3.L | Montag, 14. August 2017 (BKZ)
Pokalspiel war nichts für schwache Nerven

DB Regio-wfv-Pokal  |  2. Runde
Samstag, 12. August 2017  |  JAKO-Arena

FSV Hollenbach - SG Sonnenhof Großaspach   9:10 nE (0:0; 0:0)

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[Die 2. Runde des DB Regio-wfv-Pokals im Überblick]

Im Elfmeterkrimi in die nächste Runde

Von Steffen Grün - Um Haaresbreite schrammten die Drittliga-Fußballer der SG Sonnenhof Großaspach im Zweitrundenspiel des WFV-Pokals beim Verbandsligisten FSV Hollenbach an einer Blamage vorbei. Erst vergab der Favorit selbst beste Torchancen, dann musste sich das Team von Trainer Sascha Hildmann sogar bei Maximilian Reule dafür bedanken, dass der Keeper drei Möglichkeiten des Außenseiters mit tollen Paraden entschärfte – und zuletzt entschied der Verein aus dem Fautenhau nach einem 0:0 nach 120 Minuten das Lotteriespiel des Elfmeterschießens mit 10:9 für sich.

Im Regelfall reichen fünf Schützen pro Mannschaft, um vom Punkt die Entscheidung herbeizuführen. Dem war auf dem Rasen in Hollenbach jedoch nicht so, weil FSV-Routinier Nico Nierichlo den Matchball vergab. Er hätte die Sensation perfekt machen können, nachdem seine vier Teamkollegen Serkan Uygun, Sebastian Walz, Fabian Czaker und Tizian Amon allesamt getroffen hatten. Für Aspach stand neben den Buden von Dominik Pelivan, Pascal Sohm, Daniel Hägele und Joseph-Claude Gyau nämlich Lukas Hoffmanns Fehlschuss zu Buche. Der 20-Jährige hatteden Ball drüber gejagt und wirkte untröstlich, doch dann wehrte Reule Nierichlos Versuch ab. „Dir gehen 1000 Sachen durch den Kopf, wenn du als Letzter dastehst und nur noch treffen musst“, verriet der frühere Aspacher: „Ich wollte hoch in die Mitte schießen.“ Klappte nicht, weshalb der Krimi erneut in die Verlängerung ging. Für die SG trafen Julian Leist, Kai Gehring, Sebastian Schiek, Makana Baku und Mario Rodríguez, für den FSV waren Manuel Hofmann, Dennis Hutter, Arne Schülke, Lorenz Minder und Marc Zeller erfolgreich. 9:9 – als Schützen kamen nur noch die beiden Torhüter infrage. Reule verlud seinen Kollegen, der damit mächtig unter Druck geriet. Philipp Hörner hielt ihm nicht stand und scheiterte an Reule.

„Das habe ich zum ersten Mal erlebt“, sagte Aspachs erleichterter Trainer zu dem Elfmeterkrimi mit 22 Schützen. Wie Hildmann war es auch für Sohm neu, „darauf kann man verzichten, das geht an die Nerven“. Der SG-Stürmer hätte es allerdings selbst in der Hand gehabt, denn die Mehrheit der Torchancen der Gäste in der regulären Spielzeit und in der Verlängerung gingen auf sein Konto. Sohm zielte aber entweder zu hoch oder zu weit nach links oder zu weit nach rechts oder er kam mit der Stiefelspitze nicht an den Ball – und wenn er die Kugel doch aufs Tor brachte, war Hollenbachs Keeper Hörner zur Stelle. Zudem senkte sich seine Bogenlampe in der 69. Minute auf die Latte. „Ich habe es nicht übers Herz gebracht, ein Tor gegen meine Ex-Kameraden zu machen“, sagte Sohm schmunzelnd, als alles noch einmal gut ausgegangen war. Bis 2013 trug der 25-jährige Künzelsauer das Hollenbacher Trikot, ehe er über die Zwischenstation in Ulm ein Jahr später in Aspach landete.

Tatsächlich fehlte ihm neben ein wenig Glück auch die nötige Konsequenz, doch dabei befand er sich in bester Gesellschaft – allen voran von Timo Röttger, der auch oft nahe dran war, den Bann im Geduldsspiel gegen den disziplinierten Oberliga-Absteiger zu brechen. Kai Gehring drosch die Kugel völlig alleine aus guter Position drüber (61.), Baku scheiterte am Keeper (109.). Es passte ins Bild, dass es auch der Referee nicht gut mit dem Favoriten meinte. „Er hätte mindestens zwei Elfmeter für uns pfeifen müssen“, klagte SG-Trainer Hildmann. Einmal, als Gyau in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit von Amon zu Fall gebracht wurde, das andere Mal als Rodríguez bei seinem Comeback nach langer Verletzungspause von Sebastian Walz einen Tritt in die Hacken bekam (87.).

