3.L | Samstag, 16. April 2016 (BKZ)
Unser Cheftrainer im BKZ-Interview

34. SpT  |  3. Liga 2015/16
Samstag, 16. April 2016  |  14.00 Uhr  |  Stadion der Freundschaft
Energie Cottbus - SG Sonnenhof Großaspach

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Info: Daumen drücken für Daheimgebliebene -
Das Gastspiel in Cottbus überträgt der RBB ab 14 Uhr live im Fernsehen
sowie im [Internet-Livestream]

„Wir wollen die finden, die uns helfen“

Das Interview: SG-Trainer Rüdiger Rehm spricht über die letzten fünf Spiele und die Suche nach Zugängen, die Geduld verlangt

Von Steffen Grün - Die Drittligasaison biegt auf die Zielgerade ein, fünf Spiele sind es noch. Großaspach ist mittendrin im Rennen um Rang drei, der zu Relegationsspielen gegen den Zweitliga-Drittletzten führt. Zur aktuellen Situation und zu den Planungen für die neue Saison äußert sich SG-Trainer Rüdiger Rehm vor der heutigen Partie in Cottbus (14 Uhr, live im RBB) im Gespräch mit unserer Zeitung.

BKZ: Es sind nur noch fünf Spiele. Aspach hat als Fünfter nur zwei Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz, der vierte Rang und damit die Eintrittskarte für den DFB-Pokal ist sogar nur einen Zähler entfernt. Wäre es nicht an der Zeit, doch ein neues Ziel auszugeben, um noch einmal einen Reizpunkt zu setzen?

Rehm: Klar ist, dass wir das Bestmögliche erreichen und dafür die Punkte sammeln wollen. Das ist aber kein neues Ziel, sondern die Zugabe in einer schon jetzt sensationellen Saison. Es gibt auf der Welt gleichwohl keinen Spieler oder Trainer, der Dritter werden kann und dann sagt, ich werde lieber Fünfter. Es liegt in der Natur der Sache, immer das Höchste anzustreben, aber wir müssen nicht Dritter werden. Unser Ziel war immer der Klassenerhalt und wir mischen fünf Spieltage vor Schluss noch oben mit – das ist eine tolle Leistung und eine super Situation.

Der Aufstieg ist also kein Muss, aber wie bedeutsam wäre das DFB-Pokal-Ticket?

In finanzieller Hinsicht wäre das für den Verein natürlich eine tolle Sache. Wir als Team könnten unseren Fauxpas mit dem WFV-Pokal-Aus beim Oberligisten Hollenbach ausbügeln und hätten doch noch das Ziel erreicht, das wir eigentlich über diesen Wettbewerb erreichen wollten. Osnabrück geht es allerdings genauso.

Sind Sie überrascht, dass die SG als Zwölfter der Rückrundentabelle überhaupt noch in Schlagdistanz zu den Rängen drei und vier ist?

Ja und nein. Wir haben eine überragende Vorrunde gespielt, spielen eigentlich für unsere Verhältnisse auch eine ordentliche Rückrunde, aber trotzdem schwingt ein gewisser negativer Beigeschmack mit. 18 Punkte aus 14 Rückrundenspielen sind gut, die Erwartungshaltung nach der Vorrunde lässt es schlechter aussehen. Vielleicht haben wir für unsere Ansprüche damals einen Tick zu viele Punkte geholt, aber die geben wir natürlich nicht mehr her (lacht). Wir haben noch fünf Spiele vor der Brust und wollen versuchen, die maximale Punktzahl zu erreichen. Dass es hinten und vorne so eng ist, zeigt die Ausgeglichenheit einer starken Liga.

Woran liegt es, dass es zumindest von den Ergebnissen nicht mehr ganz so rundläuft?

Die Effektivität vor dem Tor ist uns etwas abhandengekommen. Dabei spielt auch eine Rolle, dass Pascal Breier verletzungsbedingt und auch Tobias Rühle nicht alle Spiele machen konnten. Beide hatten in der Vorrunde eine sehr gute Quote, haben zusammen 14 oder 15 Tore erzielt. In der Rückrunde hat Pascal zwei gemacht, Tobias noch keines. Das konnten wir nicht ganz auffangen. Wir erarbeiten uns immer noch sehr viele Chancen, treffen die Hütte derzeit aber zu selten.

Nur noch 17. in der Heimtabelle – ist das nur Pech oder hat das tiefere Gründe?

Wir hatten viele Pfosten- oder Lattenschüsse und auch so manche Entscheidung wurde im Zweifelsfall gegen uns ausgelegt. Dies aber nur an fehlendem Glück festzumachen, ist nicht meine Art. Es sind auch die Gegner, die alles reinwerfen, um bei uns zu punkten. In den letzten Wochen hatten viele Torhüter einen exzellenten Tag gegen uns, eine Woche später fausten sie dann am Ball vorbei. Es kommt auch darauf an, wann du auf welchen Gegner triffst. In Chemnitz waren wir zum Beispiel zum perfekten Zeitpunkt, aber die Mehrzahl war gegen uns in Topform.

Warum läuft es auswärts so viel besser, dass in diesem Ranking Rang zwei zu Buche steht?

Die letzten zwei Spiele liefern ein Beispiel. In Aalen kullert der Ball beim 0:0 in der zweiten Halbzeit nur Millimeter an unserem Tor vorbei, nachdem wir vor der Pause klar überlegen waren. Später machen wir das Tor und gewinnen 1:0. Gegen Rostock lassen wir in der ersten Halbzeit nur einen Torschuss zu und was passiert? Der ist drin, weil wir bei einer Standardsituation nicht richtig aufpassen. Der Gegner nutzt die Fehler eiskalt aus. Wir haben viel mehr Möglichkeiten als in Aalen, machen aber kein Tor.

