3.L | Donnerstag, 13. Juli 2017 (BKZ)
SG-Cheftrainer Sascha Hildmann im BKZ-Interview

„Das ist stets eine Mammutaufgabe“

Von Steffen Grün - Seit gut drei Wochen hat Sascha Hildmann das Kommando im Fautenhau. Zehn Tage bleiben dem neuen Trainer der SG Sonnenhof Großaspach, um die Drittliga-Fußballer auf die Saison vorzubereiten. Im Gespräch mit unserer Zeitung skizziert der 45-Jährige seine taktischen Vorstellungen, äußert sich zur Qualität des Kaders nach dem erneuten Umbruch und erklärt, warum es erneut nur das Ziel sein kann, so rasch wie möglich den Klassenverbleib zu schaffen.

Ihr Vorgänger Oliver Zapel ist ein Nordlicht, hatte mit den Schwaben deshalb das eine oder andere kleinere Verständigungsproblem. Wie geht es Ihnen als gebürtigem Pfälzer?

Wenn es nur ums Verstehen der Sprache geht, ist es tatsächlich so, dass ich mich anstrengen muss, wenn die Schwaben in breitem Dialekt reden. Ich glaube aber, wenn ich so richtig auf Pfälzisch loslege, haben die Schwaben auch ein Problem. Meistens verstehe ich aber alle ganz gut, inhaltliche Verständigungsprobleme gibt es sowieso nicht. Ich denke auch, dass Schwaben und Pfälzer in ihrer herzlichen Art nicht weit auseinander sind.

Haben Sie sich hier bereits gut eingelebt?

Absolut. Der Verein hat es mir sehr leicht gemacht, mich einzuleben. Die Menschen hier sind sehr nett und offen, auch ich bin ein sehr offener Typ – wenn ich dann spüre, das etwas zurückkommt, was ehrlich ist, dann geht es sehr schnell und einfach. Ich fühle mich echt schon wie zu Hause.

Sie sammelten in Idar-Oberstein Regionalliga-Erfahrung im Aktivenbereich, in Mainz trainierten Sie zuletzt die U16. Wo liegen die Unterschiede und was nehmen Sie von beiden Jobprofilen für Ihre Arbeit in Aspach mit?

Es war wahnsinnig wichtig für mich, zuletzt noch einmal Nachwuchsspieler trainiert zu haben. Es wird sehr detailliert am Ablauf technischer Übungen gearbeitet, was als sehr gute Grundlage für das Training bei aktiven Spielern genutzt werden kann. Diese sind hierfür auch dankbar, saugen alles auf. Was das sonstige Training betrifft, gibt es ebenfalls viele Parallelen – anders ist es beispielsweise mit der Konstanz der Leistungen. Von gestandenen Spielern kann ich erwarten, dass sie jede Woche konstant gute Leistungen zeigen. Bei Jugendlichen ist es ein Wellental, das ist ganz normal und muss auch so sein. Weil ich ja gerade auch hier in Großaspach die Entwicklung der Spieler nach vorne treiben will, muss man den jungen Spielern im Kader auch mal ein richtig schlechtes Spiel oder Training verzeihen können, mit ihnen weiterarbeiten und zeigen, dass man an sie glaubt. Zudem kann ich in der Menschenführung mit Jugendlichen nicht wie mit Erwachsenen umgehen, denen ich auch einmal eine ganz klare Ansage machen kann.

Sie trainieren Ihr neues Team seit gut drei Wochen, hinter Ihnen liegt das Trainingslager am Walchsee. Wie sind Ihre ersten Eindrücke?

Das Team ist sehr aufgeschlossen, nimmt das an, was ich sage und was wir vorhaben. Wir haben uns besser kennengelernt, hatten ein überragendes Trainingslager mit sehr guten Bedingungen und einem Team, das sehr willig und fleißig war und sich nicht geschont hat. Die Spieler haben jede Einheit ernst genommen, immer das maximale Level abgerufen. Wir haben bei den defensiven Abläufen einen Riesenschritt nach vorne gemacht. Im Spiel nach vorne haben wir natürlich noch viel Arbeit vor uns, aber das Wichtigste war zunächst die Defensivarbeit.

Bis zum Auftakt gegen Magdeburg bleibt eine gute Woche. Reicht das für den Feinschliff?

Das ist ein längerer Prozess. Wir haben einen klaren Plan fürs Aufbau- und Übergangsspiel, aber das Spiel im letzten Drittel ist nicht so leicht zu planen, weil man nicht weiß, wie sich der Abwehrspieler in bestimmten Situationen verhält. Wir können ein Muster vorgeben, aber ob es genau so umzusetzen ist, wissen wir nicht. Wenn wir uns in das letzte Drittel durchspielen, ist der letzte Pass im Moment oft noch zu ungenau. Das ist der Feinschliff, an dem das ganze Jahr gearbeitet wird.

