RL | Montag, 2. Juni 2014 (BKZ)
Aspach stürmt in die 3. Liga !!!

Aufstiegsrelegation in die 3. Liga (Rückspiel)
So. 01. Juni  |  14 Uhr

VfL Wolfsburg II - SG Sonnenhof Großaspach   0:1 (0:0)

[Videobericht bei DFB-TV]

Senesie schießt Großaspach ins Glück

Regionalliga-Elf aus dem Fautenhau gewinnt das Relegationsspiel in Wolfsburg verdient mit 1:0 und steigt in die Dritte Liga auf

Gestern um 15.51 Uhr war es vollbracht: Die SG Sonnenhof Großaspach steigt in die Dritte Liga auf. Die Fußballer aus dem Fautenhau gewannen das Relegations-Rückspiel beim VfL Wolfsburg II mit 1:0. Nach dem torlosen Remis im Hinspiel war es Sahr Senesie, der mit seinem Tor in der 68. Minute den Startschuss für die große Sause abfeuerte.

Feierten und bejubelten den bislang größten Erfolg der Vereinsgeschichte: Fußballer, Funktionäre und Fans der SG Sonnenhof Großaspach. Rund 250 Anhänger hatten die Elf aus dem Fautenhau ins ferne Niedersachsen begleitet.Fotos: A. Becher

Feierten und bejubelten den bislang größten Erfolg der Vereinsgeschichte: Fußballer, Funktionäre und Fans der SG Sonnenhof Großaspach. Rund 250 Anhänger hatten die Elf aus dem Fautenhau ins ferne Niedersachsen begleitet. Fotos: A. Becher

Von Steffen Grün - In Windeseile hatte sich der Matchwinner der meisten Klamotten entledigt und sie all denen vermacht, die auf der Jagd nach Erinnerungsstücken an diese klubhistorische Stunde waren. Geblieben waren dem Schützen des einzigen Treffers in 180 Minuten nur die Unterhose und die Stutzen – genau der passende Aufzug, um zu den SG-Anhängern in die Kurve zu flitzen.

Dort wollte sich Sahr Senesie aber partout nicht alleine feiern lassen, denn „es geht nicht darum, wer das entscheidende Tor macht, irgendeiner muss es machen. Es geht um den Zusammenhalt, den wir über das ganze Jahr gezeigt haben. Das ist wichtiger als die Stärke eines Einzelnen“. Deshalb wurden das ganze Team und alle Verantwortlichen frenetisch umjubelt. Der Sekt spritzte ohne Ende und alle Beteiligte trugen längst ihre Aufstiegs-T-Shirt am Leib. Kurz danach enterten die völlig euphorisierten Kicker den Presseraum und gaben noch vor den Trainern ihr Statement ab: „Wir sind die Geilsten der Welt.“

Ob es ihm recht ist oder nicht: Am Ende wird in der Klubhistorie trotzdem ein Akteur eine herausgehobene Position besetzen: Sahr Senesie. Der Stürmer brach den Bann mit seinem Tor in der 68. Minute. Wolfsburgs Kevin Scheidhauer forderte nach einem Zweikampf mit Kai Gehring im Mittelfeld vergeblich einen Freistoß, die Mitspieler verharrten ebenso für einen Moment. Gehring spielte weiter, stürmte zum rechten Eck des Strafraums und bewies dann auch noch Übersicht. In der Mitte stand Senesie frei, bekam die Kugel und zog aus 16 Metern ab. Über VfL-Keeper Patrick Drewes donnerte das Leder ins Netz. „Kann man pfeifen, muss man aber nicht“, sagte Wolfsburgs Trainer Valérien Ismael über die umstrittene Szene: „Wir haben uns auf den Schiri verlassen, das hätten wir nicht tun dürfen.“ 1:0 – eine völlig verdiente Führung für das Team, das über weite Strecken den Ton angab.

