3.L | Montag, 12. Dezember 2016 (BKZ)
Joker Maria sticht und Aspach feiert

18. Spieltag  |  3. Liga 2016/17
Samstag, 10. Dezember  |  14:00 Uhr  |  Holstein-Stadion

Holstein Kiel - SG Sonnenhof Großaspach   1:2 (1:1)

[Die BKZ, unser Medienpartner mit SG-TV Videobericht]
[Aus der SWR-Mediathek Sport am Samstag"]

SG nimmt drei Punkte aus Kiel mit

Die SG Sonnenhof Großaspach hat sich ins vordere Mittelfeld der Dritten Fußball-Liga vorgearbeitet und steht nun auf dem neunten Tabellenplatz. Wichtig dafür war der 2:1-Erfolg bei Holstein Kiel. Dabei steckten die Schwaben einen frühen 0:1-Rückstand weg und behaupteten sich dank des späten Treffers vom eingewechselten Michael Maria.

Von Heiko Schmidt - Die 89. Minute im Holstein-Stadion in Kiel: Großaspachs Außenspieler Sebastian Schiek setzt sich stark auf der rechten Seite durch und flankt in die Mitte. Offensivmann Michael Maria läuft punktgenau ein, dreht sich und befördert dabei den Ball mit der Hacke unhaltbar ins Tor. Der Jubel bei den Akteuren, Verantwortlichen und Fans des Sonnenhofs ist riesengroß, denn damit steht der 2:1-Sieg in einer turbulenten Partie fest.

Dabei hatte die Begegnung im hohen Norden für die Schwaben nicht gut begonnen. Die Gäste griffen zu früh an, sodass es viele Räume für die Kieler im Mittelfeld gab. Diesen nutzten die Hausherren, um überlegen zu sein und mehr Ballbesitz zu haben. Die Quittung für die SG gab es nach zwölf Minuten, als Kingsley Schindler mit einem satten 25-Meter-Schuss aus halbrechter Position die 1:0-Führung der Kieler Störche erzielte. Großaspach reagierte, Coach Oliver Zapel stellte etwas um. Sein Team stand nun tiefer und besaß eine gute Möglichkeit. Jeremias Lorch (25.) scheiterte aber mit einem Flachschuss nach einem Freistoß von Pascal Sohm. Auf der Gegenseite verfehlte Matthias Fetsch freistehend aus acht Metern das angepeilte Ziel. Großaspach ließ sich aber nicht aus dem Tritt bringen und glich in der 41. Minute aus. Nach einer Hereingabe von der rechten Seite von Sohm stand Nicolas Jüllich völlig frei und traf mit einem Volleyschuss aus sechs Metern – 1:1.

Nach dem Seitenwechsel ging es genauso weiter, wie die erste Halbzeit aufgehört hatte. Der Sonnenhof war am Drücker. Jüllich (50.) vergab aber in aussichtsreicher Position. Eine Minute später gab es eine wichtige Szene: SG-Stürmer Lucas Röser lief nach einem langen Pass auf und davon. Er wurde von Kiels Dominik Schmidt mit einer Notbremse gestoppt. Schiedsrichter Eric Müller zog zurecht die Rote Karte. Die Hausherren beschränkten sich in numerischer Unterzahl aufs Kontern. Fast wäre die Taktik der Kieler aufgegangen, denn Schindler zog in der 57. Minute freistehend ab. SG-Schlussmann Kevin Broll ließ sich nicht überraschen und parierte glänzend.

Die SG war also gewarnt und spielte danach hellwach. Zusätzlicher Schwung in die Aspacher Offensive kam mit Michael Maria, der in der 58. Minute für den Gelb-Rot-gefährdeten Manfred Osei Kwadwo ins Spiel kam. Maria setzte auf der linken Außenbahn vermehrt Akzente. Das Tempo gaben nun die Schwaben vor. Sie hatten auch mehr Ballbesitz. Kapitän Daniel Hägele verfehlte das Kieler Gehäuse in der 70. Minute knapp.

In der Schlussphase gab es weitere Chancen auf beiden Seiten. In der 80. Minute lief Schindler alleine auf Broll zu, doch der Aspacher Keeper ging wieder als Sieger hervor. Bei Fetschs Hackenball zwei Minuten später rettete Lorch gerade noch vor der Linie. Die entscheidende Szene ereignete sich auf der anderen Seite. Maria ließ mit seinem Treffer die Großaspacher jubeln und sorgte somit für den zweiten 2:1-Sieg in Folge für die Schwaben. Die stehen mit diesem alles in allem verdienten Dreier auf dem neunten Platz und haben sich etwas Luft nach hinten verschafft.

