3.L | Freitag, 18. Juli 2014 (tai)
1:2, SG kassiert Niederlage in Rüdi´s Heimat

Drittliga-Neuling mit Teilzeit-Profis

Die 8.000-Einwohner-Gemeinde Aspach liegt idyllisch zwischen den schwäbisch-fränkischen Waldbergen und dem Neckarbecken. Bisher kamen Vereine wie der SVN Zweibrücken oder die SpVgg Neckarelz hier her, um Fußball zu spielen. Jetzt heißen die Gegner Arminia Bielefeld oder Dynamo Dresden. Mit acht Punkten Vorsprung wurde die SG Sonnenhof Großaspach Meister der Regionalliga Südwest und stieg in die 3. Liga auf. Vater des Erfolgs ist Trainer Rüdiger Rehm, der sein Team in den Relegationsspielen gegen den Nord-Meister VfL Wolfsburg II (0:0, 1:0) zum Aufstieg führte.

Aufstieg löste Euphoriewelle aus

Groß war der Jubel als Anfang Juni feststand, dass die Schwarz-Roten nun erstmalig in der Vereinsgeschichte in der 3. Liga mitmischen. "Für unsere kleine Gemeinde ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Viele Traditionsvereine in unserer Region sind in den vergangenen Jahren sportlich abgerutscht. Der Aufstieg hat eine Euphoriewelle ausgelöst. Das Interesse an der SG Sonnenhof ist groß", sagt Rüdiger Rehm im Gespräch mit DFB.de.

Welche "Opfer" die SGS für den Erfolg brachte, wird deutlich, wenn man das Jahr 2010 Revue passieren lässt. Damals bestand die SG Sonnenhof noch aus mehreren Abteilungen. Doch durch die gewachsenen Ansprüche der Fußballer wurde die Fußballabteilung ausgegliedert. Die anderen Abteilungen wie Kegeln, Turnen und Tischtennis verließen den Verein und gründeten eigene Clubs.

Das größte Faustpfand der SGS war in der abgelaufenen Saison die Offensive. Mit 71 Toren in 34 Spielen waren die Spieler von Rüdiger Rehm die erfolgreichsten der Liga. Besonders in der Rückrunde drehten die Württemberger auf. 42 Tore stehen 29 Treffer aus der Hinrunde gegenüber. "Auch in der neuen Liga wird es darauf ankommen, dass wir offensiv torgefährlich bleiben. Jedoch wird besonders die Mischung aus Angriff und Abwehr entscheidend sein. Wir dürfen Nichts vernachlässigen", so Rüdiger Rehm.

Kader-Planung ist noch nicht abgeschlossen

Während die Großaspacher das Trainingslager im österreichischen Walchsee hinter sich gelassen haben, ist die Kader-Planung noch nicht abgeschlossen. "In der Defensive sind wir mittlerweile komplett. Allerdings könnte sich in unserer Offensivabteilung noch etwas tun", erklärt Rüdiger Rehm. Die Transferaktivitäten der SGS hielten sich bislang in Grenzen. Mit Bojan Spasojevic (FC Augsburg U 19), Julian Leist (Stuttgarter Kickers), Josip Landeka (SV Darmstadt) und Claudio Bellanave (FC Homburg) verstärkten sich die Schwarz-Roten nur punktuell. "Damit sind wir in den vergangenen Jahren gut gefahren. Die Eingespieltheit unserer Mannschaft könnte uns zu Gute kommen", sagt der 35-Jährige weiter.

Besonders auf Landeka ruhen die Hoffnungen der SGS-Anhänger. Denn mit über 100 Drittliga-Spielen ist der 27-jährige Kroate der erfahrenste Zugang im Neckarbecken. "Genau deswegen haben wir Josip geholt. Er gehört mit 27 Jahren noch längst nicht zum 'alten Eisen', hat aber trotzdem schon sehr viele Partien in der 3. Liga absolviert. Er ist jemand, der vorneweg gehen und die Mannschaft führen kann", sagt Rüdiger Rehm über seinen Zugang.

Ein Faktor wird nach Meinung von Rüdiger Rehm auch die körperliche Robustheit: "Läuferisch können wir auch in der 3. Liga ohne Probleme bestehen. Doch unsere Zweikampfführung muss sich ändern. Das mussten wir in der vergangenen Saison erfahren, als wir uns im Verbandspokal den Stuttgarter Kickers 0:2 geschlagen geben mussten."

Cimander rückt in den Trainerstab auf

Als "Mr. Sonnenhof Großaspach" kann man Martin Cimander bezeichnen. Denn bereits seit 14 Jahren ist der Innenverteidiger bei der SGS. Er erlebte die erfolgreichsten Jahre des Vereins. Von der Landesliga bis in die 3. Liga: Cimander machte alle Aufstiege mit. Ab sofort steht er nicht mehr so häufig auf dem Platz, er übernimmt im Verein eine neue Rolle. Nach seiner Vertragsverlängerung im April (bis 2017) ist er nun in den Trainerstab der SGS aufgerückt. "Ich bin jetzt eine Art Standby-Profi und will auch zeitnah die Trainerlizenzen in Angriff nehmen. Trotzdem reizt es mich sehr, auch selbst noch einmal in der 3. Liga zu spielen", sagt der 32-jährige Verteidiger.

