3.L | Montag, 4. August 2014 (BKZ)
Das Glück des Tüchtigen

2.SpT  |  3.Liga  |  Saison 2014/15

MSV Duisburg - SG Sonnenhof Großaspach   1:1 (1:1)
Samstag, 2. August  |  14:00 Uhr

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Pakt mit Pfosten und Latte geschlossen

Drittliga-Neuling Großaspach hat beim 1:1 in Duisburg viel Glück und einen guten Torwart, leistet aber auch zähe Gegenwehr

War es nun riesiges Glück, dass Drittliga-Neuling Großaspach einen Punkt aus Duisburg entführte Oder war das 1:1 am Ende doch verdient Es war beides. Arger Dusel wars, weil die SG Sonnenhof einen unglaublichen Pakt mit Pfosten und Latte geschlossen hatte. In Ordnung ging es, weil die Gäste dem MSV auch in Unterzahl zähe Gegenwehr leisteten.

Voller Inbrunst schmetterten die Fans der Zebras vor dem Anpfiff die Vereinshymne. Überhaupt bildeten über 11400 Zuschauer in der Schauinsland-Reisen-Arena eine Kulisse, die für viele Aspacher Kicker völliges Neuland darstellte. Das hoffe ich, antwortete MSV-Manager Ivica Grlic auf die Frage des Stadionsprechers, ob sich die SG davon zu Beginn vielleicht einschüchtern lassen würde. Bald sollte sich zeigen: Diese Hoffnung war nicht unbegründet.

Noch keine zwei Minuten waren vorbei, als der Neuling kalt erwischt wurde. Duisburgs Zlatko Janjic spielte den öffnenden Pass auf die rechte Seite. Der aufgerückte Außenverteidiger Steffen Bohl schlug eine Flanke auf den langen Pfosten, wo Dennis Grote allen Platz der Welt hatte. Er hämmerte die Kugel mit voller Wucht zum 1:0 ins Netz. Wir sind ganz schwer ins Spiel gekommen, räumte Aspachs Kapitän Daniel Hägele später ein: Wir haben in allen Mannschaftsteilen die Zweikämpfe verloren und uns ein wenig von der Kulisse erdrücken lassen. Trotzdem gelang dem Außenseiter bereits nach elf Minuten das 1:1. Shqiprim Binakaj eroberte den Ball, marschierte die rechte Seite hinunter und bewies viel Übersicht. Er schaute am Strafraumeck kurz hoch, sah Sahr Senesie und spielte ihn mustergültig an. Der erfahrene SG-Stürmer zog aus etwa 16 Metern umgehend ab und traf ins linke untere Eck.

Um ein Haar hätte Aspach keine 60 Sekunden später ein zweites Mal getroffen. Nun war Senesie der Passgeber und Tobias Rühle der frei vor dem Kasten stehende Adressat. Er zielte aber zu hoch, die Führung wäre auch zu viel des Guten gewesen. Was zu diesem Zeitpunkt noch keiner wissen konnte: Es sollte beim 1:1 bleiben. Unter anderem, weil die SG ein Bündnis mit dem Aluminium eingegangen war. Es war ein Pakt, der letztlich vier Punkte umfasste, der Duisburg zur Verzweiflung brachte.

Von Kingsley Onuegbu freigespielt, zielt Janjic aus halblinker Position und etwa 18 Metern auf das rechte Eck. Das Leder klatscht an den Pfosten.

Pierre De Wit zirkelt einen Freistoß aus dem rechten Halbfeld in den Strafraum, die SG-Abwehr verliert Christopher Schorch am zweiten Pfosten völlig aus den Augen. Dessen Kopfball gegen die Laufrichtung von Keeper Kevin Kunz trudelt wie in Zeitlupe aufs Tor zu, um letztlich wieder an den Pfosten zu hoppeln.

De Wit packt seinen ganzen Zorn über das einfach nicht fallen wollende erneute Führungstor in einen Freistoß. Er hält aus rund 30 Metern mit aller Gewalt drauf und muss dabei zuschauen, wie die Kugel ans linke Lattenkreuz donnert.

