3.L | Samstag, 24. September 2016
SG verliert 2:3 gegen Köln

9. Spieltag  |  3. Liga 2016/17
Samstag, 24. September  |  14:00 Uhr  |  mechatronik Arena

SG Sonnenhof Großaspach - Fortuna Köln   2:3 (0:0)

Tore: 0:1 Lars Bender (65.), 1:1 Nicolas Jüllich (71.), 1:2 Hamdi Dahmani (73.), 1:3 Cauly Oliviera Souza (83.), 2:3 Alexander Aschauer (89.)
Aufstellung SG Sonnenhof Großaspach: Broll – Landeka (79. Aschauer), Leist, Gehring, Lorch – Krause (46. Sohm), Jüllich, Hägele (C) - Osei Kwadwo, Röttger, Röser
Besondere Vorkommnisse: Uaferro sieht Rot wegen einer Tätlichkeit (37.)
Zuschauer: 1.500

[Die BKZ, unser Medienpartner mit SG-TV Videobericht]
[SWR-Mediathek "Sport am Samstag"]

Großaspach schlägt sich selbst

Die Englische Woche war für Drittligist SG Sonnenhof fast zum Vergessen. Und das hat er sich selbst zuzuschreiben. Nach dem hoffnungsvollen 2:2 gegen Aalen, dem unglücklichen 1:2 in Lotte gab’s nun zu Hause trotz fast einstündiger Überzahl ein 2:3 gegen Fortuna Köln. Eine Heimniederlage, bei der Aspach tatkräftig Schützenhilfe leistete.

Von Uwe Flegel - „Ich kenne keine Vorgeschichte und auch von meinen Spielern hat mir niemand was erzählt“. Großaspachs Trainer Oliver Zapel hatte keine Lust auf Andeutungen einzugehen, die Kölns Coach Uwe Koschinat gemacht hatte, als er versuchte, die Rote Karte für Bone Uaferro zu relativieren. „Eine absolute Dummheit“, sagte Koschinat zur Tätlichkeit an Timo Röttger in der 37. Minute einerseits, um dann andererseits mit der „Vorgeschichte“ zu kommen. Koschinat redete dabei vom glücklichen Aspacher 2:2 vor rund einem Jahr in Köln. Die Partie hat der Ex-Zweitligist noch nicht abgehakt. Koschinat nannte sie gar „skandalös.“

Sein Aspacher Kollege beschäftigte dagegen das Hier und Jetzt. Ihn ärgerte, „was sich bei uns in den letzten vier Spielen abgespielt hat.“ Fast unerklärbare individuelle Fehler beklagte Zapel. Was beim 3:1 in Frankfurt noch weggesteckt wurde, verhinderte in der Englischen Woche einen weiteren Dreier, verursachte gar zwei Niederlagen in Folge. Der SG-Coach: „Wir geben Spiele aus der Hand, die sicher in unseren Händen sind.“

In der Tat hatten die Hausherren nach zehn Minuten das Kommando übernommen. Zwar fehlten die ganz dicken Chancen, doch Lucas Röser (10.) und Timo Röttger sowie Nicolas Jüllich (beide 42.) hatten wenigstens gute Ansätze gehabt. Zudem war die Fortuna nach Uaferros Ausraster ohnehin nur noch zu Zehnt. Zapel reagierte zur Pause. Für Marlon Krause, der im defensiven Mittelfeld zentral hinter einer Viererkette gespielt hatte, kam Pascal Sohm und übernahm die offensive rechte Außenbahn. Von dort rückte Röttger vor zu Röser, der bis zur Halbzeit einzige Spitze gewesen war.

Was als verstärkte Offensive geplant war, verpuffte jedoch lange. Für Gefahr sorgten zunächst nur tief stehende Kölner mit Kontern über die starken Angreifer Cauly Oliveira Souza und Hamdi Dahmani. Dabei hatten die Gäste vor dem Wechsel gar nicht aufs Tor geschossen. Trotzdem war die Führung nach 65 Minuten mittlerweile verdient. Einen weiten Einwurf von Kristoffer Andersen verlängerte Markus Pazurek per Hinterkopf und Lars Bender jagte den Ball aus spitzem Winkel zum 1:0 ins Netz. „Das dritte Spiel in Folge, in dem wir ein Gegentor nach einem weiten Einwurf kassieren. Das ist fast schon skurril“, ärgerte sich Oliver Zapel.

Der Treffer brachte Leben in die Bude. Aspach gab nun Gas. Jeremias Lorch und Julian Leist (66. und 67.) scheiterten noch knapp, doch Nico Jüllich nutzte Röttgers tolle Vorarbeit in der 71. Minute zum 1:1. „Wir hatten alle Fäden in der Hand“, erkannte nicht nur der SG-Coach. Mit kapitalen Fehlern ließ seine Elf einen möglichen Sieg aber wieder durch die Finger gleiten. Erst schlug Torwart Kevin Broll nach einem Rückpass von Josip Landeka ein Luftloch, das Dahmani nutzte um zum 2:1 einzuschieben (73.), dann verlor Daniel Hägele in der eigenen Hälfte den Ball und Oliveira Souza vollendete den Konter zum 3:1 (83.). Einzig positiv bei den Gastgebern war, dass sie trotz der Nackenschläge nicht aufsteckten. Der eingewechselte Alexander Aschauer verkürzte in der Schlussminute auf 2:3. Gar der Ausgleich war in der Nachspielzeit noch drin. Kai Gehring köpfte aus zwei Metern die Kugel aber nicht ins Tor, sondern Kölns Keeper Tim Boss in die Arme.

