3.L | Mittwoch, 20. September 2017 (BKZ)
Der Dorfklub-Capitano gab mit dem Tor des Abends den Ton an

9. Spieltag  |  3. Liga
Dienstag, 19. September 2017  |  19:00 Uhr  |  mechatronik Arena

SG Sonnenhof Großaspach - Karlsruher SC   1:0 (0:0)

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Dorfklub bezwingt Topfavoriten aus Badens Metropole

(uwe). Es ist halt immer wieder schön, wenn der Kleine dem Großen ein Bein stellt. So wie gestern Abend im Großaspacher Fautenhau. Da triumphierte der Verein mit dem vermutlich geringsten Etat der Dritten Liga gegen den Krösus, der sich vor der Saison selbst als den „FC Bayern der Dritten Liga“ bezeichnet hatte. Ein Satz, der dafür sorgte, „dass ich meinen Jungs heute nicht groß sagen musste, um was es geht“, wie SG-Coach Sascha Hildmann nach der Partie eingestand. Wobei zur Wahrheit auch gehört, dass es die Gäste an Einsatz ebenfalls nicht missen ließen. Dadurch erlebten die fast 5100 Zuschauer, die für die bisherige Saison-Rekordkulisse sorgten, ein sehr intensives Duell mit vielen Zweikämpfen. Karlsruhes Trainer Alois Schwartz wollte deshalb seiner Elf nach der Niederlage auch keine großen Vorwürfe machen. Außer: „Wir hatten in der ersten Halbzeit viele Abschlüsse, haben aber kein Tor gemacht.“ Der gebürtige Nürtinger lobte sein Team: „Das war von uns ein sehr, sehr gutes Auswärtsspiel.“

Vielleicht hätten die Gäste aus Baden sogar einen Punkt mitgenommen, der nicht unverdient gewesen wäre. Doch da gab es ja noch das, was die Verantwortlichen im Fautenhau immer als die große Stärke ihrer Mannschaft herausstellen: Disziplin und Leidenschaft. Denn in der Endphase waren es in der Tat die Hausherren, die den Eindruck machten, als wollten sie das eine Tor einen Tick mehr. Dass den Treffer dann ausgerechnet Kapitän Daniel Hägele erzielte, passt ins Großaspacher Bild der vergangenen Wochen. In den Runden zuvor als fleißiger, emsiger und umsichtiger Mittelfeldstratege sowie Defensivexperte aufgefallen, entwickelt sich der 28-Jährige derzeit offensichtlich zum Torjäger. Den zwei Treffern beim 4:1 in Unterhaching ließ Hägele nun das entscheidende Tor gegen den KSC folgen. Der Kapitän selbst wollte sein insgesamt viertes Saisontor im neunten Spiel nicht groß rausstellen: „Mir ist völlig egal, wer bei uns trifft. Viel wichtiger ist, dass wir gewinnen.“ Und noch etwas vergaß der Spielführer der Elf aus dem Fautenhau nicht: Seine Mitstreiter. Wie den bärenstarken Sebastian Bösel: „Basti ist extrem wichtig. Er hält mir den Rücken klasse frei.“

Hägele trifft und Hildmann strahlt

„Das 1:0 ist vielleicht glücklich, aber das ist mir gerade egal.“ Großaspachs Trainer Sascha Hildmann strahlte lieber. Grund dazu hatte er. Die SG Sonnenhof besiegte im Baden-Württemberg-Duell den Karlsruher SC. Der kleine schwäbische Dorfklub stellte dank eines Tores von Kapitän Daniel Hägele dem Krösus aus der badischen Metropole ein Bein.

Von Uwe Flegel - 79 Minuten waren gestern Abend gespielt, als die als eher zurückhaltend geltenden Fans in der Mechatronik-Arena im Fautenhau schier ausrasteten und Aspachs Kapitän Daniel Hägele zum Helden des Spiels avancierte. Sekunden zuvor hatte er den Ball aus fünf Metern zum goldenen Treffer für die Gastgeber über die Linie gedrückt und damit die vom 19-jährigen Rudi Baku sowie dem erfahrenen Innenverteidiger Julian Leist gelieferte Vorlage eiskalt verwandelt. 1:0 für die Elf aus der schwäbischen 8000-Seelen-Gemeinde im ersten Duell um Punkte der Vereinsgeschichte gegen den Ex-Bundesligisten aus der badischen Metropole mit 310000 Einwohnern.

Es war ein Erfolg, den sich die Gastgeber förmlich erarbeiteten. Auch weil sie in der Defensive fast immer hoch konzentriert waren und vorne eine ihrer nur wenigen Chancen nutzten. Und das in einer Partie, die über weite Strecken temporeich und überaus intensiv war. In der ersten Halbzeit attackierten beide Teams früh und aggressiv. Der Gegner sollte zu Fehlern gezwungen werden. Dabei agierten die Schwaben überlegter und hatten mehr Ballbesitz. Der Zweitligaabsteiger aus Baden war dafür vor der Pause zielstrebiger und gefährlicher. Der KSC. hatte dann auch in der insgesamt eher ausgeglichenen Begegnung ein Chancenplus. Glasklar waren allerdings nur der Versuch von Dominik Stroh-Engel in der 45. Minute. Die Möglichkeiten von Florent Muslija (7.),, Jonas Föhrenbach (19.), Marc Lorenz (26.) und Anton Fink (43.) fielen dagegen wie der 15-Meter-Schuss von Aspachs Joseph-Claude Gyau unter die Rubrik kann muss aber nicht.

In der zweiten Halbzeit setzten die Gastgeber den ersten Offensivakzent. Nach einer Flanke von Shqiprim Binakaj rettete KSC-Innenverteidiger Daniel Gordon gerade noch vor dem aufgerückten Abwehrkollegen Julian Leist (56.). Etwas dichter dran an einem Tor waren die Gäste in der 68. Minute, als Marvin Wanitzek den Ball von rechts in den Strafraum schlenzte und Marc Lorenz aus dem Hintergrund heranrauschte, am Fünfmeterraum aber nur noch mit der Fußspitze ans Leder kam. SG-Schlussmann Kevin Broll hatte keine Probleme. Ansonsten scheuten beide Teams das letzte Risiko. Jeder mühte sich vor allem, wenig Fehler zu machen, um den Gegner nicht zum Konter einzuladen. Es war ein Lauern auf die entscheidende Szene.

Die hatte Großaspach in der 79. Minute. Erst Baku, dann Leist und zum Schluss Mittelfeldmann Hägele mit seinem bereits vierten Saisontreffer. In der Schlussphase hätten die Gastgeber gar noch höher gewinnen können. Doch erst jagte Shqiprim Binakaj einen Strafstoß drüber, den Daniel Gordon an dem oft nur mit einem Foul zu stoppenden Gyau verursacht hatte (88.). Dann scheiterte in den Nachspielzeit der kurz zuvor ins Spiel gekommene Routinier Timo Röttger frei vor KSC-Torwart Benjamin Uphoff, der auch noch den Nachschuss des ebenfalls eingewechselten Jannes Hoffmann parierte. Schlimm war’s nicht, denn kurz danach war die Zitterei zu Ende.

Impressionen aus der mechatronik Arena

Fotos: Uwe Ehrlich