3.L | Dienstag, 19. April 2016 (BKZ)
SG94 mit Vollgas unterwegs

34. SpT  |  3. Liga 2015/16
Samstag, 16. April 2016  |  14.00 Uhr  |  Stadion der Freundschaft
Energie Cottbus - SG Sonnenhof Großaspach   0:5 (0:4)

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Mit hoher Effektivität zum Kantersieg

Hier der ehemalige Erstligist, dort der aufstrebende Dorfverein – und dann dieses Ergebnis. Großaspach gewann bei Kellerkind Energie Cottbus mit 5:0 und setzte mit dem höchsten Sieg der kurzen Drittliga-Historie ein Ausrufezeichen im Rennen um den dritten Platz. Die SG-Kicker überholten Osnabrück, auf Würzburg fehlt dem Vierten nur ein Punkt.

Von Steffen Grün - Die im Vergleich zur Vorrunde etwas verloren gegangene Effektivität hatte Rüdiger Rehm im Interview mit unserer Zeitung am Samstag beklagt. In erster Linie galt diese Aussage des SG-Trainers zwar für die Heimspiele, in denen die Resultate seit Wochen nicht stimmen, trotzdem war es auch für ihn beeindruckend, wie „kaltschnäuzig“ sein Team in Cottbus zu Werke ging. Zweimal tauchten die Gäste in der ersten Viertelstunde vor dem Kasten des Kellerkinds auf, zweimal zappelte die Kugel im Netz. Sieben Minuten waren gespielt, als Michele Rizzi mit seinem Zuspiel in den Lauf von Tobias Rühle die Abwehr aushebelte. Der Angreifer enteilte Uwe Möhrle und Christopher Schorch, fackelte nicht lange und traf aus zehn Metern ins kurze Eck. Sein erstes Tor nach der Winterpause, sein sechster Saisontreffer insgesamt – und die richtige Reaktion des 25-Jährigen auf die Verkündung seines Wechsels nach Münster in der Woche vor der Partie. Auch am 2:0 (14.) war Rühle beteiligt. Er verlängerte die Flanke von Timo Röttger, der mal eben mit Bashkim Renneke die Seiten getauscht hatte und auf rechts marschierte. Pascal Sohm köpfte bei seinem ersten Startelf-Einsatz nach langer Verletzungspause ungehindert ein.

Was für eine Anfangsphase des Teams, das Rehm ein wenig durcheinandergewirbelt hatte. Im Tor stand nach seiner Rotsperre wieder Christopher Gäng, hatte allerdings kaum eine Möglichkeit, sich auszuzeichnen. Neben Sohm durfte auch Nicolas Jüllich zum ersten Mal nach langer Zwangspause wieder von Beginn an ran, dafür mussten der wie Roussel Ngankam und Robin Schuster grippekrank fehlende Kai Gehring sowie Max Dittgen weichen. In der 26. Minute zirkelte Rizzi einen Freistoß aus halbrechter Position und 25 Metern über die Mauer, doch Energie-Keeper Tobias Lück faustete den Ball aus dem Winkel. Cottbus blieb völlig harmlos, der Effekt des Trainerwechsels – Claus-Dieter Wollitz für Vasile Miriuta – verpuffte. Es kam für den abstiegsbedrohten Ex-Bundesligisten noch dicker, denn Aspach zeigte weiter seine Konterqualitäten und schnürte innerhalb von 180 Sekunden noch einen Doppelpack. Röttger bediente Sohm auf der rechten Seite, dessen genaue Hereingabe musste Renneke nur noch zum 3:0 (39.) über die Torlinie schieben. Röttger selbst sorgte für das 4:0 (42.), nach einem Zuspiel von Rühle war wiederum Sohm der direkte Vorarbeiter.