Bei Ihrem Vorvorgänger Rehm war das 4-4-2 kein Dogma, aber die klar bevorzugte Variante. Zapel predigte maximale Flexibilität. Stehen Sie für den goldenen Mittelweg?

Ich habe natürlich auch meine Philosophie, aber die Philosophie ist immer auch abhängig vom Team, das ich vor mir habe. Es ist das Ziel, die besten Spieler auf dem Platz zu haben, aber noch wichtiger ist es, die beste Mannschaft aufs Feld zu bringen. Flexibilität muss man heutzutage haben, um sich auf den Gegner einzustellen, die Schwächen aufzudecken und ihn zu knacken. Wir können im Spiel gegen den Ball einen festen Ablauf einstudieren, aber es kann auch hier schnell ein 5-4-1 oder 4-4-2 sein – auch das ist abhängig vom Gegner und vom Spielstand. Wir werden zwei, drei Abläufe fest installieren, das werden unsere Hauptspielsysteme sein. Wie die dann genau aussehen, werden wir in den Spielen sehen.

Der Umbruch im Kader ist nicht zu leugnen. Neun Spieler gingen, darunter Röser, Jüllich, Krause, Lorch, Kwadwo, Maria. Hätte Ihnen mehr Kontinuität den Einstieg erleichtert?

Bei allen Vereinen gibt es jedes Jahr neue Spieler – wir sind mit den Spielern, die bereits länger für die SG aktiv sind und mit denen, die wir bislang geholt haben, sehr zufrieden. Ich hatte keinen schweren Einstieg, ganz im Gegenteil. Deshalb zu der Frage: Nein, das glaube ich nicht.

Es gibt aber auch schon acht Neue. Wie weit ist deren Integration gediehen, wer hat schon gegen Magdeburg gute Startelfchancen?

Für die Integration war das Trainingslager hervorragend. Man ist jeden Tag zusammen, lernt sich dadurch besser kennen. Ich habe Einzelgespräche mit den Spielern geführt, dafür war die Zeit am Walchsee perfekt, auch das Team hat die Zugänge gut integriert. Nun kommt es darauf an, daraus die beste Mannschaft zu formen. Wir brauchen alle Spieler, die Runde ist wahnsinnig lang. Ich werde mit Sicherheit auch Trainingsleistungen belohnen. Für die Startelf im ersten Spiel haben derzeit alle noch gute Chancen.

Was sollen Sie jetzt auch anderes sagen...

(Lacht laut, sagt nichts.)

Sind Sie mit dem Kader zufrieden – abgesehen davon, dass noch ein bis zwei Mittelfeldspieler kommen sollen?

Der Kader ist stimmig, trotzdem halten wir Augen und Ohren offen, damit wir reagieren können, wenn sich etwas tut. Ein Mittelfeldspieler soll noch kommen, das ist kein Geheimnis. Man darf zudem auch nicht vergessen, dass Mario Rodríguez so langsam wieder zurückkommt – das ist auch fast wie ein neuer Spieler nach seiner langen Verletzung. Oder Jo Gyau, der wieder richtig fit ist und hoffentlich fit bleibt. Das sind Beispiele für Spieler, die in der Vorsaison teilweise oder länger ausgefallen sind. Ich bin insgesamt absolut frohen Mutes.

Ihr Vorgänger sagte anlässlich der Trennung, er habe einen starken inneren Antrieb, nach Höherem zu streben, zuletzt verstärkt wahrgenommen. Klang so, als könne er sich mit dem Konzept des Aus- und Weiterbildungsvereins nicht identifizieren. Können Sie es?

Natürlich, das ist ja auch meine Philosophie. Ein Verein wie Großaspach ist ein Weiterbildungsverein und muss einer sein. Wir wollen junge Spieler, bilden sie aus, heben sie aufs nächste Level – es macht mir viel Spaß, zu sehen, wie sich diese Jungs entwickeln, wie sie das annehmen. Das ist genau richtig, das ist die Philosophie, die wir haben müssen, um in der Dritten Liga weiterhin zu bestehen.

Bleibt es daher auch in der vierten Drittligasaison beim offiziellen Ziel, den Ligaverbleib schaffen zu wollen, oder wird etwas offensiver ein einstelliger Tabellenplatz angepeilt?

Ohne uns kleiner machen zu wollen, wie wir sind, ist es für einen Verein wie die SG Sonnenhof Großaspach mit ihren Möglichkeiten schon ein großer Erfolg, sich in der Dritten Liga zu etablieren. Es kann nur unser Ziel sein, so rasch wie es irgendwie geht den Klassenverbleib zu schaffen, aber das ist stets eine Mammutaufgabe. Wir freuen uns alle, wenn es frühzeitig klappt und wir dann vielleicht noch nach Höherem streben können, aber wir sind alle gut beraten, demütig zu bleiben. Wir wissen, wie schwer das ist, weil andere Mannschaften genau dasselbe Ziel verfolgen.

Quelle: Backnanger Kreiszeitung am 13. Juli 2017