3.L | Mittwoch, 23. September 2015 (DFB.de)
Jo Landeka im Gespräch mit DFB.de

Landeka: "Ich will Rekordspieler werden"

Die Karriere von Josip "Jo" Landeka, Defensivspieler beim Drittligisten Sonnenhof Großaspach, ist bemerkenswert. Seit der Einführung der eingleisigen 3. Liga zur Saison 2008/2009 spielt der heute 28-Jährige, der parallel eine Ausbildung zum Steuerberater absolviert, in der dritthöchsten deutschen Spielklasse. Dabei lief er für nicht weniger als sechs verschiedene Vereine auf. Das ist Rekord.

Beim aktuellen Drittligisten FSV Mainz 05 II hatte die Karriere des in Offenbach geborenen Kroaten in der Oberliga Fahrt aufgenommen. Im Sommer 2008 schloss er sich den Stuttgarter Kickers an, die sich für die 3. Liga qualifiziert hatten. Weitere Drittligastationen waren der SV Wehen Wiesbaden, der FC Carl Zeiss Jena, der Chemnitzer FC, der SV Darmstadt 98 und seit Mitte 2014 die SGS. Insgesamt 182-mal lief Landeka in der 3. Liga bisher auf. Im DFB.de-Drittligainterview der Woche spricht Josip Landeka, dessen Cousine Iva Landeka für den FF USV Jena in der Allianz Frauen-Bundesliga am Ball ist, mit dem Journalisten Thomas Ziehn über das Spiel heute (ab 19 Uhr) bei Fortuna Köln, die vielen Umzüge und das Streben nach einer weiteren Bestmarke.

DFB.de: Sie sind der einzige Spieler, der schon für sechs verschiedene Vereine in der 3. Liga gespielt hat. War Ihnen das bewusst, Herr Landeka?

Josip Landeka: Seit einigen Monaten weiß ich das. Ich bin froh, dass ich Erfahrungen sammeln konnte, über die nur sehr wenige Drittligaspieler verfügen. Von allen meinen Vereinen konnte ich etwas anderes mitnehmen. Diese Erfahrung möchte ich jetzt gerade an die jungen Spieler weitergeben.

DFB.de: Sie sind "Gründungsmitglied" und "Dauerbrenner" zugleich. Wie kam es dazu, dass Sie immer in der 3. Liga geblieben sind?

Landeka: Unter Jürgen Klopp stand ich in Mainz kurz vor dem Sprung in die erste Mannschaft. Leider hat es - auch wegen des Wechsels von Klopp zu Borussia Dortmund - nicht geklappt. Klopp meinte, dass ich für die Mainzer U 23 zu gut wäre. Danach wurde ein Kontakt zu den Stuttgarter Kickers hergestellt. Seitdem lief es häufig nach dem gleichen Schema ab. Mal habe ich eine gute Saison gespielt, der Klub ist aber abgestiegen. Dann bist du für Zweitligisten eher uninteressant. Zu meiner Zeit in Wiesbaden habe ich mir das Bein gebrochen. Auch dann nimmt dich kein Klub aus dem Unterhaus. Für die vierte Liga war ich im Gegenzug wohl immer zu stark.

DFB.de: Sie mussten in den vergangenen Jahren häufig umziehen. Ganz ehrlich: Nervt das nicht?

Landeka: Die Umzüge selbst sind nicht das große Problem. Es gibt ja Umzugsunternehmen. (lacht) Viel schwieriger ist der Bruch im beruflichen und privaten Sektor. Ich habe auf meinen verschiedenen Stationen stets neue Freunde gefunden. Die musste ich zurücklassen und mir in einem anderen Umfeld alles neu erarbeiten.

DFB.de: Stört es Sie, wenn man Sie als "Wandervogel" bezeichnet?

Landeka: Der Begriff ist in der Tat negativ behaftet. Ich beziehe ihn aber nicht auf mich. Ein "Wandervogel" ist für mich jemand, der immer auch auf den größtmöglichen Profit aus ist. Ich kann sagen, dass ich nie wegen des Geldes, sondern immer nur wegen der sportlichen Perspektive gewechselt bin.