„Mit dem 1:0 haben wir Cottbus schon etwas den Zahn gezogen“, wusste Rehm, „mit dem 2:0 haben wir sie richtig getroffen“. Spätestens nach den beiden weiteren Toren in der ersten Hälfte herrschte in der Lausitz völlige Katerstimmung, trotzdem galt es, den zweiten Durchgang irgendwie über die Bühne zu bringen. Energie wollte zwar versöhnliche Signale an die vor lauter Enttäuschung verstummten Fans senden, konnte aber nicht. Aspach tat derweil nur noch das Nötigste. Den Schlusspunkt setzte Joker Shqiprim Binakaj (89.). Nach einem Pass von Pascal Breier vernaschte der Techniker zwei Energie-Kicker und nagelte die Kugel unter den Giebel.

SG-Trainer bedient die ganze Klaviatur

Rehm schenkt Vertrauen, reagiert auf Formschwächen, führt verletzte Kicker langsam heran und belohnt gute Trainingsleistungen

Der eine hatte in dieser Saison nur fünf Drittliga-Minuten auf dem Buckel, der andere auch erst zwanzig. Die lange verletzten Nicolas Jüllich und Pascal Sohm waren die Kaninchen, die Rüdiger Rehm bei Aspachs 5:0-Sieg in Cottbus aus dem Hut zauberte. Beide spielten durch, beide stark. Der SG-Coach hat für den Drittliga-Endspurt zwei weitere Alternativen.

Von Steffen Grün - Eigentlich hat es doch auch seine Vorteile, wenn sich eine Mannschaft praktisch von alleine aufstellt. Dem Trainer werden keine unangenehmen Entscheidungen abverlangt, unzufriedene Spieler gibt es nicht. Das ist eine komfortable Situation, könnte man meinen, doch Rehm hat viel lieber die Qual der Wahl. Ein gesunder Konkurrenzkampf ermöglicht es ihm, die ganze Klaviatur seiner Möglichkeiten zu bedienen.

Er kann einem Stürmer das Vertrauen schenken, auch wenn dessen letzter Treffer einige Monate zurückliegt. Der SG-Coach tat dies aktuell im Falle von Tobias Rühle, weil er dessen Wert fürs Team nicht nur an Toren bemisst, sondern zum Beispiel auch dessen Laufarbeit honoriert. Der 25-Jährige, der zudem zuletzt seinen Wechsel nach Münster verkündet hatte, dankte es ihm mit dem 1:0 beim 5:0-Erfolg in Cottbus.

Ein breiter Kader versetzt Rehm allerdings auch in die Lage, auf längere Formschwächen zu reagieren. So musste sich U-20-Nationalspieler Max Dittgen, der in den vergangenen Wochen etwas überspielt und müde gewirkt hatte, die Partie in der Lausitz komplett von der Bank anschauen. Kicker, die verletzt waren oder ein kleineres Wehwehchen mit sich herumschleppen, können langsam wieder herangeführt werden, um Rückschläge zu vermeiden. Das gilt derzeit sogar für Pascal Breier, mit elf Treffern erfolgreichster Aspacher Schütze. Er spielte gegen Rostock nur 8, in Cottbus auch nur 15 Minuten, kann in den verbleibenden vier Partien aber vielleicht wieder den Unterschied ausmachen. Für Dittgen gilt dasselbe, denn an dessen grundsätzlichen Fähigkeiten gibt es keine Zweifel.

Im Falle von Pascal Sohm und Nicolas Jüllich, die nach ihren langen Verletzungspausen noch kaum ein Außenstehender in der Startformation vermutete, wurden unter anderem die guten Trainingsleistungen belohnt. Sohm, der neben Rühle stürmte, köpfte in Cottbus das 2:0 und bereitete die beiden nächsten Treffer vor. Jüllich bildete mit Michele Rizzi die Doppelsechs im zentralen Mittelfeld, dafür ersetzte SG-Kapitän Daniel Hägele den grippekranken Kai Gehring in der Innenverteidigung. Tobias Schröck, der vor seinem Muskelfaserriss im Oberschenkel eine Konstante im zentralen Mittelfeld war, trainiert schon wieder mit der Mannschaft und könnte am Samstag gegen Kiel wieder eine Option sein. All das zeigt: Großaspach ist für den Endspurt gerüstet, das Personal für den Angriff auf den dritten Rang steht bereit.

Quelle: Backnanger Kreiszeitung am 18./19. April 2016

Impressionen aus Cottbus

Fotos: tai