RL | Mittwoch, 9. April 2014 (BKZ)
In Aspach zurück zu alter Stärke

Selbstverständlich wäre Tobias Rühle gerne dabei. Doch: Derzeit siehts nicht gut aus. Ich hoffe aber, dass es geht. Schließlich steht für ihn und die SG Sonnenhof Großaspach heute ab 19 Uhr in der heimischen Comtech-Arena das WFV-Pokal-Halbfinale gegen die Stuttgarter Kickers an. Der Drittligist, von dem Rühle vor der Saison in den Fautenhau wechselte. Probleme mit der Oberschenkelmuskulatur könnten nun aber dafür sorgen, dass das Wiedersehen nicht auf dem grünen Rasen stattfindet.

Bis auf die Verletzung läuft es für den 1,76 Meter großen Angreifer beim Regionalliga-Spitzenreiter gerade perfekt. Ein Grund: Ich war noch nie so fit wie zurzeit. In Zahlen: Neun Tore und neun Vorlagen. In der sogenannten Scorerwertung ist Rühle bester Aspacher. Es ist eine Art sportliche Wiederauferstehung eines Fußballers, den einige Experten schon abgeschrieben hatten.

Der 23-Jährige, der beim TSV Herbrechtingen als Fünfjähriger mit der Kickerei begann und über den SSV Ulm in der B-Jugend zum VfB Stuttgart kam, zählt zu jener Sorte Sportler, der viel Talent nachgesagt und eine tolle Zukunft prophezeit wird. Doch beim Übergang vom Jugend- in den Aktivenbereich läuft es plötzlich nicht mehr rund. Zwar sammelt Rühle zum Teil noch als A-Jugendlicher bei den Drittligisten VfB Stuttgart II, 1. FC Heidenheim und Stuttgarter Kickers recht viel Spielzeit, doch der Durchbruch gelingt dem früheren U-17- und U-19-Jugendnationalspieler nicht. Verletzungen, Trainer, die nicht auf einen bauen und Ähnliches werden dann meist als Erklärungen bemüht. Rühle sagt so etwas nicht. Er antwortet, in dem er davon spricht, warum es im Fautenhau klappt: Trainer Rüdiger Rehm hat ein gutes Händchen, mit mir umzugehen. Und noch etwas führt der Junge von der Ostalb an: Ich habe mich von Anfang an wohlgefühlt hier auf dem Land. Vielleicht auch, weil ihm die SG von Beginn an Vertrauen entgegengebracht und mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet hat.

Dennoch lief es auch in Aspach nicht von Anfang an so gut. Zwar war Rühle im Angriff oft gesetzt und Einsatz sowie Laufbereitschaft stimmten, doch ein Tor gabs selten. Nach den 17 Vorrundenspielen stand für ihn nur ein Treffer zu Buche. Mit gleich fünf Vorlagen hatte der bullige und schnelle Stürmer allerdings schon angedeutet, dass noch mehr gehen kann. Mittlerweile hat er bewiesen, dass er sogar Spiele mitentscheiden kann.

Der Angreifer weiß, dass er in den vergangenen Monaten eine gute Entwicklung gemacht hat. Dabei war es zu Beginn nicht leicht, musste er sich doch umstellen. War Tobias Rühle beim VfBII, in Heidenheim und bei den Kickers nur Fußballer, muss er in Aspach einer weiteren Beschäftigung nachgehen: Er macht im Backnanger Edeka eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Da heißt es, früh aufzustehen. Am Anfang wars hart, gesteht Rühle, der mittlerweile gemerkt hat: Dadurch ist mein Ablauf geregelter. Das ist besser, das ist sinnvoller.

Den sportlichen Ehrgeiz mindert die Arbeit neben dem Fußball jedenfalls nicht. Wer sieben Spiele vor Schluss Erster ist, will auch aufsteigen, sagt Rühle: Und die Relegation In zwei Spielen ist alles möglich. Sicher sei, dass er nach einem eventuellen Aufstieg weiterhin Halbprofi bleibt. Denn: Wir trainieren jetzt auch beinahe jeden Tag und damit fast wie ein Drittligist. Also so wie der heutige Gegner, der Ex-Bundesligist aus Degerloch. Über den will Rühle nicht groß sprechen. Denn: Ich war nur ein Jahr dort. Auch zu den drei Trainern, die er in zehn Monaten mit Dirk Schuster, Gerd Daiss und Massimo Morales dort erlebte, schweigt er. Nur ein Satz kommt: Ich freue mich, heute Abend ein paar Jungs wiederzusehen. Wenn nichts zwickt, dann auf dem Platz.

Enteilt seinen Gegenspielern immer öfter: SG-Angreifer Tobias Rühle, der fürs heutige Pokalduell allerdings eventuell von einer Oberschenkelverletzung ausgebremst wird. Foto: A. Becher

Enteilt seinen Gegenspielern immer öfter: SG-Angreifer Tobias Rühle, der fürs heutige Pokalduell allerdings eventuell von einer Oberschenkelverletzung ausgebremst wird. Foto: A. Becher

Quelle: Backnanger Kreiszeitung am 9. April 2014