3.L | Mittwoch, 6. August 2014
Schwabenderby vor Aspacher Rekordkulisse

3.SpT  |  3.Liga  |  Saison 2014/15
Dienstag, 5. August  |  19:00 Uhr  |  mechatronik arena Aspach

SG Sonnenhof Großaspach - SV Stuttgarter Kickers   1:1 (1:1)

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Gerechtes Remis dank Rizzis Geniestreich

Aspachs Mittelfeldspieler sorgt gegen die Stuttgarter Kickers kurz vor der Pause mit einem tollen Freistoß für den 1:1-Endstand

Auch im dritten Drittligaspiel der Vereinsgeschichte blieb die SG Sonnenhof Großaspach ungeschlagen. Der Neuling trotzte den Stuttgarter Kickers gestern Abend vor 6.451 Zuschauern in der heimischen mechatronik Arena ein 1:1 ab. Ein gerechtes Ergebnis nach einem äußerst intensiven, schnellen Spiel mit vielen Torraumszenen hüben wie drüben.

Allzu lange dauerte das gegenseitige Abtasten nicht. Vielleicht zehn Minuten, in denen beide Mannschaften einen harmlosen Warnschuss abgaben. Danach ging in dem mit Spannung erwarteten Nachbarschaftsduell aber mal richtig die Post ab. Die erste dicke Torchance hatten die Einheimischen. In der 14. Minute schlug Michele Rizzi aus dem Zentrum einen herrlichen Pass auf den linken Flügel, wo Tobias Rühle den Turbo zündete. Widerpart Royal-Dominique Fennell unterschätzte, wie schnell der Aspacher ist. Der drängte sich im Laufduell vorbei, zog in die Mitte und drang in den Strafraum ein, scheiterte dann aber an Kickers-Keeper Korbinian Müller. Den Nachschuss von Shqiprim Binakaj blockte Fennell gerade noch ab.

Obwohl Rizzi mit einem Distanzschuss 120 Sekunden später noch einmal Müller prüfte, waren in diesem ersten Durchgang eigentlich die Blauen die aktivere, spielerisch reifer wirkende Truppe. SG-Trainer Rüdiger Rehm schien seinen Kickern derweil mit auf den Weg gegeben zu haben, sich ein wenig weiter als gewohnt zurückzuziehen und auf Konter zu lauern. Später stellte sich aber heraus, dass kein Konzept dahinter steckte. Vielmehr verriet Rehm, "dass es durchaus das Ziel war, die Gäste früh zu attackieren und das Heft selbst in die Hand zu nehmen. Dazu hat uns aber der Mut gefehlt", bemängelte der Ex-Profi.

In der 18. Minute wurde Stuttgart zum ersten Mal richtig gefährlich. Nach einem Eckball brachte Aspach den Ball nicht aus der Gefahrenzone. Gerrit Müller hielt aus dem Hinterhalt drauf, zielte aber am Kasten vorbei. Wieder einmal über die linke Seite kamen die Kickers in der 26. Minute, hier stellten sie die SG immer wieder vor große Probleme. Nach Fabian Baumgärtels scharfer Hereingabe verpasste Lhadji Badiane die Kugel nur um Haaresbreite. Das 1:0 für den Klub aus Degerloch fiel in der 41. Minute. Dieses Mal ging es über rechts, wo Fabio Leutenecker auf und davon eilte. Er schaute kurz hoch, entdeckte Elia Soriano, packte eine exakte Flanke aus. Der Angreifer köpfte gegen die Laufrichtung von Keeper Kevin Kunz ins rechte Eck.

Die Führung war zu diesem Zeitpunkt durchaus verdient, doch der Neuling wirkte vom Rückstand nicht geschockt. 120 Sekunden später hätte Simon Skarlatidis nach einem Rizzi-Pass egalisieren können, doch der Schuss strich Zentimeter am langen Pfosten vorbei. Die Nachspielzeit lief bereits eine knappe Minute, als sich Rizzi den Ball auf der linken Seite zum Freistoß zurecht legte. Ihn traf ein Geistesblitz: Er hämmerte die Kugel aufs kurze Eck, dort schlug sie auch ins Netz ein. Ein herrlicher Treffer begünstigt dadurch, dass Keeper Korbinian Müller wohl mit einer Flanke gerechnet hatte und überrascht wurde.

