3.L | Montag, 14. Mrz 2016 (BKZ)
Gemischte Gefühle nach Last-Minute-Ausgleich

30. SpT  |  3. Liga 2015/16
Samstag, 12. März 2016  |  14.00 Uhr  |  OSNAtel-Arena
VfL Osnabrück - SG Sonnenhof Großaspach    2:2 (1:1)

[Zur Backnanger Kreiszeitung - unserem Medienpartner mit SG-TV Spielvideo]
[SWR-Mediathek "Sport am Samstag"]

In der Nachspielzeit einen Punkt gerettet

Es war ein packendes Drittligaspiel, das 2:2 konnten am Ende weder Osnabrück noch Großaspach so richtig einordnen. Die SG führte, die Hausherren drehten den Spieß mit einem fragwürdigen und einem berechtigten Elfmeter um. Als der VfL wie der glückliche Sieger aussah, rettete Kai Gehring den Sonnenhof-Kickern in letzter Minute den verdienten Punkt.

Von Steffen Grün - So kann man sich täuschen. Nach 27 Minuten litten die Zuschauer im Hexenkessel an der Bremer Brücke zwar nicht unter Langeweile, doch mit dem turbulenten 3:3 in der Vorrunde, als zu dem Zeitpunkt bereits alle sechs Tore gefallen waren, schien sich das zweite Duell nicht messen zu können. Ärgster Aufreger war bis dahin eine Aktion nach vier Minuten, als der ansonsten gewohnt starke VfL-Torwart Marvin Schwäbe die Kugel vertändelte. Sie landete bei Tobias Rühle, der SG-Stürmer suchte den Abschluss, verpasste aber den richtigen Moment. Schwäbe bügelte den Fehler wieder aus und schlug den Ball weg.

So richtig in Fahrt kam die Partie nach einer halben Stunde. Just in dem Moment, als ein lauter Gong die anderen Spielstände ankündigte. Mit Aue und Magdeburg lagen die Rivalen im Rennen um den zweiten Aufstiegs- sowie den Relegationsplatz hinten. Kurz darauf bejubelte Osnabrück nach einem Kopfball von Halil Savran das vermeintliche 1:0, doch dessen Sturmpartner Francky Sembolo hatte Keeper Christopher Gäng zuvor zu energisch bedrängt. Im Gegenzug hielt Michele Rizzi aus etwa 20 Metern drauf, doch Schwäbe lenkte das Leder mithilfe der Latte über den Kasten. Nicht unverdient legten die Schwaben das 1:0 (41.) vor. Sebastian Schiek flankte, der nur 1,76 Meter große Bashkim Renneke köpfte, die Kugel landete im langen Eck.

In der Nachspielzeit ging ordentlich die Post ab. Zuerst rettete SG-Kapitän Daniel Hägele nach der Ecke von Massimo Ornatelli auf der Linie, dann segelte ein langer Ball in Aspachs Strafraum. Gäng eilte heraus und krachte mit Sembolo zusammen. Elfmeter und Gelb für Gäng – sehr strittig, für den Keeper total verkehrt: „Ich bin als Erster am Ball und treffe ihn auch, es war ein Stürmerfoul.“ Davon, dass er vielleicht lieber im Kasten geblieben wäre, wollte er nichts wissen: „Da muss ich rauskommen.“ Sembolo erlitt bei der unglücklichen Aktion einen Ellbogenbruch, David Pisot verwandelte den Strafstoß eiskalt zum 1:1.

Im Kabinengang verriet Rüdiger Rehm dem Unparteiischen seine Sicht der Dinge. In emotionalem, aber nicht unangemessenem Ton, versicherte der SG-Coach später. Ihn überraschte, dass ihn der Referee vor der zweiten Hälfte auf die Tribüne schickte, davon sei nicht die Rede gewesen. Es blieb hektisch, es blieb heftig umkämpft. In der 53. Minute fand Schiek mit einem Kopfball in Schwäbe seinen Meister. Rühle ging’s kurz darauf genauso, dazwischen zeigte Gäng gegen Ornatelli sein Können.