Onuegbu startet in den freien Raum, bekommt den Ball mustergültig serviert und zieht ab. In diesem Fall ist es der linke Innenpfosten, der im Weg steht.

Alleine der Pakt mit Pfosten und Latte hätte Aspach aber nicht gereicht, um einen Punkt zu entführen. Zu bedanken hatten sich die Gäste auch bei ihrem starken Torhüter: Kunz, eigentlich die Nummer zwei hinter dem derzeit verletzten Christopher Gäng, wurde für die Zebras zu einem weiteren Spielverderber. Das begann schon in der 15. Minute, als er nach einer Kopfballverlängerung Onuegbus gegen Grote einen tollen Reflex auspackte. Das setzte sich in der 24. Minute fort, als der 22-Jährige den tückischen, für ihn spät zu sehenden 25-Meter-Freistoß von Janjic gerade noch abwehren konnte. Das fand den Höhepunkt in der 58. Minute, als Kunz beim Schuss von Onuegbu abtauchte, die Fingerspitzen gerade noch an die Kugel brachte und sie zum Eckball ablenken konnte. Das endete mit einer Glanztat gegen Sascha Dum in der 62. und mit den abgewehrten Distanzschüssen von De Wit in der 71. sowie von Fabian Schnellhardt in der 89. Minute.

Einige Male zielten die Duisburger aus aussichtsreichen Positionen auch noch zu hoch oder vorbei. Und dann war da noch die Nachspielzeit: Grote versuchte es ein letztes Mal, aus 25 Metern mit einem herrlichen Schlenzer. Dieses Mal war Kunz geschlagen, die Richtung und die Höhe passten auch. Aber: Da war noch Innenverteidiger Kai Gehring und köpfte den Ball in höchster Not aus dem linken Winkel.

Damit hatte die SG den einen Zähler in der Tasche. Ich glaube nicht, dass dieser Punkt unverdient war, sagte Trainer Rüdiger Rehm. Eine Begründung: Wir haben immer wieder Nadelstiche gesetzt. Er meinte neben dem Treffer und der dicken Rühle-Möglichkeit einige weitere Konter, die wären sie sauber vollendet worden zu Toren hätten führen können. Eine zweite Begründung lieferte Senesie: Mit zehn Mann haben wir es besser gemacht, da haben wir weniger Torchancen zugelassen. Josip Landeka sah in der 60. Minute Gelb- Rot. Ball gespielt, befanden die Aspacher, überhartes Einsteigen, urteilte der Referee. Auf alle Fälle war es vom Linksverteidiger kropfunnötig, mit Gelb vorbelastet an dieser Stelle des Platzes so ungestüm hinzugehen. Ohne Landeka war noch eine halbe Stunde zu überstehen. Es gelang, weil alle miteinander zähe Gegenwehr an den Tag legten. Es gelang vielleicht auch, weil beim MSV die Kräfte schwanden und sich zusehends Resignation breitmachte. Aspachs Entlastungsangriffe wurden gegen Ende wieder häufiger, nach Gehrings Rettungsaktion war der Punktgewinn perfekt.

Überragend: Extralob von Rehm für Keeper Kunz

SG-Trainer bereitet sein Team nun auf das Kickers-Spiel am Dienstag vor

(stg). Er packte immer noch einmal einen Treffer drauf, der gute Lettieri. Wir hätten 7:2, 8:2, 9:2 gewinnen können, befand der MSV-Trainer in der Pressekonferenz. Das war vielleicht ein wenig zu dick aufgetragen bei den vielen Torchancen, die seine Truppe versiebt hatte, wars aber zumindest eine Analyse, die ihm gestattet sei. Viermal mal trätierten die Duisburger das Gebälk, mehrere Male scheiterten sie am starken SG-Keeper Kevin Kunz. Entsprechend bedient war Grote. Zu gewinnen, wäre nie verdienter gewesen als heute, jammerte der Flügelflitzer.