Das 1:1 hätte aus SG-Sicht zu keinem besseren Zeitpunkt fallen können. War der Zwischenstand zur Pause vielleicht noch etwas schmeichelhaft, verdiente sich der Aufsteiger dieses Resultat in der zweiten Halbzeit. Aspach kam aus der Kabine, war nun mindestens auf Augenhöhe, zeitweise leicht überlegen. Hätte Binakaj in der 54. Minute einen noch etwas genaueren Pass auf Rühle gespielt, hätte es vielleicht zum zweiten Mal im Kickers-Kasten geklingelt. Zentimeter fehlten dem Angreifer, um den Ball verarbeiten zu können. In der 61. Minute fehlte bei einem Volleyschuss von Nicolas Jüllich nicht viel, danach spielte sich das Geschehen eine Weile vor allem im Mittelfeld ab. Enorm intensiv war die Begegnung dennoch weiterhin, den Zuschauern wurde es nie langweilig. Die letzte gute Möglichkeit hatten in der Nachspielzeit die Großaspacher. Denis Berger verfehlte das Gehäuse mit seinem Lupfer knapp.

Es blieb beim gerechten Remis. Für die SG, die nun schon fünf Punkte auf ihrem Konto hat, ist das sicher ein Erfolg. Für die ambitionierten Kickers ist es wohl nicht ganz das, was sie sich vorgestellt hatten.

Bedröppelte Kickers-Spieler, jubelnde und umjubelte SG-Kicker: Kurz vor der Pause hat Michele Rizzi zum 1:1 getroffen.Fotos: A. Becher

Bedröppelte Kickers-Spieler, jubelnde und umjubelte SG-Kicker: Kurz vor der Pause hat Michele Rizzi zum 1:1 getroffen. Foto: A. Becher

Stenogramm

Großaspach: Kunz - Vecchione, Gehring, Hägele, Kienast - Skarlatidis (69. Berger), Rizzi, Jüllich, Binakaj (75. Sohm) - Rühle, Senesie (86. Bellanave).
Stuttgart: Korbinian Müller - Leutenecker, Fennell, Stein, Baumgärtel - Halimi (57. Gaiser), Marchese, Braun - Gerrit Müller (65. Miftari), Soriano (65. Edwini-Bonsu), Badiane.
Tore: 0:1 (41.) Soriano, 1:1 (45.+1.) Rizzi.
Gelbe Karten: Jüllich, Skarlatidis, Gehring, Rühle - Fennell, Halimi.
Schiedsrichter: Osmers (Hannover).
Zuschauer: 6451.

Stimmen zum Spiel: "Ein heißer Fight"

Rüdiger Rehm und Horst Steffen sind sich bei der Analyse einig

(hes). Ein Drittliga-Spiel auf hohem Niveau so lautete der Tenor beider Trainer. "Es war ein heißer Fight", sagte Großaspachs Coach Rüdiger Rehm. Er schob nach: "Der große Gewinner war das Publikum." Ins gleiche Horn blies Stuttgarts Trainer Horst Steffen: "Wir können uns gegenseitig beglückwünschen zu diesem Fight." Einig waren sich beide auch bei der Analyse.

"In der ersten Halbzeit hatten wir mehr Spielkontrolle", sagte Steffen. Rehm resümierte: "In der zweiten Halbzeit haben wir mehr investiert und waren aktiver in der Balleroberung." Seinen Anteil daran hatte SG-Spieler Michele Rizzi. Der Mittelfeldmann kämpfte wie seine Mitspieler viel und erzielte auch den 1:1-Ausgleichstreffer. "Es ist schön gegen den Ex-Verein zu treffen", schmunzelte der Torschütze, der früher das Kickers-Trikot getragen hatte. Er hob heraus: "Wir sind eine absolute Einheit." Genauso sah es auch Sonnenhof-Keeper Kevin Kunz: "Wir haben an einem Strang gezogen." Die Mannschaft stand im Fokus. Und wie lautet das Fazit der Nummer eins der Gastgeber: "Mit dem Punkt können wir gut leben. Es war ein offener Schlagabtausch." Während bei den Großaspachern die Freude über das Unentschieden überwog, zeigten sich die Kickers-Spieler etwas enttäuscht.

"In der ersten Halbzeit hatten wir 80 Prozent Ballbesitz und gehen verdient in Führung. Dann bekommen wir ein dummes Freistoßtor", Vincenzo Marchese war angefressen. Auch Kickers-Kapitän sagte unzufrieden: "Wir hätten in der ersten Halbzeit den Sack zumachen müssen. Wir waren die Mannschaft mit mehr Ballstafetten und hatten in den 90 Minuten mehr vom Spiel." Zudem erwischte es den eingewechselten Miftari, der kurz vor dem Abpfiff mit einem Cut am rechten Jochbein behandelt werden musste. "Ich hoffe, dass es nicht so schlimm ist", sagte Steffen.

Impressionen vom packenden Derby mit Zuschauerrekord

Fotos von Anna Fischer. Dankeschön.