Anders als im ersten Duell zwischen dem Südwest- und dem Nordmeister brauchte die SG keine lange Anlaufzeit, sondern war sofort da. Nach vier Minuten tauchte Aspach zum ersten Mal gefährlich vor dem Wolfsburger Kasten auf. Einen Eckball von Michele Rizzi verlängerte Daniel Hägele, am langen Pfosten rutschte Tobias Rühle heran, beförderte die Kugel aber weit übers Tor. Probleme, ins Spiel zu finden, hatte eher die Erstliga-Reserve – vielleicht war es die Angst, ein frühes Tor zu kassieren, das den Gästen einen spürbaren Vorteil verschafft hätte. Denn: Auswärtstore zählen bei Gleichstand doppelt. In der 14. Minute war es ein verunglückter Aspacher Freistoß, der den VfL zum Konter einlud. SG-Torwart Christopher Gäng riskierte Kopf und Kragen, um zu klären.

Aspach zog sich etwas zurück, Wolfsburg traute sich nicht, mehr zu riskieren. Moritz Kuhn hatte in der 27. Minute genug von der Plänkelei. Er holte bei einem Freistoß aus gut 30 Metern den Hammer raus, der Schuss wurde leicht abgefälscht und strich über die Latte. Nach dem folgenden Eckball herrschte im VfL-Strafraum etwas Verwirrung. Simon Skarlatidis kam aus etwa 14 Metern zum Abschluss, erwischte Torwart Drewes auf dem falschen Fuß, doch Ferhat Yazgat klärte auf der Linie. Fazit zur Pause: Wenn sich jemand übers 0:0 ärgern musste, dann waren’s die Gäste. Die Hausherren mussten zufrieden sein.

Den besseren Start in die zweite Halbzeit erwischten wieder die Schwaben, die mit der reiferen Spielanlage aufwarteten. Als Rühle nach einer Senesie-Flanke bei einem Kopfball-Versuch leicht gestoßen wurde, war das für einen Elfmeter zu wenig, aber die Richtung war vorgegeben. Die SG blieb feldüberlegen, belohnte sich zunächst aber nicht. Dicke Torchancen blieben Mangelware, doch in der 68. Minute folgte Senesies Schuss ins Glück. Fünf Minuten später hätte derselbe Spieler nach einem Konter beinahe erhöht, dann wäre alles klar gewesen. Doch auch so galt: Wolfsburg braucht noch zwei Tore, um das Blatt zu wenden und Aspach ins Tal der Tränen zu stürzen. Rasch wurde deutlich: Das passiert nicht mehr. Zu harmlos die Hausherren, zu stabil in der Defensive die Gäste, die sich auch durch die aufkommende Hektik nicht aus der Ruhe bringen ließen. Mit der Ruhe war es erst vorbei, als der Schlusspfiff ertönte.

Erzielte im Rückspiel in Wolfsburg das entscheidende Tor, das für die SG Sonnenhof den Aufstieg in die Dritte Liga bedeutete: Sahr Senesie.

Erzielte im Rückspiel in Wolfsburg das entscheidende Tor, das für die SG Sonnenhof den Aufstieg in die 3.Liga bedeutete: Sahr Senesie.

Stimmen zum Spiel:

