RL | Donnerstag, 20. Februar 2014 (Kick-S)
Rüdiger Rehm: "Träume verwirklicht man mit harter Arbeit"

Unser Trainer im Interview mit Kick-S.de

Am Wochenende geht es endlich auch in der Regionalliga Südwest wieder los! Zum Auftakt trifft die SG Sonnenhof Großaspach am Sonntag auf den SSV Ulm. Pünktlich zum Start haben wir uns exklusiv mit SGS-Trainer Rüdiger Rehm unterhalten. Der 35-jährige plauderte mit uns über die Vorbereitung, die Erwartungshaltung im Fautenhau und seinen auslaufenden Vertrag.

Von Benjamin Brumm. Zweieinhalb Jahre ist Rüdiger Rehm nun bereits Cheftrainer der SG Sonnenhof Großaspach. Im Juni 2012 trat er die Nacholge von Alexander Zorniger an, unter dem er als spielender Co-Trainer aktiv war. Zu diesen Bedingungen wechselte er im Sommer 2008 aus Crailsheim an den Fautenhau. Unter seiner Ägide konnte sich die Mannschaft stets verbessern. Dem 12. Platz im ersten Jahr folgte Rang vier in der Vorsaison. Derzeit steht Großaspach auf dem ersten Platz der Regionalliga Südwest, die Relegation für die 3. Liga - also das Erreichen der ersten beiden Plätze - scheint greifbar nah. Rehm kennt den Profifußball aus seiner aktiven Zeit. 1999 steig der Heilbronner mit dem SV Waldhof Mannheim in die 2. Bundesliga auf und absolvierte als zentraler Mittelfeldspieler immerhin 188 Partien in der zweithöchsten deutschen Klasse. Wenige Tage bevor es für sein Team in der Regionalliga endlich wieder um Punkte geht, haben wir uns mit Rüdiger Rehm unter anderem über die lange Vorbereitung, die Chancen auf die Relegation und seine Vertragssituation unterhalten.

Zufriedenstellende Vorbereitung

Kick-S: Rein von den Ergebnissen verlief die Vorbereitung auf die Rückrunde für Sie optimal. Wie bewerten Sie die letzten Wochen?

Rüdiger Rehm: Die Ergebnisse sind mir eigentlich relativ egal, entscheidend ist, dass wir unser Spiel verbessert und uns weiterentwickelt haben. Und was das angeht bin ich sowohl offensiv als auch defensiv sehr zufrieden.

Kick-S: Nicht jede Regionalligamannschaft kann es sich leisten, ins Trainingslager zu fliegen? Wie viel ist die Woche in Belek wert?

Rüdiger Rehm: Bisher war das auch für uns nicht möglich, aber dank dem tollen Engagement von vielen Gönnern konnten wir dieses Jahr ins Trainingslager nach Belek fliegen. Es war sehr wichtig für uns, weil wir elf Tage auf Rasen trainieren konnten, das wäre zuhause vielleicht nicht möglich gewesen. Dazu konnten wir viele Gespräche führen. Gemeinsam im Team, aber auch mit den einzelnen Spielern.

Kick-S: Im Gegensatz zur Konkurrenz müssen Sie nicht auf Gedeih und Verderb aufsteigen. Ein Vorteil im Aufstiegsrennen?

Rüdiger Rehm: Manche sagen ja, doch trotzdem braucht man den Druck. Und den macht man sich als Sportler ohnehin. Natürlich wollen wir dabei bleiben im Konzert der vorderen Plätze, aber unser Konzept ist klar auf Nachhaltigkeit angelegt und der Erfolg der letzten Jahre gibt uns da auch recht.

Der Nachwuchs klopft an

Kick-S: In der Tabelle haben Sie bereits ein kleines Polster auf die Verfolger, dahinter geht es jedoch sehr eng zu. Wen sehen Sie als ärgsten Verfolger im Rennen um die Relegationsplätze?

Rüdiger Rehm: Homburg und Trier sind auf jeden Fall zu nennen. Dazu kommen Mainz und Freiburg. Ich denke die vier werden es gemeinsam mit uns unter sich ausmachen. Die Überraschungskandidaten wie Neckarelz oder Zweibrücken sind wohl schon zu weit weg.

Kick-S: Mit Robin Binder rückt ein Talent in die erste Mannschaft auf. Was ist ihm zuzutrauen?