Coach Oliver Zapel nur mit dem Beginn nicht einverstanden

Danach präsentiert sich Großaspach von seiner besseren Seite

(hes). Die SG Sonnenhof Großaspach bleibt mit dem knappen 2:1-Sieg in der Erfolgsspur. Ganz zur Freude von Trainer Oliver Zapel. Er war lediglich mit den ersten zwölf Minuten nicht einverstanden. „Nach dem Gegentreffer haben wir umgestellt und völlig verdient gewonnen“, resümierte der Coach. Aus seiner Sicht gibt es viel aufzuarbeiten. Zum Beispiel der frühe Rückstand. „Das war ein Sonntagsschuss an einem Samstag.“ Den Ausgleichstreffer von Nicolas Jüllich stuft Zapel in die Kategorie „spektakuläres Tor“ ein. Und was sagt der Coach zur Roten Karte der Kieler? „Der Feldverweis war absolut gerechtfertigt.“

Zapel will sich in seiner Analyse aber nicht nur auf einzelne Szenen des Spiels beschränken, er verteilte auch ein Sonderlob. Dieses bekam Sebastian Schiek, der im rechten Mittelfeld agierte. „Er hat eine herausragende Leistung gezeigt“, sagte Zapel. Auch die tollen Paraden von Keeper Kevin Broll will er nicht unerwähnt lassen. Der Trainer hob außerdem Marlon Krause an seiner alten Wirkungsstätte heraus. „Für ihn war das Spiel in Kiel etwas Besonderes. Er hat sich gut in die Startelf reingespielt“, sagte Zapel.

Er machte jedoch Joker Michael Maria als den Matchwinner aus. Der Nationalspieler von Curacao erzielte nach seiner Einwechslung den 2:1-Siegtreffer. „Es war ein Highlight aus unserer Sicht in einem spektakulären Spiel“, freute sich Zapel und schob nach: „Über eine solche Aktion holt sich Miggi das Selbstvertrauen.“ Trainer Zapel sieht Maria als einen möglichen Kandidaten für die Startelf in der Heimpartie am kommenden Freitag (19 Uhr, Mechatronik-Arena) gegen den FC Rot-Weiß Erfurt, zumal Manfred Osei Kwadwo aufgrund der fünften Gelben Karte dann gesperrt ist.

Rückblick: So verlief die Reise nach Kiel...

Normalerweise kutschiert Günther Ferber die Drittliga-Kicker der SG Sonnenhof Großaspach quer durch Deutschland zu ihren Spielen. Hinauf in den hohen Norden nach Kiel waren Kapitän Daniel Hägele und Kollegen am vergangenen Freitag aber nicht an Bord des Busses. Ihnen wurde zur seltenen Abwechslung der Luxus zuteil, mit dem Zug anzureisen. „Wir wollten die Mannschaft optimal auf die Partie vorbereiten“, verrät Sportchef Joannis Koukoutrigas, warum man den Fußballern die 740 Kilometer lange Fahrt über die Autobahn erspart hatte. Im Intercity-Express bis Hamburg-Altona und im Regionalzug, mit dem der Rest der Strecke zurückgelegt wurde, konnten sich die Schützlinge von Trainer Oliver Zapel auch hin und wieder die Beine vertreten. Derweil steuerte Ferber den Bus mitsamt dem ganzen Material trotzdem nach Kiel und war froh, nicht alleine unterwegs zu sein. Er hatte mit Physiotherapeutin Sissi Stättmayer, Co-Trainer Martin Cimander, Betreuer Andreas Jung, Stadionsprecher Tankred Volkmer und dem bei diesem Duell für die Medienarbeit zuständigen Lucca Volkmer immerhin fünf Passagiere in den Reihen hinter sich. Als die Kicker in der Hauptstadt von Schleswig-Holstein ankamen, stand der Bus pünktlich parat, um sie ins Hotel, zum Abschlusstraining und am Samstag ins Stadion zu transportieren. Dort entführte die SG mit einem 2:1 alle drei Punkte, nach dem späten Tor von Michael Maria traten die Schwaben die Heimreise bei bester Laune an – nun wieder mit dem Bus, der Zug bleibt die Ausnahme. Nur zwei Kicker fehlten entschuldigt: Marlon Krause und Arnold Lechler durften den freien Sonntag nutzen, um die im Norden lebenden Familien zu besuchen. Vor allem hinter Krause, der erst vor dieser Saison das Kieler Trikot aus- und das Aspacher angezogen hatte, lag ein besonderes Spiel. Sein alter Verein hatte ihn vor dem Anpfiff offiziell verabschiedet und ihm neben einem Blumenstrauß eine mannshohe Pappfigur seiner selbst überreicht. War der Abwehrspieler auf dem Heimweg also doch an Bord, wenn auch nicht aus Fleisch und Blut? Nein, klärt Koukoutrigas auf. Die Familie schnappte sich den Original-Krause für den Rest des Wochenendes und die Kopie auf Dauer.

Quelle: Backnanger Kreiszeitung am 12.12.2016

Impressionen aus dem Holstein-Stadion

Fotos: tai