RL | Montag, 14. April 2014 (tai)
Danke Jungs, das war der helle Wahnsinn!

Regionalliga Südwest, 28. SpT
SpVgg Neckarelz - SG Sonnenhof Großaspach   1:2 (1:0)

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Teufelskerl Gäng und Rizzis Knallertor

Spitzenreiter SG Sonnenhof Großaspach setzt sich in einem denkwürdigen Spiel der Fußball-Regionalliga in Neckarelz mit 2:1 durch

Charaktertest bestanden: Nach dem Pokalaus gab die SG Sonnenhof Großaspach in der Fußball-Regionalliga die richtige Antwort und siegte bei der Spvgg Neckarelz mit 2:1.

Der Abpfiff im Elzstadion im Mosbacher Stadtteil: Großaspachs Coach Rüdiger Rehm stürmt zusammen mit den Verantwortlichen und Spielern des Sonnenhofs aufs Feld. Sie bejubeln den 2:1-Erfolg. Das sind Emotionen pur nach einer denkwürdigen Begegnung, die ein gutes Ende für die Schwaben hat.

Die drei Punkte verdiente sich die SG dank einer starken zweiten Halbzeit. Nach dem 0:1-Pausenrückstand nahm der Sonnenhof auf dem sehr holprigen Rasen den Kampf an. Der Lohn war der 1:1-Ausgleichstreffer in der 51. Minute. Robin Binder flankte von der rechten Seite nach innen, Simon Skarlatidis zog ab, Michael Renner lenkte den Ball mit der Hacke unhaltbar ins Netz. Mit Binder und Renner waren zwei Debütanten in der Startelf am Tor beteiligt. Skarlatidis (56., 25-Meter-Aufsetzer) und Renner (66., aus Nahdistanz) vergaben gute Möglichkeiten. Auf der Gegenseite wurde es noch brenzliger. SG-Keeper Christopher Gäng reagierte nach einem Schuss von Marcel Busch (70.) super. Drei Minuten später kaufte Gäng auch dem freistehenden Benjamin Schäfer den Schneid ab.

Die Schlussviertelstunde hatte es dann in sich. Shqiprim Binakaj meckerte in der 78. Minute und sah daraufhin die gelb-rote Karte. Sieben Minuten danach durfte auch Dennis Grab vorzeitig zum Duschen. Der Innenverteidiger sah für sein Foul am eingewechselten Heiko Throm im Großaspacher Strafraum ebenfalls die gelb-rote Karte. Zudem gab es einen Elfmeter für Neckarelz, den Kapitän Denis Bindnagel schoss. Doch Keeper Gäng lenkte mit einem super Reflex den Ball um den Pfosten. Ein Punktgewinn schien dem Sonnenhof sicher zu sein. Es kam aber noch besser. Mit zwei Spielern weniger gelang den Schwaben in der zweiten Minute der Nachspielzeit der Siegtreffer. Skarlatidis legte auf Michele Rizzi ab. Der Kapitän hämmerte aus 20 Metern den Ball unhaltbar in die Maschen. Damit stand der 2:1-Sieg fest.

Das ist der helle Wahnsinn und unfassbar, sagte Rizzi. Er schob aber auch nach: In der ersten Halbzeit haben wir nicht das abgerufen, was wir können. In der Tat, denn der Spitzenreiter kam in den ersten 45 Minuten überhaupt nicht ins Spiel. Zwar besaß der Sonnenhof die erste Chance, Martin Cimander traf nach 50 Sekunden mit einem 20-Meter-Freistoß nur die Latte, doch danach war Neckarelz am Drücker. Die Badener gingen nach 17 Minuten mit 1:0 in Führung. Nach einem Freistoß von der linken Seite von Marcel Gerstle köpfte Bindnagel ein.

Die SG durfte froh sein, dass sie nicht noch höher in Rückstand geriet. Ugur Beyazal (25., aus Nahdistanz) und Jonas Kiermeier (35., von der rechten Seite) hätten für den Aufsteiger aus Neckarelz durchaus erhöhen können. Dies rächte sich im zweiten Durchgang, in dem die Großaspacher das Blatt noch wendeten.

SG-Coach Rehm: Es gibt selten so schöne Tage

Jubel bei Großaspach, das nun neun Punkte Vorsprung vor Rang drei hat

(hes). "Es gibt selten so schöne Tage", beschrieb Großaspachs Trainer Rüdiger Rehm seine Gefühlslage nach dem 2:1-Erfolg in Neckarelz. Zuvor hatte er eine Bierdusche von seinen Spielern erhalten. Schließlich war es einer der wichtigsten Auswärtssiege der Saison. Für den Coach war nicht nur wegen des Erfolges ein besonderer Tag, denn sein Sohn Louis hatte seinen 4. Geburtstag gefeiert.