  • Großaspachs Trainer Rüdiger Rehm: „Ein Traum ist heute in Erfüllung gegangen. Die Truppe war sehr konzentriert und fokussiert auf den Gegner. Wir wussten genau, wie wir sie packen können, haben eins zu eins umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Es ist einfach genial, das Gefühl ist sensationell. Was dieser Aufstieg für uns bedeutet, ist unglaublich. Wir sind eigentlich eine Feierabendtruppe, haben alle Halbtagsjobs. Und in ein paar Wochen kommen wir als Profis zum Training. Wir spielen nun gegen Dynamo Dresden, Arminia Bielefeld, Energie Cottbus – unglaublich. Wir wollen die Euphorie in die Dritte Liga mitnehmen.“
  • VfL-Coach Valérien Ismael: „Glückwunsch an Großaspach. Wir sind alle der Meinung, dass es verdient ist. Ein paar meiner Spieler waren nicht auf ihrem Niveau. Wir waren zu nervös, hatten viele Ballverluste, haben die Bälle vorne nicht festgemacht. Gerecht ist es nicht, dass mit Mainz nun ein Tabellendritter aufsteigt – aber es nützt ja nichts, zu weinen. Wir müssen aufstehen, wieder angreifen.“
  • SG-Kapitän Daniel Hägele: „Wir sind richtig gut ins Spiel gekommen, haben die Zweikämpfe angenommen. Wir hatten den mentalen Vorteil, dass wir wussten, dass uns ein Tor höchstwahrscheinlich reicht. Es ist überwältigend, in die Dritte Liga aufzusteigen. Ein Wahnsinnsgefühl, nicht zu beschreiben.“
  • Uli Ferber, Aspacher Aufsichtsrat und Mitbegründer der SG Sonnenhof Großaspach: „Ich bin stolz darauf, was die Mannschaft gezeigt hat. Sie ist aufgestiegen, weil sie gezeigt hat, dass sie aufsteigen will. Wir haben es gepackt, obwohl wir den stärksten von allen vier möglichen Relegationsgegnern hatten. Es ist eine charakterstarke Mannschaft, der Trainerstab hat alles gut im Griff. Joannis Koukoutrigas, Michael Ferber und alle anderen haben gute Arbeit geleistet. Ich habe vor 20, 25 Jahren mit der ganzen Geschichte begonnen – schon klasse, was daraus geworden ist.“
  • Aspachs Sportdirektor Joannis Koukoutrigas: „Es ist eine komische Gefühlslage. Ich kann es noch gar nicht beschreiben, kann im Moment noch gar nicht begreifen, was passiert ist. Aber es ist verdient. Jeder, der hier im Stadion war, hat gesehen, dass wir mehr investiert haben und unbedingt gewinnen wollten.“
  • Martin Cimander, Aspachs dienstältester Spieler, der mit der SG von der Landes- bis in die Dritte Liga alle Aufstiege mitmachte: „Das ist überragend. Es hätte doch niemand gedacht, dass wir einmal in die Dritte Liga aufsteigen. Das ist der helle Wahnsinn, unglaublich. Wir haben es nach diesen beiden Spielen absolut verdient.“
  • Werner Benignus, Präsident der SG Sonnenhof Großaspach: „Es ist eine absolute Sensation. Ich hatte am Morgen bei der Hinfahrt noch nicht daran geglaubt, umso größer ist die Freude. Die Mannschaft, der Trainerstab, der ganze Verein haben sich diesen Erfolg verdient. Es war eine tolle Saison, der Aufstieg ist die Krönung.“
  • Sonnenhof-Mittelfeldorganisator Michele Rizzi: „Der Sieg war hochverdient. Wir waren sehr gut im Spiel, hatten keine Angst, waren mutig, haben nicht daran gedacht, was passieren kann, wenn es nicht klappt. Das war der Schlüssel, dass wir mehr Mut und einen Plan hatten. Und: Dass wir alles rausgehauen haben, was ging.“
  • Aspachs Geschäftsführer Thomas Deters: „Der Aufstieg ist definitiv verdient, wir waren die bessere Mannschaft. Wir sind verdient in Führung gegangen, hatten schon vor der Pause die klareren Möglichkeiten. In der zweiten Halbzeit wurden wir für die ganzen Anstrengungen belohnt. Ab sofort können wir uns ausschließlich auf die Dritte Liga konzentrieren. Bislang mussten die ganzen Planungen bei uns selbstverständlich ja parallel laufen.“
  • SG-Aufsichtsratschef Andreas Möhle: „Es war ein überwältigendes Spiel. Richtig toll war, wie die Mannschaft danach gefeiert hat. Sie hat es sich absolut verdient. Wir haben vom Aufsichtsrat schon vorgebaut für das, was in der neuen Saison auf uns zukommt. Nun geht es an die Umsetzung der ganzen Vorhaben. Die sportliche Leitung hat dabei unser volles Vertrauen.“

Kniefall vor dem Meistermacher: Vereinsboss Werner Benignus und Trainer Rüdiger Rehm.

Kniefall vor dem Meistermacher: Vereinsboss Werner Benignus und Trainer Rüdiger Rehm.

