3.L | Samstag, 28. November 2015 (SWP)
Sportdirektor Koukoutrigas im Interview

SG-Sportdirektor Joannis Koukoutrigas im Interview mit der "Rundschau Gaildorf"

"Es ist kein Zufall, dass wir so weit oben stehen"

Seit mehr als acht Jahren ist Joannis Koukoutrigas nun schon als Sportdirektor bei der SG Sonnenhof Großaspach tätig. Auch der 40-Jährige ist vom derzeitigen Höhenflug des aktuellen Zweiten der 3. Liga überrascht.

Viele Spiele in der 3. Liga gehen ganz eng zu und ihr Vorsprung auf Platz neun beträgt gerade einmal sieben Punkte. Ist es Zufall, dass Großaspach so weit oben steht?

JOANNIS KOUKOUTRIGAS: Die Liga ist außer Dynamo Dresden brutal ausgeglichen. Da entscheiden oft Kleinigkeiten oder die Tagesform über Sieg oder Niederlage. Aber Zufall ist es sicherlich nicht, dass wir so weit oben stehen. Wir haben uns das hart erarbeitet. Ich denke, ein wichtiger Mosaikstein für den Erfolg ist das Trainerteam um Rüdiger Rehm, das bei uns in Ruhe arbeiten und etwas entwickeln kann. In Großaspach können wir keine teuren Spieler kaufen, wir funktionieren einfach als Team.

Haben Sie so eine tolle Hinserie erwartet?

KOUKOUTRIGAS: Die vergangene Runde war für uns als Liganeulinge in der 3. Liga eine Lernphase. Zudem war die Doppelbelastung mit der Fußballlehrerausbildung in Köln für Rüdiger Rehm zu groß. Mit der Interimslösung Uwe Rapolder haben wir einige wichtige Punkte geholt und beim Saisonfinale mit der Rückkehr von Rehm auf die Trainerbank hat die Mannschaft schon gezeigt, was in ihr steckt. Es folgte eine Serie von neun Spielen ohne Niederlage und damit die frühzeitige Sicherung des Ligaverbleibs. Dass es in der neuen Runde noch erfolgreicher weitergehen würde, hätte ich sicherlich nicht erwartet.

Ist schon eine Aufstiegsfeier geplant?

KOUKOUTRIGAS: Sicherlich nicht, aber das ist schon eine außergewöhnliche Leistung, die das Team gerade abruft. Wir wollen die Jungs weiterentwickeln, die es vielleicht bei anderen Profi-Clubs nicht auf Anhieb geschafft haben. Ich denke in dieser Richtung haben wir auch ein gutes Näschen bewiesen, was die Auswahl der Spieler betrifft. Wir beobachten den Weg von ähnlich strukturierten Teams aus der Nachbarschaft wie beispielsweise des 1. FC Heidenheim. Aber so weit sind wir noch lange nicht. Mittelfristig sehen wir uns auf jeden Fall in der 3. Liga sehr gut aufgehoben und haben keine höheren Ambitionen.

Der Fanzuspruch mit rund 2000 Zuschauern und einer Stadionauslastung von gerade einmal 20 Prozent ist nicht gerade drittligareif?

KOUKOUTRIGAS: Wir sind eine kleine 8000-Seelen-Gemeinde. Zudem müssen wir uns erst einmal neben den Traditionsclubs wie Stuttgarter Kickers und dem VfB Stuttgart etablieren. Wenn die Ergebnisse stimmen und wir vor allem ansprechenden Fußball zeigen, dann sehe ich uns auf einem guten Weg.

Sie gehen einen außergewöhnlichen Weg ohne Vollprofis?

KOUKOUTRIGAS: Bis auf Maximilian Dittgen, der mit der U20-Nationalmannschaft viel unterwegs ist, üben alle Spieler eine Tätigkeit neben dem Fußball aus. Wir legen auch großen Wert darauf, dass unsere jungen Spieler eine Ausbildung machen oder studieren, damit sie ein zweites Standbein haben.

Die U23 wurde zu Beginn der Runde aus dem Spielbetrieb zurückgezogen. Hat sich diese Entscheidung als die richtige erwiesen?

KOUKOUTRIGAS: Die U23 hat nur in der Landesliga gekickt. Um einen sinnvollen Unterbau zu haben, wäre aber eine Oberligazugehörigkeit nötig. Aber dazu fehlen uns die nötigen finanziellen Mittel und deshalb investieren wir das nun eingesparte Geld in die Jugend. Zudem haben wir für die Nachwuchskicker, die in den Aktivenbereich kommen und nicht gleich den Sprung in den Drittligakader schaffen, eine Kooperation mit Viktoria Backnang, wo wir die Spieler im Auge behalten.

Quelle: Rundschau Gaildorf (Südwest Presse) am 27. November 2015