Kunde / Binakaj, Rühle, Hägele.
Gelb-Rot: Binakaj (26.).
Schiedsrichter: Beck (Künzelsau).
Zuschauer: 1500.

Quelle: Backnanger Kreiszeitung am 17. November 2014

Fotos aus Freiberg

Fotos: tai