Aue und Magdeburg lagen mittlerweile 0:2 hinten. Es zeichnete sich ab, dass der Sieger in Osnabrück der Sieger des Spieltags sein würde. Aspach schien dem zweiten Tor näher, doch es fiel auf der anderen Seite. Gehring mähte Christian Groß um, „das war ein Elfmeter“, räumte der Innenverteidiger ein. Wieder Pisot gegen Gäng, wieder zog der Keeper den Kürzeren. 1:2 (82.) – die SG versuchte weiter alles, um wenigstens einen Punkt zu retten. 90 Minuten waren gerade rum, als die Moral belohnt wurde. Joker Shqiprim Binakaj legte für den mit Wut im Bauch nach vorne gestürmten Gehring auf, der traf aus 14 Metern ins linke Eck. Hätte Aspach kurz darauf einen Konter über Binakaj und Roussel Ngankam sauber zu Ende gespielt, wäre sogar noch ein Sieg drin gewesen. Auch darüber hätte sich Osnabrück nicht beklagen dürfen, denn die Gäste waren im Duell zweier starker Teams das etwas bessere. Daher kam trotz des späten 2:2 keine riesige Freude auf. Der VfL ärgerte sich über den verlorenen Dreier, wusste aber genau: Ein Sieg wäre schmeichelhaft gewesen.

SG-Kicker trauern dem Dreier nach, Rehm widerspricht

Von einer gefühlten Niederlage will der Trainer nach dem 2:2 nichts wissen

(stg). Wenn ein Team in der Nachspielzeit den Ausgleich markiert, ist die Frage nach dem moralischen Sieger meistens beantwortet. Beim 2:2 im Drittliga-Verfolgerduell in Osnabrück hätte sich also vor allem Großaspach über das Remis freuen müssen, doch die SG-Kicker taten sich schwer damit. „Gerade fühle ich mich so, als hätten wir verloren“, verkündete Kapitän Daniel Hägele mit einer Leichenbittermiene. Und damit war der 27-Jährige nicht alleine, zum Beispiel sekundierte ihm Keeper Christopher Gäng: „Der Punkt ist für uns mehr als verdient, es ist eher eine gefühlte Niederlage.“ Auch Kai Gehring, der mit einem unnötigen Foul den Elfmeter zum 1:2 verursacht und später das 2:2 erzielt hatte, hörte sich nicht so an, als springe er in der Kabine gleich vor Freude an die Decke: „Wir haben ein Super-Spiel gemacht, ein VfL-Sieg wäre unverdient gewesen. Letztlich müssen wir mit diesem Punkt zufrieden sein, aber es sind gemischte Gefühle.“

Es war Rüdiger Rehm ein Herzensanliegen, seinen Schützlingen zu verdeutlichen, dass es „keinen Grund gibt, enttäuscht zu sein“. Der SG-Trainer lobte sein Team für einen starken Auftritt, „wir waren über 90 Minuten die bessere Mannschaft“. Daher sei das Ergebnis für Aspach vielleicht wegen des späten Ausgleichs etwas glücklich, insgesamt aber völlig verdient, „wir freuen uns darüber“. Der verpassten Möglichkeit, mit einem Dreier nicht nur auf den vierten Rang zu klettern, sondern sogar den Relegationsplatz zu erobern, den nun der VfL Osnabrück belegt, trauerte Rehm zumindest in der Öffentlichkeit nicht hinterher. Er legte Wert darauf, dass die von ihm immer angepeilten 46 Punkte jetzt auf dem Konto sind, „nun gibt es die Zugabe“. Er halte nichts davon, neue Ziele auszurufen, „aber jeder Fußballer will so oft wie möglich gewinnen“. Acht Spiele sind es noch.

SG-TV auf bkz-online

Alle wichtigen, auch umstrittenen Szenen und die vier Tore vom Drittliga-Spiel der SG Sonnenhof in Osnabrück gibt es auf dem Video im Internet unter www.bkz-online.de.

Spieler, Tore, Fakten

VfL Osnabrück: Schwäbe – Falkenberg, Pisot, Willers, Hohnstedt – Ornatelli, Syhre, Groß (84. Chahed), Kandziora (71. Odenthal) – Sembolo (46. Tigges), Savran.
SG Sonnenhof Großaspach: Gäng – Schiek, Leist, Gehring, Lorch (76. Kienast) – Renneke, Rizzi, Hägele, Dittgen (73. Binakaj) – Rühle, Röttger (70. Ngankam).
Tore: 0:1 (41.) Renneke, 1:1 (45.+5./Foulelfmeter) Pisot, 2:1 (82./Foulelfmeter) Pisot, 2:2 (90.+1.) Gehring.
Gelbe Karten: Willers, Savran, Kandziora / Renneke, Röttger, Gäng, Schiek, Gehring.
Schiedsrichter: Schult (Hamburg).
Zuschauer: 8675.

Quelle: Backnanger Kreiszeitung am 14 März 2016