3.L | Montag, 7. November 2016 (BKZ)
Spürbare Erleichterung nach 2:0-Sieg

14. Spieltag  |  3. Liga 2016/17
Samstag, 5. November  |  14:00 Uhr  |  Bruchwegstadion Mainz

1.FSV Mainz 05 II - SG Sonnenhof Großaspach   0:2 (0:1)

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[Aus der SWR-Mediathek: Der Spielbericht bei "Sport am Samstag"]

Großaspachs Kicker setzen Zeichen

Wiedergutmachung geglückt: Mit einem verdienten 2:0-Erfolg beim FSV Mainz 05II setzte Fußball-Drittligist SG Sonnenhof Großaspach nach der Pokalpleite ein Zeichen. Trainer Oliver Zapel hatte vor dem Spiel gefordert, in der letzten Partie vor der Länderspielpause noch einmal alles rauszuhauen. Seine Elf hatte gut zugehört und schaffte einen Sieg der Moral und der Einsatzbereitschaft.

Von Uwe Flegel - „Wer heute genau hin gehört hat, der hat das Plumpsen der Steine vernommen. Wir hatten eine enorme Drucksituation nach den Vorkommnissen unter der Woche“ Schon mit seinem ersten Satz machte Aspachs Trainer Oliver Zapel klar, wie erleichtert er und seine Spieler über das 2:0 in Mainz waren. Die Pokalniederlage in Freiberg und die daraufhin auf die Elf niederprasselnde Kritik hatte Spuren hinterlassen gehabt, doch die Kicker zeigten Nehmerqualitäten.

Fakt ist, in der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz präsentierten sich die Schwaben in Sachen Kampfgeist und Moral in sehr guter Verfassung. Und weil auch das fußballerische über weite Strecken stimmte, sprach selbst Sandro Schwarz, Trainer der Bundesligareserve aus der Karnevalshochburg, von einer „verdienten Niederlage für uns“. In der Tat hatten die Hausherren eigentlich nur einmal die richtig gute Chance, der Partie eine andere Richtung zu geben. Doch Mounir Bouziane schoss aus 14 Metern an den Innenpfosten (57.). Zapel, dessen Team in den bisherigen 14 Saisonspielen bereits elfmal nur das Aluminium getroffen hat, stellte fest: „Da waren diesmal auch wir mal mit dem Glück im Bunde.“

Ansonsten hatten die Gastgeber in der zweiten Halbzeit zwar viel Ballbesitz, aber „kaum was Zwingendes“, wie Schwarz urteilte. Das dürfen vor allem Aspachs Defensivrecken als Lob verstehen. Erneut verrichteten Julian Leist, Kai Gehring und vor allem Marlon Krause als Dreierkette einen sehr guten Job.

Wenn es am Auftritt der Kicker aus dem Fautenhau etwas zu kritisieren gibt, dann den Fakt, dass die Gäste die Begegnung nicht schon in der ersten halben Stunde entschieden haben. Denn da gaben sie den Ton an und der aus der FSV-Jugend stammende Lucas Röser hatte gegen seinen Ex-Verein drei gute Möglichkeiten. Eine köpfte er nach guter Flanke von Pascal Sohm mit dem Kopf an den Pfosten (17.). Die nächste jagte er auf Zuspiel des Manfred Osei Kwadwo drüber (19.). Die dritte nutzte er dann und lupfte den Ball nach einem klasse langen Pass von Krause zum 1:0 ins Tor (22.). Einzige FSV-Möglichkeit vor der Pause war in der 29. Minute ein Kopfball des hoch talentierten und groß gewachsenen Aaron Seydel, der allerdings daneben ging.

In der zweiten Halbzeit versuchten die Hausherren das Heft in die Hand zu nehmen. Die erste gute Chance hatten aber wieder die Kicker aus dem Fautenhau. Osei Kwadwo setzte den Ball nach einem Konter jedoch aus zehn Metern weit über die Latte (52.). Danach ließ sich die SG etwas arg weit hinten rein drängen. Auch weil vorne fast kein Ball mehr gehalten werden konnte. Das wäre beim Pfostentreffer von Bouziane fast ins Auge gegangen. Aber halt nur fast. Denn langsam aber sicher befreite sich Aspach wieder vom Druck. Nach 75 Minuten war die Messe dann gelesen. Von der rechten Seite flankte Röser nach innen und Osei Kwadwo köpfte den Ball zum 2:0 ins Tor.

Großaspach hätte nun gar noch höher gewinnen können. Denn während hinten die Schotten weiterhin dicht gehalten wurden, gab es vorne Platz für Konter. Bei den zwei besten stand am Ende zweimal Nicolas Jüllich frei vor dem Mainzer Schlussmann Florian Müller, doch beide Male verfehlte er das Gehäuse. Am riesigen Aspacher Jubel über den wichtigen Dreier änderte das aber auch nichts.

Erleichterung und Jubel, aber keine Euphorie

SG-Elf ist nach wichtigem Dreier weit davon entfernt, zu überdrehen

(uwe). Der Jubel war groß, die Erleichterung förmlich greifbar. Euphorisch war bei der SG Sonnenhof nach dem wichtigen Auswärtsdreier im Bruchwegstadion dennoch niemand. Nachdem der Erfolg mit den Fans gefeiert war, hielt rasch Sachlichkeit und Nüchternheit Einzug. „Die Mannschaft hat aufs Pokalspiel eine Reaktion gezeigt und verdient gewonnen“, kommentierte Sportdirektor Joannis Koukoutrigas trocken das 2:0. Selbst Lucas Röser, der das 1:0 erzielte und das zweiten Tor entscheidend vorbereitete, war weit davon entfernt vor Glück überzuschäumen. Klar, es sei was Besonderes gewesen, „in diesem Stadion und gegen den Verein, bei dem ich sechs Jahre verbracht habe zu spielen“. Groß auf die Pauke schlug er dennoch nicht, sagt eher zurückhaltend: „Ich bin sehr glücklich, dass wir gewonnen haben und ich ein Tor erzielt habe. Doch das Wichtigste ist, dass die Mannschaft gesiegt hat.“

Auf dem Platz waren die Aspacher deutlich forscher unterwegs gewesen. Zweikampf- und laufstark zogen sie den mit vier Fußballern aus dem Bundesligakader (Niki Zimling, Philipp Klement, Gerrit Holtmann und Ex-Kickers-Spieler Besar Halimi) angetretenen Hausherren den Zahn. Beste Beispiele dafür waren angeschlagen ins Spiel gegangene Kicker wie Marlon Krause (Knie) und Manfred Osei Kwadwo (muskuläre Probleme), die sich nicht nur durchbissen, sondern mit der Vorlage zu Rösners Führungstor und dem entscheidenden 2:0 auch Akzente setzten. Zwei von mehreren Beispielen dafür, dass der Pokal-Ausrutscher in Freiberg zwar schmerzhaft war, die SG-Elf aber stark genug ist, selbst nach so einem Erlebnis rasch wieder aufzustehen.

Quelle: Backnanger Kreiszeitung am 7. November 2016

Impressionen aus Mainz

Fotos: tai