3.L | Montag, 23. November 2015 (BKZ)
Torschütze Rizzi: "Der Wahnsinn geht weiter!"

^^^ Auch in Aspach wurde vor Spielbeginn den Opfern der jüngsten Terroranschläge
in Beirut und Paris gedacht [Foto: Screenshot SWR]

17. SpT  |  3. Liga 2015/16
Samstag, 21. November 2015  |  14.00 Uhr  |  mechatronik Arena
SG Sonnenhof Großaspach - 1. FC Magdeburg   1:0 (0:0)

[Zur Backnanger Kreiszeitung, unserem Medienpartner, mit SG-TV Video ]
[SWR-Mediathek "Sport am Samstag" mit Rehm-Interview]
[SWR-Mediathek: Die kompletten 90 Spielminuten]

FCM-Randale nach Rizzis Siegtreffer

Drittligist SG Sonnenhof Großaspach ist mit dem 1:0-Heimsieg gegen den 1. FC Magdeburg zurück in der Erfolgsspur und nun wieder Tabellenzweiter. Allerdings hat der Dreier einen sehr faden Beigeschmack. Nach dem Siegtreffer von Michele Rizzi (82.) drehten einige Magdeburger Fans durch, randalierten und klauten eine Fernsehkamera.

Von Heiko Schmidt - Die 82. Minute und was danach passierte, wird sicher noch ein Nachspiel haben. Denn laut Polizei wurden aufgrund von Vorkommnissen rund ums Spiel insgesamt neun Strafverfahren eingeleitet. Zunächst zum Sportlichen: FCM-Defensivmann André Hainault verschätzt sich im eigenen Strafraum. Großaspachs Aktivposten Timo Röttger kommt an den Ball, wird dann aber von Hainault festgehalten. Klare Sache: Elfmeter. SG-Mittelfeldspieler Michele Rizzi schießt den Strafstoß nicht besonders platziert, FCM-Keeper Jan Glinker kommt an den Ball, der dann aber doch noch ins Netz fliegt. Großaspachs Spieler, Verantwortliche und Anhänger bejubeln ausgelassen das 1:0-Führungstor, das am Ende der Siegtreffer für die Schwaben ist.

Doch auf der anderen Seite des Stadions spielen sich im Gästeblock inzwischen ganz andere Szenen ab. Einige der 1000 Magdeburger Fans waren übers Gegentor verärgert, brachen mit Gewalt ein Tor zum Innenraum auf und stürmten in Richtung Spielfeld. Sie prügelten auf Ordner ein. Zwei Sicherheitskräfte erlitten dabei Kopfverletzungen. Zudem wurde eine Kamera gestohlen. Die Partie stand kurz vor dem Abbruch. Erst als Magdeburger Spieler und Trainer Jens Härtel die Gewalttäter beruhigten, ging der Mob zurück in den Gästeblock. Nach siebenminütiger Unterbrechung wurde die Begegnung fortgesetzt und dann mit einer Nachspielzeit von acht Minuten beendet.

Vor dem Treffer lieferten sich der bisherige Dritte und Fünfte eine Partie auf Augenhöhe. SG-Coach Rüdiger Rehm nahm gleich fünf Veränderungen in der Startelf gegenüber der 1:3-Niederlage in Kiel vor. Christopher Gäng, Felice Vecchione und Timo Röttger waren nach ihren verletzungsbedingten Ausfällen von Beginn an dabei. Tobias Schröck hatte seine Sperre aufgrund der fünften Gelben Karte abgesessen. Bashkim Renneke überzeugte SG-Coach Rehm im Training. Dagegen blieben Kevin Broll, David Kienast, Max Dittgen und Shqiprim Binakaj draußen. Robin Schuster trainierte aufgrund seines Trainer-Lehrganges kaum und stand deshalb nicht im Kader.

Großaspach war zunächst das aktivere Team und besaß durch Röttger (4./10-Meter-Schuss) und Pascal Breier (19./ Kopfball) gute Chancen zum Führungstreffer. Die Gäste aus Sachsen-Anhalt hingegen sorgten mit ihren schnell vorgetragenen Angriffen für Gefahr. So scheiterte Nicolas Hebisch nach 31 Minuten mit einem Kopfball. Nach dem Seitenwechsel verlief die hart umkämpfte Begegnung weiterhin ausgeglichen. Auf dem durch den Regen rutschigen Rasen war viel Kampf angesagt. Magdeburgs Torjäger Christian Beck verpasste per Kopf den Ball knapp (47.). Auf der Gegenseite hatten Röttger (63./Seitfallzieher) und der eingewechselte Ngankam (74./Rechtsschuss) kein Glück.