Statistik:

Wolfsburg II: Drewes - Korczowski, Henneböle, Sonnenberg, Poggenberg - Eilers, Schulz, Yazgan (69. Erkic), Granatowski - Evseev (65. Tankulic), Scheidhauer.
Großaspach: Gäng - Vecchione, Gehring, Hägele, Kuhn - Binakaj, Rizzi, Jüllich, Skarlatidis (90. Berger) - Senesie (85. Renner), Rühle (71. Fischer).
Tor: 0:1 (68.) Senesie.
Schiedsrichter: Wingenbach (Mainz).
Zuschauer: 3517.

Feier, Ausflug, Arbeit

Sportdirektor Koukoutrigas plant keine riesige Einkaufstour

(stg). Keine Frage: Gestern war für Aspachs Funktionäre der Tag der Freude. Spätestens am Freitag, wenn das komplette Team vom Ausflug aus Mallorca wieder zurück ist, kehrt aber wieder der Alltag ein. Vor allem für Sportdirektor Joannis Koukoutrigas, der in den vergangenen Wochen zweigleisig denken musste und sich nun komplett auf die Planungen für die erste Saison der SG in der Dritte Liga konzentrieren kann. Dynamo Dresden statt Baunatal, Hans Rostock statt Pfullendorf, die Stuttgarter Kickers statt Neckarelz – das ist eine Hausnummer.

Bange ist Koukoutrigas deshalb längst nicht, „wir haben unsere Hausaufgaben schon ein Stück weit gemacht und intensivieren nun die Planungen“. Heißt: Die SG hat den einen oder anderen Kicker im Visier, der das Team verstärken soll. Davon, jetzt „die vorbereiteten Dinge abzuarbeiten“, spricht Koukoutrigas, der in den Gesprächen mit den Kandidaten nun weniger Überzeugungsarbeit leisten muss.

Bedarf besteht vor allem in der Innenverteidigung, die wegen der langwierigen Verletzung von Robin Schuster quantitativ dünn besetzt war. Weil zudem die Planstelle von Marius Jurczyk frei wird, der zu Verbandsliga-Aufsteiger Backnang wechselt (wir berichteten), werden zwei neue Innenverteidiger gesucht. Für die offensiven Außenbahnen wäre ein Akteur die Ideallösung, der links wie rechts einsetzbar ist. Eine Alternative zu David Kienast braucht es hinten links. Trotz der Gedankenspiele lässt der Sportdirektor keinerlei Zweifel daran aufkommen, dass die Mannschaft sein Gesicht nach dem umjubelten Aufstieg nicht allzu stark verändert. „Unsere Jungs haben sich die Dritte Liga verdient. Wir werden den Kader nur sinnvoll ergänzen.“

Die meisten Leistungsträger sind ohnehin weiter an den Verein gebunden. Noch nicht gilt dies für Robin Schuster, Felice Vecchione, Sahr Senesie und Michele Rizzi. Deren Verträge laufen aus, sollen aber alle verlängert werden. „Es gab schon Gespräche“, verrät Koukoutrigas, der guter Dinge ist: „Wir haben allen gesagt, dass wir sie halten wollen.“

Wohl weit schwieriger wird es, Rechtsverteidiger Moritz Kuhn zu halten. An ihm hat Zweitligist SV Sandhausen großes Interesse. Weg sind neben Jurczyk sonst nur Daniel Lang (Stuttgarter Kickers II), Johannes Fiand (vielleicht Bahlinger SC) und Sidi Niang (unbekannt). Der Gesamtetat steigt von 1,3 auf 2,3 Millionen Euro – möglich machen das unter anderem TV-Gelder, die auf 710 000 Euro beziffert werden. „Das Ziel wird erst einmal sein, die Klasse zu halten“, kündigt Koukoutrigas an: „Danach wollen wir uns Stück für Stück etablieren.“ Und das mit Rüdiger Rehm als Trainer. Dem Meistermacher fehlt aber noch die Lizenz für die Dritte Liga. Ist der fehlende Schein als Fußballlehrer ein Hindernis? „Nein“, sagt Koukoutrigas und legt nach: „Rüdiger Rehm ist und bleibt unser Trainer.“

Quelle: Backnanger Kreiszeitung am 2. Juni 2014