Sind Sie froh, heute in Cottbus zu spielen?

Mir ist es eigentlich relativ egal, ob wir daheim oder auswärts kicken – ich freue mich auf alle Spiele. Vor allem im Osten Deutschlands ist die Euphorie groß, die Stadien, die Zuschauerkulissen und die Atmosphäre sind toll.

Das Restprogramm nach Cottbus bringt die Heimspiele gegen Kiel und Wehen Wiesbaden, dazu geht es nach Magdeburg und Dresden. Leicht sieht anders aus, oder?

Ja, aber auch alle anderen Programme wären nicht leicht. Nun kommt eben die Phase, in der es für manche Mannschaften um nichts mehr geht, für andere dagegen geht es um alles. Es kommt auch darauf an, wann du auf welchen Gegner triffst. In Cottbus wartet ein ganz dicker Brocken, die haben einen neuen Trainer, kämpfen um die Existenz als Ex-Bundesligist – wenn sie heute nicht alles abrufen, dann tun sie es wohl nie. Wenn wir heute allerdings dreifach punkten, war es das wohl für sie.

Egal wie die Runde ausgeht, war es eine starke Saison der SG, das ist unstrittig. Wird der Verein zum Opfer des eigenen Erfolges, wenn Spieler wie Michele Rizzi und Tobias Rühle von der Konkurrenz abgeworben werden?

Einerseits vielleicht schon, andererseits kann man es auch als Wertschätzung sehen. Dafür, was die Jungs und was der ganze Verein geleistet haben. Ein gewisser Wechsel im Team bietet auch wieder die Chance, neue, junge Talente einzubauen und zu fördern. Vielleicht sogar noch bessere Spieler zu entwickeln als die, die wir jetzt gerade schon haben. Das passt zu unserem dualen Weg, unserer Philosophie, und ist daher ganz normal.

Bringen solche Nachrichten eher Unruhe ins Team oder ist es besser, wenn die Köpfe nach den Entscheidungen wieder frei sind?

Ich finde es immer besser, wenn die Köpfe frei sind. Auch wenn wir einem Spieler sagen sollten, dass es für ihn bei uns nicht weitergeht, ist das besser und fairer, als lange rumzueiern. Am besten wäre, alles wäre im März schon klar, aber das ist im Fußball unmöglich. Also ist das ganz normal und sorgt zumindest bei uns für keine Unruhe.

Befürchten Sie weitere Abgänge und glauben Sie an Verstärkungen, die es ermöglichen, in der Zweiten Bundesliga mitzuhalten oder eine weitere starke Drittligasaison zu spielen?

Ich bin mir ganz sicher, dass wir wieder eine gute Mannschaft haben werden. Wir sind gemeinsam mit Joannis Koukoutrigas voll in der Planung und hier auch viel auf fremden Plätzen unterwegs. Und schon alleine die Anfragen, die wir bekommen, wer sich gerne einmal bei uns präsentieren würde oder wen wir beobachten sollten, zeigt, dass es eine andere Qualität von Spielern als noch im vergangenen Jahr ist. Die SG hat sich deutschlandweit einen guten Ruf erarbeitet, dennoch wird der Verein seinem bodenständigen Weg treu und ein Sprungbrett für Talente bleiben. Wir haben auch schon immer mit Abgängen klarkommen müssen, sei es Morys oder Kuhn, Skarlatidis oder Senesie. Alle konnten wir kompensieren und uns immer verbessern.

Wann ist mit ersten Zugängen zu rechnen?

Für uns kommen nur Qualitätsspieler infrage und die SG ist gleichzeitig der familiäre, als auch sehr professionelle Dorfverein, der finanziell mit etablierten Drittligaklubs nicht konkurrieren kann und will. Wenn sie sich unser Team anschauen, dann sehen sie tolle Spieler, die aber oftmals in der Vergangenheit einen kleinen Knick in der Karriere hatten. Diese entwickeln wir auf und neben dem Platz weiter. Und mit wir meine ich das Trainerteam, unseren Sportdirektor und den gesamten Verein. Wir wollen auch zukünftig die finden, die uns weiterhelfen, unsere Philosophie verinnerlichen und zu uns kommen wollen.

Sie haben Ihren Vertrag bis 2018 verlängert. Bleiben Sie an Bord, egal was passiert, oder verweisen Sie aufs schnelllebige Geschäft?

Natürlich ist das Geschäft schnelllebig, aber im Moment ist der Stand der Dinge ganz klar, dass wir als Trainerstab in die nächste Saison gehen, alle haben verlängert. Wir sind hochzufrieden, und es ist sehr gut gelaufen. Wichtig ist nun, dass man im Erfolg nicht den Fehler macht und einfach zufrieden ist. Wir als Mannschaft werden versuchen, uns weiterzuentwickeln. Auch die gesamte SG muss einen weiteren Schritt nach vorne machen. Als Beispiel: Wir haben eine tolle Arena, aber wir brauchen zusätzlich einen Rasenplatz, auf dem wir regelmäßig trainieren können. Daran arbeitet der Verein derzeit intensiv. Es sind viele weitere Mosaiksteinchen, die schlussendlich als Gesamtes zum Erfolg beitragen, für diesen aber auch unabdingbar sind.

Quelle: Backnanger Kreiszeitung am 16. April 2016