Das kann man so sehen, muss man aber nicht. Denn: Pech paarte sich mit Fahrlässigkeit. Senesie brachte es auf den Punkt. Wir hätten uns nicht beschweren können, wenn der MSV gewonnen hätte, gab der SG-Stürmer zu, aber wir können ja nichts dafür, wenn die nicht treffen. Der Neuling hatte es wahrlich nicht nötig, sich dafür zu entschuldigen, dem Ex-Bundesligisten einen Punkt abgeknöpft zu haben. Dem Traditionsverein also, dem Senesie bescheinigt, ein Aufstiegsaspirant mit starker individueller Klasse zu sein. Der 29-jährige Angreifer, der nach dem frühen 0:1 für den Ausgleich gesorgt hatte, erinnerte zudem an die Großchance, die Tobias Rühle direkt nach dem 1:1 vergeben hatte.

Vom Glück des Tüchtigen, sprach SG- Keeper Kunz nach der Begegnung, davon, dass man sich den Punkt vor allem in Unterzahl nach der Ampelkarte für Josip Landeka (60.) erarbeitet habe. Den eigenen Anteil hob Kunz nicht besonders hervor. Es macht ihn sympathisch, dass das andere tun mussten. Wir hatten einen überragenden Torwart, der über sich hinausgewachsen ist. Das freut mich für den jungen Burschen, sagte SG-Trainer Rehm, der aber auch ein Allgemeinlob loswurde: Ich bin stolz auf mein Team.

Nach zwei Spielen hat der Neuling bereits vier Zähler erbeutet, hätte uns das jemand vor der Saison gesagt, hätten wir das sofort unterschrieben, betonte Kapitän Hägele. Am Dienstag (19 Uhr) will die SG Sonnenhof zu Hause gegen die Stuttgarter Kickers ein weiteres Ausrufezeichen setzen. Aber: Großaspach hat Personalsorgen. Torwart Christopher Gäng, Robin Schuster (beide im Aufbautraining), Manuel Fischer (Kapselriss im Knöchel) und Robin Binder (Kreuzbandriss) fallen aus. Josip Landeka ist gesperrt, weitere Spieler sind angeschlagen, sollen aber einsatzfähig sein. Wir werden wieder eine schlagkräftige Truppe auf die Beine stellen und alles abrufen, verspricht Rehm.

Statistik:

Duisburg: Ratajczak - Bohl, Schorch (74. Wille), Meißner, Wolze - De Wit (79. Schnellhardt), Albutat - Klotz (59. Dum), Janjic, Grote - Onuegbu.
Großaspach: Kunz - Vecchione, Gehring, Hägele, Landeka - Binakaj (73. Leist), Rizzi, Jüllich, Berger (40. Skarlatidis) - Rühle (59. Sohm), Senesie.
Tore: 1:0 (2.) Grote, 1:1 (11.) Senesie.
Gelbe Karten: Schorch, Schnellhardt - Landeka, Skarlatidis, Vecchione, Rühle, Rizzi.
Gelb-Rote Karte: Landeka (60./wiederholtes Foulspiel).
Schiedsrichter: Badstübner (Windsbach).
Zuschauer: 11404.

SG auf bkz-online

Es war eine intensive Begegnung mit vielen Torraumszenen, das 1:1 der SG Sonnenhof Großaspach beim MSV Duisburg. Ein Video mit den beiden Treffern, mit weiteren interessanten Aktionen und einigen Stimmen zum Spiel gibt es in Kooperation mit dem neuen SG-TV unter www.bkz-online.de.

Hier wird auch im Anschluss an das Heimspiel am Dienstag gegen die Stuttgarter Kickers ein Video zu finden sein. Zudem gibt es während des Duells der Nachbarn auch wieder den Liveticker mit aktuellen Informationen.

Quelle: Backnanger Kreiszeitung am 4. August 2014

Impressionen aus Duisburg