Rüdiger Rehm: Er kommt aus unserer eigenen Jugend, das ist schon einmal sehr schön. Er ist ein klasse Junge und hat sich super entwickelt. Er hat deshalb auch in der Vorbereitung viel Spielzeit bekommen und ich sehe großes Potential für künftige Einsätze.

Kick-S: In der Hinrunde kämpften Sie lange mit einer Heimschwäche, auswärts lief es dagegen wie am Schnürchen. Woran lag das?

Rüdiger Rehm: Wir hatten zwischendurch einfach eine Phase, in der wir gegen schwer zu spielende Gegner etwas den Faden verloren haben. Da wollte der ein oder andere vielleicht zuhause auch etwas zu sehr glänzen. Am Ende der Hinrunde haben wir uns dann wieder auf unsere Stärken besonnen und der Schnitt ist inzwischen auch annehmbar, könnte aber natürlich besser sein.

Kick-S: Man hat den Eindruck, in Aspach wird mit Gelassenheit, Ruhe gearbeitet – ohne dass es an Ernsthaftigkeit fehlt. Zeichnet das den Club aus?

Rüdiger Rehm: Das ist richtig. Wir wollen hier viel bewegen. Dafür wird viel investiert, in erster Linie an Zeit. Wir arbeiten intern sehr akribisch und versuchen den Verein stets zu optimieren, dass das nach außen besonnen wirkt ist umso wichtiger.

Kick-S: Mit der comtech-Arena haben Sie ein kleines modernes Schmuckkästchen. Trotz dem sportlichen Erfolg kommen jedoch oft kaum Fans. Woran liegt das und wie ließe es sich ändern?

Rüdiger Rehm: Der Erfolg wird irgendwann mehr Zuschauer bringen. Wir können niemanden anschleppen sondern müssen durch unsere Leistungen auf uns aufmerksam machen. Wir spüren schon, dass die Region hinter uns steht. Wir sind eben kein Traditionsverein sondern müssen uns das Interesse hart erarbeiten.

Ehrgeiz: ja - Verbissenheit: nein

Kick-S: Als Spieler kennen Sie das Gefühl, im Profifußball zu spielen? Haben Sie den Spielern die Dritte Liga bereits schmackhaft gemacht?

Rüdiger Rehm: Nein, da reden wir auch gar nicht groß darüber. Wir wollen uns Woche für Woche verbessern. Über das, was irgendwann in Zukunft ist, brauchen wir nicht zu sprechen. Träume verwirklicht man mit harter Arbeit und nicht durch Luftschlösser.

Kick-S: Sie sind ein sehr junger Coach und trotzdem bereits einige Jahre im Trainergeschäft. Stand der Plan, später einmal an die Seitenlinie zu wechseln, bereits als Spieler fest?

Rüdiger Rehm: Mich hat das schon immer interessiert, ja. Den Wunsch hatte ich bereits als Spieler, aber man weiß nie was kommt. Seit zweieinhalb Jahren bin ich komplett im Geschäft. Ich bin glücklich, dass der Verein mir das ermöglicht hat und will es gerne zurückzahlen.

Kick-S: Reizt Sie die Bundesliga?

Rüdiger Rehm: Ein Traum ist das natürlich immer. Ich bin allerdings auch nicht so verbissen, irgendwann in der Bundesliga auflaufen zu müssen. Wenn ich irgendwann mit 50 oder 60 sagen kann, ich habe das geschafft: Umso besser.

Zeichen stehen auf Verlängerung

Kick-S: Im Sommer läuft Ihr Vertrag aus. Gab es bereits Gespräche über eine Verlängerung und wie ist Ihre Tendenz?

Rüdiger Rehm: Ganz klar hier weiterzumachen. Wenn wir unter die ersten Zwei kommen, dann verlängert sich der Vertrag automatisch. Aber wir hatten auch schon davon abgesehen gute Gespräche. Der Verein und ich wissen, was wir aneinander haben.

Kick-S: Die obligatorische Frage zum Schluss. Wie wollen Sie den Start ins neue Kalenderjahr angehen?

Rüdiger Rehm: Wir freuen uns einfach auf das Spiel. Nach der langen Vorbereitung wollen wir jetzt endlich wieder loslegen. Wir wollen die Ulmer vor gehörige Probleme stellen und alles dafür tun, dass die Punkte hier in Aspach bleiben.