SG1 | Samstag, 14. Dezember 2013 (kicker.de)
Rehm: "Wir haben keinen Druck"

Großaspach-Trainer Rehm im kicker-Interview

Rehm: "Wir haben keinen Druck"

Ex-Profi Rüdiger Rehm ist als Trainer der SG Sonnenhof Großaspach Tabellenführer der Regionalliga Südwest. Seit acht Partien hat Großaspach nicht mehr verloren, besonders Auswärts ist das Team stark und noch ohne eine einzige Niederlage. Im kicker-Interview zieht Rehm Bilanz und spricht über den großen Zusammenhalt und die Perspektiven des Vereins.

kicker: Herr Rehm, die SG Sonnenhof Großaspach geht als Tabellenführer in die Winterpause. Wie lautet Ihre Bilanz?
Rüdiger Rehm: Die 40 Punkte sind schon ein sehr guter Wert. Wir hatten zwischendurch einen kleinen Hänger, als wir fünf Spiele zu Hause nicht gewonnen haben, deswegen hätten wir die Runde sogar noch besser gestalten können. Aber dafür haben wir auswärts nur zweimal unentschieden gespielt und sonst alles gewonnen. Damit können wir schon sehr zufrieden sein.

kicker: Haben Sie erwartet, um die Spitze mitzuspielen?
Rehm: Wir waren schon in den vergangenen beiden Jahren oben dabei. Im vergangenen Sommer gab es dann einen größeren Umbruch im Kader. Aber die Mannschaft hat sich schnell gefunden, die neuen Spieler haben gut eingeschlagen. Dann gibt es in einer Saison Effekte, die eine Welle auslösen. Wir haben die ersten beiden Spiele kurz vor Schluss gewonnen. Da haben wir einen Schub bekommen.

kicker: Was zeichnet die Mannschaft der SGS Großaspach aus?
Rehm: Wir haben den Kader ein bisschen verkleinert, aber dafür die Qualität angeglichen. Ein Team wächst besser zusammen, wenn du mit 18 oder 20 Spielern arbeitest anstatt mit 24 oder 26 und am Wochenende immer fünf oder sechs Spielern sagen musst, dass sie auf der Tribüne sitzen. Zudem sind einige in eine Führungsrolle hineingewachsen, die im vergangenen Jahr vielleicht noch zu jung waren, wie unser neuer Kapitän Daniel Hägele. Es ist beeindruckend, wie die Mannschaft mit sich umgegangen ist - auch kritisch.

kicker: Rufen Sie jetzt den Aufstieg in die 3. Liga aus?
Rehm: Wer oben ist, möchte natürlich gerne oben bleiben. Aber es ist nicht so, dass wir irgendetwas müssen, sondern wir wollen etwas. Wir haben keinen Druck. Wenn wir es dieses Jahr nicht schaffen, brechen wir nächstes Jahr nicht auseinander. Wir werden die Mannschaft weiter verstärken, die Infrastruktur verbessern und versuchen, den ganzen Verein voranzubringen.

kicker: Großaspach ist ein Dorfverein mit einem sehr solventen Hintergrund, der Familie Ihres Aufsichtsrats und Klubgründers Uli Ferber. Ein anderer Dorfverein, die TSG Hoffenheim, spielt in der Bundesliga, und der SV Wehen Wiesbaden war auch schon Zweitligist. Ist das bei der SGS Großaspach auch drin?
Rehm: Wir sind ein sehr familiärer Verein. Und aufgrund der Historie, dass der Verein aus einer Hobbymannschaft hervorging, herrscht hier ein großer Zusammenhalt. Aber gegenüber Hoffenheim sind unsere Möglichkeiten um ein Vielfaches kleiner. Und mit Wehen Wiesbaden als ehemaligem Zweitligisten können wir uns auch nicht vergleichen. Wir orientieren uns eher an Heidenheim, die sich in den letzten Jahren ganz kontinuierlich und Stück für Stück weiterentwickelt haben.

kicker: Halten Sie die 2. Liga mit Großaspach für möglich?
Rehm: Früher hieß es hier: Die Landesliga ist unsere Liga. Dann ging es hoch in die Verbandsliga und es hieß: Das ist genau die Klasse, in die wir wollen. Nach dem Aufstieg in die Oberliga war diese das absolute Maximum, weil wir die Infrastruktur nicht hatten. Dann haben wir es plötzlich geschafft, aus der Oberliga raus in die Regionalliga zu kommen. Viel höher können wir nicht mehr, aber in der 3. Liga wären wir noch ganz gut aufgehoben.

Ich mag das familiäre Umfeld. Rehm und Aspach - das passt einfach gut zusammen. (Rüdiger Rehm)

kicker: Wäre es eine Enttäuschung, wenn der Aufstieg in kommenden Frühjahr nicht gelingt?
Rehm: Nein. Ich glaube, dass wir gut arbeiten und wir werden versuchen, in der Rückrunde die gleiche erfolgreiche Arbeit abzuliefern. Wenn wir es dann wirklich in die Aufstiegsrunde schaffen, gehört dort auch Glück dazu, um diesen sehr schwierigen letzten Schritt zu machen. Wir werden unseren Weg weitergehen und würden es weiter versuchen. Aber ohne Dinge zu tun, die wir finanziell nicht verantworten können.

kicker: Sie haben zum Abschluss Ihrer Karriere in Großaspach noch gespielt, waren spielender Co-Trainer, klassischer Co-Trainer und sind nun Cheftrainer. Symbolisieren Sie als Person den Weg des Vereins nach oben?
Rehm: Der Verein passt hervorragend zu mir. Ich mag das familiäre Umfeld, bin in Heilbronn groß geworden. Das ist 25 Kilometer weg. Ich fühle mich sehr heimisch in Aspach. In meinem ersten Jahr als Spieler haben wir den Aufstieg in die Regionalliga geschafft, das schweißt zusammen. Rehm und Aspach, das passt einfach gut zusammen.

kicker: Haben Sie auch das Ziel, mal in der Bundesliga oder der 2.Liga zu trainieren?
Rehm: Im Moment habe ich die Lizenz noch gar nicht. Ich bin jetzt 35 und arbeite das zweite Jahr als Cheftrainer. Den nächsten Schritt kann ich nur als Fußballlehrer machen. Ich war als Spieler im Profifußball und wäre das irgendwann gerne auch als Trainer. Am liebsten mit Großaspach.

Interview: Andreas Hunzinger

Quelle: Kicker Sportmagazin am 14.12.2013