Es folgte die 82. Minute: In der und danach überschlugen sich die Ereignisse in der mechatronik Arena. Bilanz am Ende des Tages: Drei Punkte für Großaspach und ein Desaster für den Sport.

Nach der 82. Minute: Fans des 1. FC Magdeburg brachen eine Tür zum Innenraum auf und stürmten aufs Spielfeld. Foto: A. Becher

Gäng berichtet von Feuerzeugen, die auf ihn flogen

Einhelliger Tenor: So etwas hat bei Fußballspielen nichts verloren

(hes). Der einhellige Tenor von Spielern, Trainern und Verantwortlichen der SG Sonnenhof Großaspach und des 1. FC Magdeburg lautete: Solche unschönen Szenen der Gäste-Anhänger haben nichts bei Fußballspielen verloren. „Ich bin froh, dass die Magdeburger Spieler zu ihren Fans hin sind und es noch relativ glimpflich abgelaufen ist“, sagte Großaspachs Torschütze Michele Rizzi. SG-Keeper Christopher Gäng, der nach acht Spielen Verletzungspause von Beginn an zwischen den Pfosten stand, berichtete: „Bevor die Magdeburger Fans den Platz gestürmt hatten, warfen sie Feuerzeuge auf mich. Zum Glück wurde ich nicht getroffen.“ Und was sagt Sonnenhof-Trainer Rüdiger Rehm zu den Vorfällen? „Ich hatte mich aufs Spiel konzentriert und die Entstehung der Situationen nicht richtig mitbekommen, aber Emotionen gehören zum Sport“, antwortete Rehm, der gestern seinen 37.Geburtstag feierte. Als Geschenk bekam er von seinen Spielern einen Sieg. „Mit meinen Veränderungen in der Startelf habe ich alles richtig gemacht“, freute sich Rehm. Mittelfeldstratege Rizzi brachte es auf den Punkt: „Der Wahnsinn geht weiter.“ Er schob nach: „Es war ein glücklicher Sieg, denn beide Teams waren auf Augenhöhe.“ Genauso sah es Magdeburgs Trainer Jens Härtel. Er beschäftigte sich aber zunächst mit dem, was die Fans seiner Mannschaft gemacht hatten. „Es ist nicht in Ordnung, was da vorgefallen ist“, sagte Härtel. Er kritisierte jedoch: „Wenn man weiß, dass von uns so viele Fans da sind, dann muss man mehr Ordnungskräfte haben.“ Ob allerdings mehr Ordner die gewaltbereiten Magdeburger Anhänger besänftigt hätten, bleibt dahingestellt. Auf jeden Fall wird sich das DFB-Sportgericht mit den Vorfällen beschäftigen.

Großaspach schaut nun zum nächsten Spiel. Mit dem Dreier soll dabei die positive Serie fortgesetzt werden. Dafür muss etwas Zählbares bei der kommenden Begegnung mitgenommen werden. Die SG wird am Samstag um 14 Uhr beim SV Wehen Wiesbaden antreten.

SG auf bkz-online

Die Kamera unserer Zeitung hat den Sieg Großaspachs über Magdeburg festgehalten. Das Video mit dem Tor und Szenen von der Randale gibt’s unter www.bkz-online.de.

Spieler, Tore, Fakten

SG Sonnenhof Großaspach: Gäng – Schiek, Leist, Gehring, Vecchione – Renneke (67. Dittgen), Rizzi, Schröck, Röttger (89. Binakaj) – Breier (61. Ngankam), Rühle.
1. FC Magdeburg: Glinker – Hainault, Puttkammer, Handke (82. Kruschke) – Butzen, Sowislo, Brandt, Altiparmak – Hebisch (75. Razeek), Beck, Farrona Pulido (61. Chahed).
Tor: 1:0 (82./Foulelfmeter) Rizzi.
Gelbe Karten: Schiek / Hainault, Farrona Pulido, Butzen, Brandt.
Schiedsrichter: Badstübner (Windsbach).
Zuschauer: 2300.

Impressionen aus der mechatronik Arena

tai

Der 17. Spieltag

Michele Rizzi schafft es mit seinem Elfmeter-Siegtreffer in die DFB-Elf des Tages: