3.L | Montag, 13. Februar 2017 (BKZ)
Coach Zapel: "Respekt vor der mental stärksten Leistung der Saison"

22. Spieltag  |  3. Liga 2016/17
Samstag, 11. Februar  |  14:00 Uhr  |  mechatronik Arena

SG Sonnenhof Großaspach - FC Hansa Rostock   1:1 (0:1)

[Die BKZ, unser Medienpartner mit SG-TV Videobericht]

Nicht nur für Zapel ein „gefühlter Sieg“

Im dritten Rückrundenspiel gab es für Großaspachs Drittliga-Fußballer das dritte Remis, doch das 1:1 im Heimspiel gegen Hansa Rostock fühlte sich für den Trainer der SG Sonnenhof „ganz anders an“ als die vorherigen Punkteteilungen. „Es fühlt sich an wie ein Sieg“, verriet Oliver Zapel. Sein Team trotzte den Personalsorgen und steckte auch den erneuten Torwartfehler vor dem 0:1 sowie die frühe Rote Karte für Jeremias Lorch weg.

Von Steffen Grün - Mit dem Einsatz von Marlon Krause hatte Zapel ohnehin kaum noch gerechnet, doch spätestens der erst am Freitagabend feststehende Ausfall von SG-Kapitän Daniel Hägele (Muskelfaserriss im Oberschenkel) durchkreuzte die Pläne des Trainers. Weil zumindest der zuletzt wegen familiärer Probleme pausierende Sebastian Schiek sowie die kränkelnden Nicolas Jüllich und Manfred Osei Kwadwo mitmischen konnten, bastelte Zapel ein 4-1-4-1 mit Jüllich als alleinigem Abräumer vor der Abwehr.

In der ersten Halbzeit schien das nicht zum Erfolgsrezept zu werden. Großaspach wirkte verunsichert und musste in der 26. Minute den nächsten bösen Nackenschlag verdauen. Kwadwo hatte nach dem weiten Abschlag von Hansa-Keeper Marcel Schuhen zunächst Mühe, sich zum Ball zu orientieren, dann rutschte er auch noch aus. Somit war die Bahn frei für den Rostocker Christopher Quiring, den Lorch mit einem Rempler zu Fall brachte. Als letzter Mann reichte das für die Rote Karte, die für Zapel „die Fortsetzung der grauenhaften Woche“ war. Das nächste Kapitel kam 120 Sekunden später dazu. Keeper David Yelldell, der trotz seiner schwachen Leistung beim Testspiel gegen die TSG Backnang am vergangenen Dienstag (3:3) den Vorzug vor dem zuletzt zweimal patzenden Kevin Broll erhalten hatte, wehrte den 20-Meter-Schuss von Fabian Holthaus nach vorne ab. Das hätte ihm nicht passieren dürfen, auch wenn ihm Julian Leist ein wenig die Sicht versperrt und den Ball vielleicht sogar noch minimal abgefälscht hatte. Hansa-Angreifer Soufian Benyamina staubte zum 1:0 ab. „Es war ein ekliger Ball“, gab Yelldell zu Protokoll: „Ich habe aber kein Problem damit, das Tor auf meine Kappe zu nehmen. Ich bin froh, dass wir mit zehn Mann noch einen Punkt geholt haben.“

Dieses Unentschieden verdiente sich die SG nach der Pause, die Zapel als „Segen“ bezeichnete: „Wir konnten uns sammeln.“ Direkt nach Wiederbeginn feuerte Schiek den ersten Schuss auf Rostocks Kasten ab, in der 61. Minute glich Aspach aus. Nach einem abgefangenen Konter erlief Schiek die Kugel auf der linken Seite und flankte sofort. Der Ball landete bei Ersatz-Kapitän Kai Gehring, der am langen Pfosten lauerte und schnell abzog. Lucas Röser stand goldrichtig und verlängerte das Leder ins Netz, das 1:1 war sein neuntes Saisontor.

In der letzten halben Stunde sahen die 2400 Zuschauer in der mechatronik Arena ein packendes Kampfspiel, in dem die dezimierten Hausherren die letzten Reserven mobilisierten. Sie hätten wahrscheinlich trotzdem verloren, wenn Yelldell den Fehler vor dem 0:1 in der 71. Minute nicht wettgemacht hätte. Nach dem Zuspiel von Stephan Andrist fackelte Benyamina nicht lange und zielte aufs lange Eck. Der SG-Routinier tauchte ab und fischte den Ball aus dem Eck. „Man steht im Tor, um ab und zu mal einen Ball zu halten“, sagte der 35-Jährige nach dem Spiel und schmunzelte. Nicht beschweren hätte sich Aspach dürfen, wenn der Referee nach dem Rempler von Michael Maria gegen Andrist (85.) auf Elfmeter für Rostock entschieden hätte. Tat er nicht, und dieses Quäntchen Glück hatte sich die SG redlich verdient.

SG-Trainer erläutert Torwartwechsel: „David war stabiler“

Yelldell bekommt Vorzug vor Broll und zeigt Licht und Schatten

(stg). Mit Bauchgefühl habe es nichts zu tun gehabt, dass er sich letztlich doch für einen Torwartwechsel entschieden hatte, behauptete Oliver Zapel nach dem 1:1 gegen Hansa Rostock. Dem überraschenden Entschluss, David Yelldell den Vorzug zu geben, obwohl der Routinier im Testspiel gegen die TSG Backnang am vergangenen Dienstag sehr unsicher gewirkt hatte, lag „eine rationale Analyse der letzten Trainingseinheiten“ zugrunde, erläuterte der SG-Coach: „David war stabiler.“ Er erinnerte zudem an die zwei Patzer des anderen Kandidaten in den vorangegangenen beiden Drittligaspielen: „Der Stachel bei Kevin Broll saß tiefer als wir dachten.“

David Yelldell, der nach eigener Aussage am Freitagabend von seiner Nominierung erfahren hatte, machte vor dem 0:1 eine unglückliche Figur, trug später aber mit einer tollen Parade zum Punktgewinn bei. Nun muss der 35-Jährige abwarten, ob er auch nächsten Samstag in Münster beginnen darf: „Ich werde trainieren wie immer und bereite mich auf alle Fälle vor.“

Zapel attestierte seiner Mannschaft in der zweiten Halbzeit „die mental stärkste Leistung in dieser Saison, das verdient allergrößten Respekt und wird uns weiteres Selbstvertrauen für die nächsten Wochen geben, die nicht einfacher werden“. Warum? Weil Daniel Hägele (Muskelfaserriss im Oberschenkel) rund drei Wochen ausfällt, weil Jeremias Lorch mindestens eine Partie gesperrt wird und weil das Grippevirus grassiert. Positiv ist, dass Marlon Krause nach dem trainingsfreien Montag vermutlich wieder einsteigen wird. Morgen um 19 Uhr wird auf dem heimischen Kunstrasen gegen Löchgau getestet.

Bedient war derweil Rostocks Trainer Christian Brand: „Wir haben in der ersten Halbzeit fast alles richtig gemacht, in der zweiten Halbzeit fast alles falsch. Wir haben einen Gegner, der bereits erledigt war, noch einmal ins Leben zurückgeholt.“

Quelle: Backnanger Kreiszeitung am 13. Februar 2017

Impressionen aus der mechatronik Arena

Fotos: Uwe Ehrlich / Tai