Im Rennen um den Klassenverbleib muss die Aspacher Mannschaft mit einer Doppelbelastung leben. Die SGS besteht fast vollständig aus Spielern, die nur nebenberuflich Fußball spielen und noch einer anderen Tätigkeit nachgehen müssen. "Wir sind ein Dorfverein mit guten Bedingungen, können aber keine großen Summen zahlen. In unserer Mannschaft gehen deshalb auch nahezu alle Spieler einem Beruf nach, absolvieren eine Ausbildung oder ein Studium", erklärt Cimander, der rund 35 Stunden pro Woche bei einem Automobilzulieferer arbeitet. [mspw]

Quelle: DFB.de am 18. Juli 2014


Kein netter Abend für Rüdiger Rehm

Drittligist Großaspach verliert das Testspiel gegen Regionalligist Hoffenheim II mit 1:2 - Georg Koch ist neuer Torwarttrainer

Nicht zufriedenstellend. Das Urteil von Rüdiger Rehm war deutlich. 1:2 hatte Neu-Drittligist SG Sonnenhof Großaspach in Flein das Testspiel gegen den alten Regionalliga-Rivalen TSG Hoffenheim II verloren. Kein Drama. Aber zehn Tage vor Saisonstart für einen Trainer auch kein Grund, zufrieden zu sein.

Für SG-Coach Rehm wars ein Heimspiel, lebt er mit Frau und Kindern doch in der Gemeinde unweit von Heilbronn. Einen netten Abend bei Bekannten erlebte der 35-Jährige gestern jedoch nicht. Bei uns hat das Tempo gefehlt, stellte der Coach nach der Partie fest. Der Gegner sei einfach ein klein wenig bissiger gewesen, fügte Rehm hinzu. Irgendwie wars einfach ein typisches Vorbereitungsspiel. Eines, in dem sich der Drittligist und der Regionalligist auf Augenhöhe begegneten. Eines, in dem Stürmer Tobias Rühle schon nach fünf Minuten die Großaspacher Elf in Führung hätte bringen können, den Ball aber frei stehend aus acht Metern drüber jagte. Eines, in dem Sahr Senesie in der 52. Minute aus 15 Metern scheiterte und damit überhaupt erst die zweite große Chance in der Partie hatte. Ein Vergleich, in dem Hoffenheim dank des Treffers von Lukas Röser in der 63. Minute überraschend das 1:0 erzielte.

 Schaffte es mit der SG gestern Abend nicht, sich durchzusetzen: Michele Rizzi (links). Foto: A. Becher

Schaffte es mit der SG gestern Abend nicht, sich durchzusetzen: Michele Rizzi (links). Foto: A. Becher

Was bei der Hitze danach kam, waren eher müde Versuche der SG Sonnenhof, die Testspielniederlage doch zu vermeiden. In der 77. Minute hätte Manuel Fischer fast den Ausgleich erzielt, scheiterte aber an einem Abwehrbein, das den Ball kurz vor der Linie wegschlug. Fas t im Gegenzug fiel dann die Entscheidung. Erst wehrte SG-Torhüter Kevin Kunz einen 22-Meter-Schuss von Patrick Schorr klasse ab. Doch den anschließenden Eckball köpfte ausgerechnet der in der Backnanger Buch groß gewordene Ex-Aspacher Fabian Aupperle wuchtig zum vorentscheidenden 2:0 ins Netz.

Drei Minuten vor Schluss war es dann der eingewechselte Pascal Sohm, der für den Drittligisten auf 1:2 verkürzte. Zwar verdient, doch auch nicht viel mehr als ein klein wenig Ergebniskosmetik. Die täuscht nicht darüber hinweg, dass die SG nicht an die gute Leistung vom 3:2-Erfolg vor fünf Tagen gegen den Zweitligisten RB Leipzig anknüpfen konnte. Aber: Noch sind ja zehn Tage Zeit, ehe zum Saisonauftakt Mitaufsteiger Fortuna Köln in den Aspacher Fautenhau kommt.

Außerdem: Ganz ohne positive Nachricht ging es gestern Abend bei Aspach nicht. Die SG hat einen prominenten Nachfolger für Jörg Schlisske, der seinen Job als Torwarttrainer aus privaten Gründen zur Verfügung stellte. In Flein zählte Ex-Bundesligakeeper Georg Koch (unter anderem Fortuna Düsseldorf, Arminia Bielefeld, 1. FC Kaiserslautern) zum Trainerteam. Der 42-Jährige soll bereits einen Einjahresvertrag unterschrieben haben.

Stenogramm:

Großaspach: Kunz - Binakaj, Gehring, Leist (46. Jüllich), Landeka (63. Kienast) - Ballanave (46. Binder), Rizzi, Hägele (78. Cimander), Berger (63. Diakite) - Senesie (63. Fischer), Rühle (30. Sohm).
Hoffenheim II: Draband - Schindler, Fesser (57. Aupperle), Ruck, Schorr - Atik, Mann (57. Hürzeler), Thermann, Özkan (65. Mees) - Krempicki, Röser.
Tore: 0:1 (63.) Röser, 0:2 (79.) Aupperle, 1:2 (87.) Sohm.
Schiedsrichter: Schlager Niederbühl).
Zuschauer: 300.

Quelle: Backnanger Kreiszeitung am 18. Juli 2014