3.L | Freitag, 28. Oktober 2016 (dfb.de)
dfb.de belichtet die Karriere unserer #1

Quelle: www.dfb.de/3-liga am 28. Oktober 2016

David Yelldell:
Schwabenland, Premier League und wieder zurück

Es fühlte sich fast wie eine Heimkehr an, als David Yelldell im Sommer zur SG Sonnenhof Großaspach kam. "Ich stamme hier aus der Region und kenne viele Leute im Verein", erzählt der 35-Jährige im Gespräch mit DFB.de. Früher spielte er mit dem Pressesprecher Philipp Mergenthaler bei der TSG Backnang, mit Co-Trainer Martin Cimander für den Nachwuchs der Stuttgarter Kickers.

Rund 14 Jahre sind seitdem vergangen. Der Torwart erlebte in dieser Zeit eine kunterbunte Karriere. Er stand in der Premier League unter Vertrag, machte ein Länderspiel für die USA, erreichte mit dem MSV Duisburg das DFB-Pokalfinale und war fünf Jahre Ersatztorhüter von Bayer 04 Leverkusen. Zufrieden blickt er auf all diese Stationen zurück und sagt: "Ich habe an jeden Verein schöne Erinnerungen."

Von der Oberliga in die Premier League

Möglicherweise wäre Yelldell nie Profi geworden, hätte er nicht den Sprung nach England gewagt. Der Deutsch-Amerikaner spielte mit 21 Jahren noch in der Oberliga für die zweite Mannschaft der Stuttgarter Kickers. Die Verantwortlichen der Blackburn Rovers erkannten sein Talent und holten ihn auf die Insel. "Es war super, jeden Tag mit Topstars wie Andy Cole oder Dwight Yorke zu trainieren", sagt er rückblickend. "Brad Friedel gehörte damals zu den besten Torhütern der Premier League. Von ihm konnte ich mir viel abschauen."

Yelldell saß auf der Bank, wenn es gegen Topvereine wie Manchester United oder den FC Liverpool ging. Doch der Traum vom ersten Spiel in der Premier League blieb unerfüllt. Spielpraxis sammelte er bei der zweiten Mannschaft und bei einer Kurzausleihe zum Zweitligisten Brighton & Hove Albion. "Nach zwei Jahren bin ich wieder nach Deutschland gegangen, weil ich mehr spielen wollte."

Trotz 0:5 gegen Schalke: Pokalfinale 2011 mit MSV ein Highlight

Erst kehrte er zu den Stuttgarter Kickers zurück, wo er bei der ersten Mannschaft gesetzt war. Drei Jahre später wechselte er zu TuS Koblenz in die 2. Bundesliga. Dort erlebte er das schmerzlichste Spiel seiner Karriere: Gegen Hansa Rostock musste er gleich neunmal hinter sich greifen. "Es ist für einen Torhüter sehr unschön, 0:9 zu verlieren", sagt er. "Wir alle waren total geschockt. Wichtig ist aber, dass man sich nach solchen Erlebnissen nicht hängen lässt." Genau diese Einstellung half ihm durch manches Karrieretief. Nach dem Abstieg mit TuS Koblenz wechselte er zum MSV Duisburg, wo er sich zu einem der besten Zweitliga-Torhüter entwickelte.

Sein persönliches Highlight war das Endspiel um den DFB-Pokal im Jahre 2011. "Die ganze Atmosphäre war etwas Besonderes", erzählt Yelldell. "Alleine die Anreise in das Olympiastadion war beeindruckend. Überall sah man die Fans von Duisburg und Schalke herumlaufen. Im Stadion war die eine Seite mit Schalke-Fans und die andere Seite mit Duisburg-Fans gefüllt. Das ergab ein tolles Bild." Einziger Wermutstropfen: Das Spiel ging mit 0:5 verloren. "Schalke war einfach eine Nummer zu groß für uns", sagt Yelldell. Trotzdem erinnert er sich häufig daran zurück: "Obwohl wir hinten lagen, haben uns die Fans die gesamte zweite Halbzeit gefeiert. So ein Erlebnis vergisst man nicht."

Ein Debakel mit Folgen

Das Finale war sein letztes Pflichtspiel im Trikot von MSV Duisburg. Yelldell wechselte zu Bayer 04 Leverkusen. Eigentlich wurde er als Ersatztorhüter von René Adler verpflichtet. Doch der deutsche Nationaltorhüter bekam Probleme an der Patellasehne und fiel längerfristig aus. Yelldell erhielt dadurch seine Chance - und erlebte ein Debakel: Erst 3:0 geführt, dann 3:4 verloren - dieses unschöne Erlebnis gab es im DFB-Pokal gegen den Zweitligisten Dynamo Dresden. Yelldell wurde die Niederlage zulasten gelegt. "Einige Tage nach dem Spiel wurde mir mitgeteilt, dass nun Fabian Giefer seine Chance erhält."

Yelldell machte danach vier Jahre, neun Monate und 15 Tage kein Pflichtspiel mehr für die erste Mannschaft. Erst am letzten Spieltag der Saison 2015/2016 ermöglichte ihm Trainer Roger Schmidt das Bundesligadebüt. Beim Heimspiel gegen den FC Ingolstadt wurde Yelldell in der 47. Minute eingewechselt. "Das war ein schöner Abschied", sagt er.

Es geht auch ohne Teppich und Sauna

Nun ist er bei der SG Sonnenhof Großaspach. Dass sich die Trainingsbedingungen im beschaulichen Aspach nicht mit denen in Leverkusen vergleichen lassen, versteht sich von selber. Der Torwart hat damit kein Problem: "Ich habe nie vergessen, wo ich herkomme. Ich muss nicht jeden Tag auf Teppich trainieren, brauche auch keinen riesigen Saunabereich."

Für ihn geht es vielmehr darum, endlich wieder regelmäßig im Tor zu stehen. Anfang der Saison machten ihm Oberschenkelprobleme zu schaffen. Seit drei Spielen ist er Stammtorhüter. Am Samstag (ab 14 Uhr) steht für ihn ein ganz besonderes Spiel bevor: Sein Ex-Verein MSV Duisburg wird in der Mechatronik Arena zu Gast sein. "Es sind zwar nicht mehr viele Leute aus meiner damaligen Zeit dort. Aber es ist immer toll, gegen den Tabellenführer zu spielen. Wir wollen ihnen das Leben so schwer wie möglich machen. Unser Ziel ist es, schnellstmöglich die Punkte für den Klassenerhalt zu sammeln."

Sein Vertrag läuft noch bis 2018. Möglicherweise wird Yelldell, der Vater eines fast zweijährigen Sohnes ist, seine Karriere danach beenden. Für die Zukunft könnte er sich eine Karriere als Torwarttrainer vorstellen: "Aber im Fußball lässt sich schwer etwas planen." Seine kunterbunte Karriere ist der beste Beweis.

[oj]