RL | Samstag, 22. Februar 2014 (BKZ)
Gehring ist glücklich, Großaspach auch

Benedikt Röcker, Fabian Aupperle. Und Kapitän Dennis Grab als direkter Vorgänger. Innenverteidiger Kai Gehring trat bei Fußball-Regionalligist SG Sonnenhof Großaspach vor dieser Runde in große Fußstapfen. Der 26-Jährige füllt sie aus. Er ist beim Tabellenführer unumstrittener Stammspieler und Leistungsträger.

Nach 59 Drittligaspielen für Wehen Wiesbaden und Saarbrücken hatte Gehring einen Karriereknick erlebt. Beim saarländischen Traditionsverein war sein Vertrag im Juni 2012 nicht verlängert worden. Verhandlungen mit interessierten Klubs führten zu keiner Einigung, der Göppinger war plötzlich zur Tatenlosigkeit verurteilt und musste beobachten, wie die neue Spielzeit ohne ihn Fahrt aufnahm. Gehring konnte seine Kontakte immerhin nutzen, um sich beim VfB Stuttgart II und beim VfL Kirchheim fitzuhalten, das war mein Glück.

Dennoch: Ein Jahr ohne Wettkampfpraxis hinterlässt natürlich seine Spuren. Als Aspach vor dieser Runde bei ihm anklopfte und sich beide Parteien darauf einigten,sich vor der möglichen Vertragsunterzeichnung erst einmal zu beschnuppern, kam ich nicht ganz topfit hierher, räumt Gehring ein: Ich wollte mich als Gastspieler empfehlen. Es gelang ihm eindrucksvoll, auch gegen die Triple-Bayern um Startrainer Pep Guardiola, also in Zweikämpfen mit Mario Mandzukic, Franck Ribéry oder Xherdan Shaqiri. Das war der Wahnsinn, erinnert sich der Abwehrspieler an diesen herrlichen Sommertag im Juli, der ihn im rundum positiven Urteil über seinen möglichen neuen Klub noch einmal bestärkte.

Beide Seiten hatten also Gefallen aneinander gefunden, das Ergebnis war ein Einjahresvertrag. Ich bin froh, dass mir Aspach diese Chance gegeben hat, sagt Gehring rückblickend und in dem Wissen, den Karriereknick mit Bravour überwunden zu haben. Er entwickelte sich zum unumstrittenen Stammspieler, wie die Einsatzzeiten zeigen: Der 1,93 Meter große Innenverteidiger stand in 18 von 19 Partien die vollen 90 Minuten auf dem Rasen, nur das letzte Spiel vor Weihnachten mussten die Kollegen ohne ihn bestreiten. Beim 3:1 gegen Baunatal zwang in eine Gelbsperre in die ungeliebte Zuschauerrolle. Ich habe gehofft, dass es so läuft, sagt Gehring, aber ich konnte mir nicht sicher sein. Es hätte nicht besser laufen können. Für ihn persönlich nicht, fürs Team auch kaum.

Auch wenn es der Kicker selbst so nicht sagen würde: Sogar der Zeitpunkt für die Gelbsperre war ideal. Aspach siegte auch ohne ihn, im Heimspiel gegen Ulm morgen um 14 Uhr ist der Innenverteidiger wieder dabei. Für Gehring ist es ein Duell mit einem Ex-Klub, dessen Trikot er als Jugendlicher einige Jahre trug. Damals Mitspieler, morgen Rivale: SSV-Innenverteidiger Daniel Reith. Engen Kontakt haben die zwei aber nicht, auch sonst hält sich die emotionale Bindung zum Ex-Bundesligisten in Grenzen. Es ist kein spezielles Spiel für mich, betont Aspachs Abwehrass: Es ist nur deshalb ein besonderes Spiel, weil es das erste Punktspiel im neuen Jahr ist.

Der Erste aus dem Fautenhau will seine Ansprüche mit einem Dreier sofort wieder untermauern, denn wir wollen so lange wie möglich oben dabeibleiben. Weiter lehnt sich Gehring nicht aus dem Fenster. Er hat das Vereinscredo verinnerlicht, das besagt, dass der Aufstieg in die Dritte Liga ein Kann und kein Muss ist. Das führt zu Sätzen wie diesem: Wir schauen von Woche zu Woche, wollen immer das Maximum abrufen. Klappt es, dürfte Aspach nur schwer von den beiden Relegationsplätzen zu verdrängen sein. Es wäre natürlich schön, wenn es mit der Dritten Liga klappen würde, sagt Gehring, betont allerdings, dass sein Bleiben nicht vom Aufstieg abhängig ist. Ich fühle mich pudelwohl, bin mit allem zufrieden, sagt der Kicker, der ausdrücklich zu schätzen weiß, was der Klub für das Team tut: Es ist nicht selbstverständlich, mit einem Regionalligisten ins Trainingslager in die Türkei zu fliegen. Hört sich so an, als sei die Verlängerung des auslaufenden Vertrags nur Formsache. So weit will Gehring noch nicht gehen, denn die Gespräche hätten erst angefangen. Die anstehenden Spiele sind wichtiger. So redet ein Leistungsträger, Stamm- und Führungsspieler, der mit gutem Beispiel vorangeht.

Geht mit gutem Beispiel voran: Kai Gehring. Der Zugang zählt in Aspach zu den Führungsspielern.Foto: A. Becher

Geht mit gutem Beispiel voran: Kai Gehring. Der Zugang zählt in Aspach zu den Führungsspielern. (Foto: A. Becher)

Quelle: Backnanger Kreiszeitung am 22.02.2014