DFB.de: Gibt es ein Drittligaspiel, an das Sie sich ganz besonders erinnern?

Landeka: Das gibt es. Allerdings war es kein Meisterschaftsspiel. Das 4:2 nach Verlängerung mit dem SV Darmstadt 98 bei Arminia Bielefeld in der Relegation zur 2. Bundesliga werde ich nie vergessen. Nach dem 1:3 im Hinspiel war die Ausgangslage für uns denkbar schlecht. Dennoch konnten wir das Ruder in einer dramatischen Partie noch in der Nachspielzeit herumreißen. Das war einmalig - und hat den späteren Durchmarsch des Vereins in die Bundesliga erst möglich gemacht.

DFB.de: Mit der SG Sonnenhof Großaspach läuft es aktuell sehr gut. Seit drei Partien hat die SGS nicht mehr verloren, Tabellenplatz sechs steht zu Buche. Was zeichnet die Mannschaft aus?

Landeka: Wir alle spielen schon länger zusammen. Dadurch kennen wir zum Beispiel die Laufwege sehr genau. Darüber hinaus haben wir keinen Star in der Mannschaft. Es gibt keinen Neid, weil das Gehaltsgefüge nicht gesprengt wird. Wir wissen, dass wir nur als Einheit erfolgreich sein können, weil wir im Vergleich zu anderen Mannschaft individuell vielleicht nicht ganz so stark sind.

DFB.de: Welche Ziele verfolgen Sie mit Großaspach?

Landeka: Es wäre vermessen, wenn jemand bei uns mehr als den Klassenverbleib erwartet. Unser Ziel ist es, so schnell wie möglich die nötigen Punkte dafür zu sammeln. Persönlich geht es für mich darum, die Doppelbelastung aus Sport und Ausbildung besser wegzustecken. Da hatte ich in meiner ersten Saison doch einige Schwierigkeiten. Jetzt habe ich mich aber wieder herangekämpft.

DFB.de: Sie haben schon 182-mal in der 3. Liga gespielt...

Landeka: ... und dabei soll es nicht bleiben. Ich möchte den Rekord meines ehemaligen Jenaer Mitspielers Jens Truckenbrod brechen, der aktuell mit 233 Einsätzen Drittliga-Rekordspieler ist. Zwischen Jens und mir liegen zwar noch einige andere Spieler. Ich werde trotzdem alles dafür geben, um so schnell wie möglich ebenfalls auf 233 Partien zu kommen.

DFB.de: Am heutigen Mittwoch geht es zu Fortuna Köln. Die Rheinländer sind nach drei Niederlagen in Folge auf einen Abstiegsplatz abgerutscht. Ihre Einschätzung?

Landeka: In der abgelaufenen Saison haben wir beim 0:4 in Köln die höchste Saisonniederlage kassiert. Der Gegner spielt sehr aggressiv, darauf müssen wir uns einstellen. Die Serien interessieren mich nicht. Es geht einzig und allein um die Tagesform.

DFB.de: Seit Sommer 2014 sind Sie für die SGS am Ball. Können Sie sich vorstellen, "sesshaft" zu werden?

Landeka: Ich hatte mich aus mehreren Gründen für Großaspach entschieden. Die sportliche Perspektive passt, meine Frau Julia stammt aus Stuttgart und damit aus der Region. Das duale System bei der SGS ermöglichte es mir, gleichzeitig eine Ausbildung zum Steuerberater in Waiblingen zu beginnen und mir ein zweites Standbein aufzubauen. Im Mai 2016 möchte ich fertig sein. Ich werde alles geben, um lange für Großaspach zu spielen.

DFB.de: Wie hat sich die 3. Liga seit der Einführung 2008/2009 verändert?

Landeka: Die TV-Präsenz und die Zuschauerresonanz haben immer mehr zugenommen. Da kann keine andere 3. Liga der Welt mithalten. Parallel ist auch die Qualität gestiegen. Ich bin sicher, dass ein Drittligist an einem guten Tag auch mit einigen Bundesligisten mithalten kann.

Quelle: Deutscher Fußball-Bund online am 23. September 2015