Es hätte für Aspach aber auch richtig bitter ausgehen können, wenn Hollenbach eine der gegen Ende häufigeren Chancen genutzt hätte. Lorenz Minder – am langen Pfosten ganz allein – scheiterte aber ebenso an SG-Torwart Reule (71.) wie Manuel Hofmann, der es nach einem Solo mit einem Heber probierte (76.). Nierichlo köpfte in der Nachspielzeit der 90 Minuten um Zentimeter drüber, somit ging’s in die Verlängerung. Hier war Reule beim Kopfball von Hofmann erneut auf dem Posten, im Elfmeterschießen wurde er zum Helden.

Stenogramm

FSV Hollenbach: Hörner – Amon, Zeller, Walz, Hofmann – Nzuzi (120.+1. Schülke), Kleinschrodt (84. Hutter), Nierichlo, Uygun – Hartwig (64. Minder), Czaker.
SG Sonnenhof Großaspach: Reule – Bösel (62. Schiek), Leist, Gehring, Vitzthum (119. Lukas Hoffmann) – Binakaj (60. Rodríguez), Hägele, Pelivan, Gyau – Sohm, Röttger (79. Baku).
Gelbe Karten: Amon, Walz / - .
Schiedsrichter: Eisele (Korntal-Münchingen).
Zuschauer: 510.

Reule ist der Held, schaut gegen Aalen aber wieder zu

SG-Keeper pariert zwei Elfmeter und zeigt auch sonst eine starke Leistung

(stg). Bereits zwei Tage vor dem WFV-Pokalspiel beim Verbandsligisten in Hollenbach hatte Aspachs Trainer angekündigt, dass Stammkeeper Kevin Broll eine Pause bekommen und Maximilian Reule das Tor hüten würde. Nicht damit gerechnet hatte Sascha Hildmann allerdings, dass sich der 23-Jährige derart würde auszeichnen können. Er avancierte zum Helden im Elfmeterschießen, das sich die SG Sonnenhof aber liebend gern gespart hätte. „Wir waren selbst daran schuld, dass es zu diesem Krimi gekommen ist, weil wir viele sehr gute Torchancen vergeben haben“, ärgerte sich Hildmann und nannte es den „Klassiker im Pokal“, wenn der Favorit fahrlässig mit seinen Möglichkeiten umgeht und dann erleben muss, wie plötzlich der Außenseiter Oberwasser bekommt. So passierte es auch in Hollenbach, wo der FSV gegen Ende der regulären Spielzeit und in der Verlängerung dreimal richtig gefährlich wurde „und wir Glück hatten, dass uns Maximilian Reule im Spiel hält“.

Keinen Zweifel wollte Hildmann jedoch daran aufkommen lassen, dass es „ein absolut verdienter Sieg war, weil wir mehr investiert haben“. Am Schluss, darum kam der 45-Jährige allerdings auch nicht rum, „war auch Glück dabei, dass müssen wir zugeben“. Ungleich souveräner löste der nächste Drittliga-Rivale seine Pokalaufgabe. Der VfR Aalen, der am kommenden Samstag um 14 Uhr in der Mechatronik-Arena erwartet wird, gewann beim Verbandsligisten VfL Pfullingen mit 5:0. In Runde drei stehen letztlich beide Vereine – die SG Sonnenhof muss beim FSV 08 Bissingen, dem Titelaspiranten der Oberliga, ran. Als Termin steht Mittwoch, 30. August (17.15 Uhr), im Raum, doch das ist bislang noch nicht bestätigt. Abzuwarten bleibt, ob dann auch wieder Reule im Tor steht – klar ist: Im württembergischen Duell mit Aalen kehrt Broll zwischen die Pfosten zurück. Bangen muss die SG Sonnenhof vor der Partie am Samstag noch um Özgür Özdemir. Den Defensivspieler plagt eine Patellasehnenreizung, er war in Hollenbach deshalb auch nicht im Kader.

 

Impressionen aus Hollenbach

Fotos: tai