3.L | Freitag, 30. Dezember 2016
Jeremias Lorch - aus der Region, jung und mit Ambitionen

Von unserem Medienpartner - der Backnanger Kreiszeitung (Steffen Grün)

Selbstbewusste und selbstkritische Töne kommen Jeremias Lorch ähnlich leicht über die Lippen. Diese Mischung ist es wohl, die den 21-Jährigen zum Stammspieler beim Fußball-Drittligisten Großaspach gemacht hat. Sein Ehrgeiz ist damit nicht gestillt, das vielseitige und derzeit die linke Defensivseite beackernde Talent will höher hinaus. „Ich konzentriere mich auf meine Aufgaben, dann kommt der Rest von alleine“, sagt Lorch.

Vier Spieler gehörten in allen 19 Vorrundenspielen zur Aspacher Startformation: Julian Leist, Daniel Hägele, Lucas Röser – und Jeremias Lorch. Schon alleine das verdeutlicht den hohen Stellenwert, den der 1,87 Meter große Kicker bei SG-Trainer Oliver Zapel genießt. „Es könnte von den Einsätzen kaum besser laufen“, freut sich Lorch: „Ich denke, die Leistungen waren auch okay.“ So viel Eigenlob muss erlaubt sein, zumal der gebürtige Heilbronner noch im selben Atemzug auf die Punkte zu sprechen kommt, bei denen er Steigerungspotenzial erkennt: „Zwei Torvorlagen sind etwas wenig, das würde ich sogar als Innenverteidiger so sehen. Außerdem muss ich noch selbstbewusster werden und mir mehr zutrauen.“ Dagegen hält Lorch sein Spielverständnis und sein taktisches Verhalten für sein Alter schon für recht stark ausgeprägt. „Deshalb fällt es mir vielleicht auch leichter, hinten links zu spielen“, überlegt der Kicker.

Auf einer Position also, die eigentlich nicht seine ist. Als Lorch im Januar 2015 vom damaligen Oberligisten Freiberg zum damaligen Drittliga-Neuling Großaspach wechselt, plant ihn sein neuer Verein fürs zentrale defensive Mittelfeld oder die Innenverteidigung ein. Ihm bleibt allerdings kaum Zeit, für sich zu werben, denn nach nur zwei Wochen schlägt das Verletzungspech auf heftige Weise zu: Nach einer unglücklichen Aktion im Trainingslager in der Türkei ist im linken Knie so ziemlich „alles kaputt“, was kaputt gehen kann, die vorderen Kreuzbänder, der Meniskus und das Innenband sind gerissen. Weil es seine erste schwere Verletzung war, „habe ich anfangs gar nicht realisiert, was das bedeutet, dass ich rund neun Monate nicht spielen kann“. Die neuen Teamkameraden bauen ihn aber schnell wieder auf, Lorch arbeitet akribisch an der Rückkehr: „Ich habe nie daran gezweifelt, dass ich wieder zu meiner alten Stärke finden werde.“ Er zieht sogar Positives aus der Leidenszeit, „ich bin heute professioneller als vorher, achte stärker auf meine Ernährung und mache meine Stabilisationsübungen“.

Seine Drittliga-Premiere feiert der Ex- Freiberger am 28. November 2015, beim 2:2 bei Wehen Wiesbaden wird er in der 23. Minute eingewechselt und darf sofort in zentralen Mittelfeld ran. Vor der Winterpause kommt Lorch noch zweimal zum Einsatz, „richtig weitergebracht hat mich dann die vergangene Wintervorbereitung“. Spätestens danach ist er wieder bei 100 Prozent, muss sich aber gedulden. Seine Stunde schlägt Ende Februar im Heimspiel gegen den SV Werder Bremen II, „da hat mich Rüdiger Rehm als Linksverteidiger reingeworfen. Wir haben 0:1 verloren, aber der Trainer war zufrieden“. Offensichtlich, denn Rehm beorderte Lorchauch in den restlichen elf Spielen der Vorsaison in die Startformation, davon zehnmal als linkes Glied der Viererkette.

Als sich der zu seinem Förderer gewordene Fußballlehrer im Sommer nach Bielefeld verabschiedete, „habe ich mir dennoch keine großen Gedanken gemacht“, erinnert sich der in Aspach mit einem Vertrag bis 2018 ausgestattete Kicker: „Wenn ich meine Leistung bringe, spiele ich. Das Selbstvertrauen habe ich.“ Und tatsächlich setzte auch Nachfolger Zapel bislang stets auf ihn, einmal als Rechtsverteidiger, sonst auf der linken Seite. Dort verrichtet Lorch seine Dienste sehr zuverlässig, egal ob als Außenverteidiger in der Viererkette oder im 3-4-3 im Mittelfeld. Die Umschulung habe ihn weitergebracht, glaubt der Kicker, lässt aber keinen Zweifel an der Überzeugung, „dass ich meine Stärken im zentralen Mittelfeld oder als rechter Verteidiger noch besser einbringen kann“.

Zukunftsmusik, genauso wie das klare Ziel, „mal in der Bundesliga oder für den Anfang auch in der Zweiten Liga zu spielen“. Und wenn der Aufstieg mit Aspach klappen würde? „Nichts Schöneres“, sagt Lorch und lacht – wohl wissend, dass die SG dieses Ziel in näherer Zukunft kaum ausgeben wird. Es geht in der Rückrunde wieder darum, drinzubleiben, „erst wenn der Klassenverbleib erreicht ist, können wir über andere Dinge reden“. Vom Aufstieg allerdings wohl auch dann nicht.