In Feierlaune war Rüdiger Rehm nach dem Abpfiff. Doch danach sah es zunächst nicht aus, musste er doch Umstellungen in der Startelf vornehmen. Denis Berger fuhr zwar mit nach Neckarelz, verabschiedete sich aber kurz vor dem Spielbeginn. Der Mittelfeldspieler wurde Vater eines Sohnes. Auch Simon Skarlatidis blieb zunächst draußen. "Bei Simon würde es nach dem Pokalspiel nur zu 45 Minuten reichen. In der zweiten Halbzeit hat er neuen Schwung gebracht", begründete Rehm. Der Coach bezeichnet sein Team als verschworene Einheit. In dieser gibt es einen starken Rückhalt: "Christopher Gäng. Er hat super gehalten." Und was sagt der Keeper: "Es war wichtig, auf diesem Acker zu gewinnen", sagte Gäng. Anerkennung gab es auch vom Neckarelzer Trainer Peter Hogen: "Der Großaspacher Torwart hat eine weltklasse Leistung gezeigt."

Mit dem Sieg geht Großaspach mit großen Schritten den Aufstiegsspielen zur Dritten Bundesliga entgegen. An diesen nehmen die ersten beiden Teams der Regionalliga Südwest teil. Großaspach steht ganz vorne und hat nach dem gestrigen Patzer des SC Freiburg II 2:3 zu Hause gegen Eintracht Frankfurt II nun 9 Punkte Vorsprung auf den Dritten bei sechs ausstehenden Partien. "Wir werden alles dafür tun, uns das nicht mehr nehmen zu lassen", sagte Rehm.

Am Gründonnerstag (19 Uhr) geht es in der comtech-Arena gegen Eintracht Trier.

Statistik:

Neckarelz: Wagner - Kiermeier, Busch, Keusch, Bückle - Burgio (88. Christian Schäfer), Kizilyar, Gerstle (76. Keller), Bindnagel, Benjamin Schäfer - Beyazal (76. Throm).
Großaspach: Gäng - Kuhn, Grab, Cimander, Kienast (46. Skarlatidis) - Binder (89. Lang), Jüllich, Rizzi, Vecchione - Binakaj, Renner (76. Fiand).
Tore: 1:0 (17.) Bindnagel, 1:1 (51.) Renner, 1:2 (90.+2) Rizzi.
Karten: Binakaj (78.), Grab (85./beide Großaspach).
Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf).
Zuschauer: 500.

Quelle: Backnanger Kreiszeitung am 14. April 2014


Ein Kurzbericht zum Wahnsinnsspiel

(tai) 90 Minuten sind gespielt, die Nachspielzeit läuft im Elzstadion und Michele Rizzi packt ein 20-Meter-Hammer aus der unhaltbar im Neckarelzer Tor einschlägt. Unmittelbar danach pfeift der Unparteiische Kempter das Spiel ab, auf dem Rasen spielen sich Szenen ab als ob unsere Jungs gerade in die 3. Liga aufgestiegen sind. Warum so ein Jubel? In doppelter Unterzahl hat die Rehm-Elf die drei Zähler beim heimstärksten Team der Liga entführt.

Die Partie begann schon mit einem Aspacher Knaller. Eine Minute war gespielt, da nagelte Martin Cimander einen Freistoß an die Querlatte. Auf dem holprigen Geläuf versuchte die SG weiter Druck auszuüben. Doch unter der sengenden Sonne schienen die Kräfte vom Pokalfight zu fehlen, zudem stellte sich die Elf von Coach Rehm wegen Verletzungen und Sperre fast von selber auf. Kurzfristig reiste auch Denis Berger aus gutem Grund aus dem Mosbacher Ortsteil ab, seine Frau erwartet ein Kind. Den Gastgebern war´s recht, sie übernahmen mit zunehmender Spielzeit die Kontrolle und wurden im Anschluss eines Freistoßes durch die Führung von Bindnagel belohnt (17. Minute). Beim Spitzenreiter lief es hingegen gar nicht rund.

Erst im zweiten Durchgang nahm das Spiel wieder Fahrt auf, der erste schnelle Konter wurde dann auch gleich in etwas Zählbares umgemünzt. Auf der rechten Seite wurde Robin Binder auf Reise geschickt, anstelle selber abzuschließen passte er in den Rückraum zu Simon Skarlatidis der abzog, mit der Hacke veränderte Michael Renner die Laufbahn und der langersehnte Ausgleich war hergestellt (51.). Die Fautenhauer blieben unter der Anfeuerung des mitgereisten Anhangs am Drücker, der Führungstreffer sollte aber nicht gelingen. Es folgte die Viertelstunde von Chris Gäng im SG-Kasten. Gleich zweimal rettete er mit Glanzparaden gegen die starken Neckarelzer (70./74.). Das Unheil schien seinen Lauf zu nehmen, als der bereits verwarnte Shqiprim Binakaj ebenso mit Gelb-Rot vom Platz musste (78.) wie sechs Minuten später Verbandsliga-Kapitän Dennis Grab, der für Kai Gehring in die Innenverteidigung berufen wurde. Zudem erhielten die Gastgeber noch einen Elfmeter zugesprochen, die Chancen auf etwas Zählbares fielen auf Null - wäre da nicht Teufelskerl Gäng. Er lenkte Bindnagels Strafstoß um den Pfosten.

Man hoffte auf den baldigen Abpfiff und diesen einen Zähler, bis Rizzi Maß nahm und die Sonnenhöfer in den siebten Himmel schoß...


Impressionen aus Neckarelz