3.L | Samstag, 6. Mai 2017 (PM)
0:0 beim Wiedersehen mit Rehm in Wiesbaden

36. Spieltag  |  3. Liga 2016/17
Samstag, 6. Mai  |  14:00 Uhr  |  Brita-Arena

SV Wehen Wiesbaden - SG Sonnenhof Großaspach   0:0

[Die BKZ, unser Medienpartner]
[Aus der SWR-Mediathek "Sport am Samstag"]

Erst Sommerkick, dann rasantes Duell

Beim 0:0 präsentieren sich die Drittligakicker aus Wiesbaden und Großaspach erst in der letzten halben Stunde so richtig wach
Schiedlich, friedlich war’s eine Stunde lang. Dann wurde aus einem Sommerkick doch noch ein gutes Drittligaspiel. Ein Tor gelang aber weder dem SV Wehen Wiesbaden noch der SG Sonnenhof. Großaspachs Trainer Oliver Zapel konnte mit dem Teilerfolg leben: „Wir fahren zwar nicht zufrieden, jedoch mit der Bestätigung heim, dass wir eine gute Saison spielen.“

Von Uwe Flegel - Wie laut es zur Pause in der Kabine der Elf aus dem Fautenhau war, wollte keiner sagen. Oliver Zapel berichtete nur: „Wir haben Emotionen geweckt.“ Auch weil er dem einen oder anderen seiner Kicker ins Stammbuch schrieb: „So wie wir uns in der ersten Halbzeit verkauft haben, das geht nicht.“ Schon zuvor hatte er kritisiert: „Die erste Halbzeit schien wie ein Freundschaftsspiel, als wäre der ein oder andere schon am Ballermann.“ Wen er damit konkret meinte, sagte der Coach nicht, aber nach Wiederbeginn fehlte Manfred Osei Kwadwo. Der vom Zweitligisten Kaiserslautern ausgeliehene Offensivmann war weit weg von dem, was ihn in der Vorrunde zum Publikumsliebling hat werden lassen. Der eingewechselte Shqiprim Binakaj machte jedenfalls wesentlich mehr Betrieb. Das gilt bei der SG auch für den zweiten von der Bank gekommenen Mann, für Timo Röttger.

Der routinierte Angreifer hätte die Elf des Aspacher Ex-Trainers Rüdiger Rehm in der Schlussphase im Alleingang bezwingen können, vielleicht sogar müssen. Nachdem Marlon Krause mit einem 22-Meter-Freistoß, den Wehens Torhüter Markus Kolke aus dem linken oberen Winkel holte, in der 69. Minuten überhaupt erst den ersten gefährlichen SG-Torschuss abgegeben hatte, waren die Schwaben drin im Spiel. Nun war es der Schlussmann der Gastgeber, der mehrfach sein Können zeigen musste. In der 77. Minute, als er einen 20-Meter-Flachschuss von Röttger aus der Ecke kratzte. In der 85. Minute, als er im Eins gegen Eins Sieger über Pascal Sohm blieb, der allerdings den in der Mitte völlig frei stehenden Jeremias Lorch übersehen hatte. Auch in der Schlussminute war es Kolke, der gegen den frei vor ihm stehende Röttger glänzend parierte. Der war zuvor noch zwei weitere Male gescheitert. Erst in der 72. Minute, als Verteidiger Sascha Mockenhaupt dem enteilten Röttger sechs Meter vor dem Tor gerade noch in die Parade fuhr, dann in der 80. Minute, als der SG-Routinier aus 16 Metern volley am Wiesbadener Tor vorbei schoss. „Wir hätten den Sieg verdient gehabt“, urteilte Oliver Zapel aufgrund dieser starken Schlussphase.

Allerdings gab es auch zwei, drei Szenen, in denen die Gäste Gefahr liefen, mit leeren Händen heimzufahren. Doch erst köpfte Wehens eingewechselter Angreifer Luca Schnellbacher aus fünf Metern am Gehäuse (64.) vorbei, dann scheiterte er mit einem 15-Meter-Schlenzer am starken SG-Torwart Kevin Broll (82.). Der musste eine Minute vor Schluss noch einmal richtig glänzen, um seinen Kasten sauber zu halten, indem er einen 12-Meter-Flachschuss von Philipp Müller reaktionsschnell parierte.

Gute Möglichkeiten, keine Treffer

Zapel bemängelt Chancenverwertung

(uwe). „Wenn du vier Chancen im Strafraum hast, dann musst du auch mal eine reinquetschen.“ Kurz und bündig legte SG-Trainer Oliver Zapel den Finger in die Wunde. Seit Torjäger Lucas Röser in Magdeburg kurz vor der Halbzeit Rot sah, hat Großaspach nicht mehr getroffen. Daheim gegen Bremen II und nun in Wiesbaden gab’s ein 0:0. Dabei fehlte es nicht an Möglichkeiten. In Hessen wurde in Sachen Chancenverwertung ausgerechnet derjenige zum Unglücksraben, der wie der zur Halbzeit eingewechselte Shqiprim Binakaj großen Anteil an einer rasanten letzten halben Stunde hatte: Timo Röttger. Beweglich und brandgefährlich präsentierte sich der Routinier, in 22 Minuten Einsatzzeit. Nur die Krönung für die starke Leistung fehlte: Das Tor.

Dass Aspach mit Röttgers Einwechslung vorne klar stärker wurde bestätigte indirekt auch Ex-Coach Rüdiger Rehm, der Wehen Mitte Februar auf dem vorletzten Platz übernommen hatte und nach dem Teilerfolg gegen seinen einstigen Klub nun bereits drei Spieltage vor Schluss den Ligaverbleib gesichert hat: „60 Minuten lang habe ich gedacht, da geht nichts, dann ging es plötzlich ab.“

Marc-Patrick Meister und Oliver Kreuzer saßen aber sicher nicht wegen des 31-jährigen Röttger auf der Tribüne. Wen beobachteten Trainer und Sportdirektor des künftigen Drittligisten KSC? „Großaspach hat eine gute Mannschaft“, antwortete Kreuzer, der in der Woche zuvor im Fautenhau schon zu Gast war, schmunzelnd, um dann zu sagen: „Nein, ist doch klar, weil es ein paar interessante Jungs gibt – auf beiden Seiten.“ Welche? Da folgte nur noch ein Grinsen, aber keine Antwort.

Stenogramm

SV Wehen Wiesbaden: Kolke – Funk, Mockenhaupt, Dams, Mintzel – Schwadorf (76. Müller), Pezzoni (60. Mrowca), Andrich, Lorenz – Breitkreuz (60. Schnellbacher), Schäffler.
SG Sonnenhof Großaspach: Broll – Schiek, Leist, Gehring, Lorch – Krause, Hägele – Sohm, Jüllich, Osei Kwadwo (46. Binakaj) – Gyau (68. Röttger).
Tore: Fehlanzeige.
Gelbe Karten: Krause, Sohm / Andrich, Dams, Kolke.
Schiedsrichter: Börner (Dortmund).
Zuschauer: 1860.

Impressionen aus Wiesbaden

Fotos: Lucca Volkmer