Konnten es fast nicht fassen, dass sie trotz fast einstündiger Überzahl ohne Punkt blieben:
Großaspachs Fußballer um Julian Leist. Foto: A. Becher

Quelle: Backnanger Kreiszeitung am 26.09.2016


Trotz Überzahl Spiel aus der Hand gegeben

Die Analyse

Mit Sohm und Schiek musste Trainer Oliver Zapel gleich auf zwei Stammkräfte in der Startelf verzichten. Während Sebastian Schiek aufgrund seiner Gelb-Roten Karte aus dem Lotte-Spiel gesperrt war, nahm Pascal Sohm nach seiner Gehirnerschütterung unter der Woche erstmals auf der Bank Platz. Dafür rückten Landeka und Krause in die Mannschaft, die zu Beginn im 4-3-3 agierte.

Es dauerte bis zur neunten Minute, ehe der erste Torschuss der Partie abgegeben wurde. Davor tasteten sich beide Mannschaften hauptsächlich im Mittelfeld ab. Dann aber schaltete die SG nach Ballgewinn in der eigenen Hälfte schnell um, Röser startete an der Mittellinie und wurde anschließend steil geschickt. Im Strafraum angelangt zog der beste Stürmer der 3. Liga aus spitzem Winkel ab, aber der Ball flog über das Gehäuse von Tim Boss. Die Aspacher blieben das aktivere Team und drängten die Gäste in der Folge in die eigene Hälfte. Nach zwei Eckbällen in Folge versuchte sich Lorch mit einem Distanzschuss, aber wieder drüber (13.). Der Schwung ebbte ein wenig ab, beiden Mannschaften fehlte im weiteren Spielverlauf der klare Zug zum Tor. Wenn eine Mannschaft aber gute Ansätze zeigte, waren es die Hausherren. Gegen biedere Gäste sorgten vor allem immer wieder Einzelaktionen für Gefahr. Doch weder Röser, Lorch oder Kwadwo konnten den Keeper der Rheinländer in Bedrängnis bringen. In der 37. schwächten sich die Gäste selber, als sich Uaferro zu einer Tätlichkeit gegen Röttger hinreisen ließ. Danach gab es noch einen Höhepunkt, als Röttger zunächst selber in den Strafraum eindrang, sein Schuss aber geblockt wurde. Danach bediente die Nummer #18 Jüllich, der per Seitfallzieher aber Boss im Kasten der Rheinländer nicht ernsthaft prüfen konnte.

Mit Sohm für Krause ging die SG in den zweiten Durchgang. Die Hausherren legten zwar gleich den Vorwärtsgang ein, aber es waren die dezimierten Kölner, die durch Dahmani die erste richtig gute Tormöglichkeit hatten. Die Hausherren rissen danach das Spiel wieder an sich, doch die Fortuna blieb gefährlich und setzte vermehrt Nadelstiche. Nach gut einer Stunde hatten die Kölner jegliche Offensivbemühungen eingestellt, die SG spielte teilweise wie im Playoff um den Strafraum herum. Doch wie aus dem Nichts die Führung der Gäste. Nach einer Einwurfflanke bekam die SG den Ball nicht aus dem Strafraum, Bender kam an die Kugel und netzte ein (65.). Die SG steckte aber nicht auf, Jüllich konterte die Führung in der 71. nach einem tollen Spielzug. Doch wie bitter – in der 73. wird eine harmlose Rückgabe auf einmal gefährlich, da Broll beim Wegschlag den Ball nicht trifft. Der Kölner Dahmani bedankte sich artig und brachte die Gäste erneut in Führung (73.). Das spielte den Rheinländer natürlich noch mehr in die Karten, die sich nun abermals hinten gestaffelt sortierten und nur noch auf Konter lauerten. Die vermeintliche Vorentscheidung fiel in der 83., als Souza einen Konter der Gäste mustergültig abschloss. Letzte Hoffnung keimte auf, als Alexander Aschauer in der 89. noch einmal verkürzen konnte. Und tatsächlich bot sich eine riesige Ausgleichschance, als nach einer Flanke von rechts auf den langen Pfosten Kai Gehring mutterseelenallein zum Kopfball kam, diesen aber nicht genug platzieren konnte und genau Keeper Boss anköpfte. Das war dann auch die letzte Möglichkeit im Spiel, welches die SG unnötig gegen biedere, aber kompakte und clevere Kölner verlor.      

Die Stimme zum Spiel

Cheftrainer Oliver Zapel: "Tragisch ist, dass wir unsere starken Leistungen zuvor nun in diesen zwei letzten Partie durch teilweise individuelle Fehler nicht belohnt haben. Die Überzahlsituation war dann entsprechend schwer für uns und wir hatten Probleme das Abwehrbollwerk zu knacken. Bitter ist, dass wir schon wieder ein Gegentor nach einem Einwurf bekommen haben. Wir müssen das jetzt verarbeiten, lassen uns davon nicht runterziehen und bleiben unserer Linie weiter treu. Die Spieler müssen das heutige Spiel Sacken lassen und dann beginnt auch schon wieder die Vorbereitung auf das nächste Spiel in Zwickau."

Die kommende Partie

Nun gilt es, den Blick schnell nach vorne zu richten. Die nächsten drei Zähler können am kommenden Freitag in Zwickau ergattert werden. Anpfiff der Partie ist um 20.30 Uhr.