SG1 | Mittwoch, 23. Oktober 2013 (KICK-S)
SG Sonnenhof: Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt?

Ein Bericht des Internetportals "Kick-S - Fußball aus Stuttgart"

Mehr als ein Drittel der Regionalligasaison ist gespielt. Die SG Sonnenhof Großaspach spielt um die Relegation mit - und könnte noch so viel besser sein. Wäre da nicht die magere Heimbilanz. Zeit für einen genaueren Blick in Richtung Fautenhau.

Von Benjamin Brumm.
"Wir müssen jetzt einfach wieder einmal ein Spiel zuhause gewinnen, damit dieses Thema 'Heimfluch' schnell vergessen wird." Das sagte SG Sonnenhofs Teammanager Joannis Koukoutrigas VOR dem letzten Heimspiel gegen die U23 des 1.FC Kaiserslautern. Sollte es einen Fußballgott geben: Er hat Koukoutrigas' Wünsche nicht vernommen - oder nicht erfüllen wollen. Großaspach konnte auch im fünften Heimspiel hintereinander keinen Heimsieg verbuchen, kassierte gegen die Roten Teufel aus der Pfalz in der Nachspielzeit einen Elfmeter und mussten sich folglich mit einem 1:1 zufrieden geben. Man muss in Richtung Hochsommer blicken, genauer gesagt auf den 18. August 2013. Damals besiegten die Sonnenhöfer den SVN Zweibrücken mit 2:0. Seitdem sprangen nur noch zwei Heimpunkte heraus. "Wir haben gegen Mainz, Offenbach und Neckarelz verloren zuhause und die haben sich allesamt glänzend präsentiert bei uns," gibt der Teammanager zu bedenken. Zudem sei die Regionalliga Südwest so stark wie noch nie und das Auftreten der Gegner am Fautenhau habe sich gewandelt. Gastmannschaften in der comtech-Arena agieren meist respektvoll defensiv und warten auf Fehler der Großaspacher. "Wenn wir dann nicht 100 Prozent abrufen wird es einfach schwierig," weiß der Teammanager

Auswärts top - zuhause flop

Das mag stimmen und ehrt die Arbeit, die in den vergangenen Jahren in Großaspach geleistet wurde, in gewisser Weise. Es ändert allerdings nichts daran, dass die Mannschaft mit nur acht Punkten im grauen Mittelfeld des Heimtableaus dümpelt. Ganz anders sieht es auswärts aus: Dort rangiert die Mannschaft auf dem ersten Platz, holte aus nur sechs Spielen 16 Punkte und verlor folglich bislang noch keine Partie in der Fremde. Hat die Mannschaft also ein Motivationsproblem, vor nahezu leeren Rängen im 10.000 Zuschauer fassenden Schmuckkästchen comtech-Arena aufzutreten? Der Zuschauerschnitt in dieser Saison liegt mit knapp 1.000 Zuschauern zwar deutlich höher als in der besten Oberligasaison (circa 500). Nichtsdesotrotz kommt man sich am Fautenhau oftmals verloren vor. Oder ist es eine Einstellungsfrage - will die Mannschaft zuhause tricksen und glänzen und besinnt sich nur in der Fremde auf ihre Kampfstärke, wie Trainer Rüdiger Rehm schon einmal kritisch anmerkte? Für Joannis Koukoutrigas hat das veschobene Heim-Auswärtsbild viel mehr mit der Spielweise der Mannschaft zu tun: "Unsere Stärken sind das kompakte Auftreten und das schnelle Umschaltspiel, das macht sich auswärts bemerkbar."

Aufstieg mit Geduld

Sollte die SG Sonnenhof allerdings nicht bald anfangen, auch zuhause zu punkten, dann wird einer der vorderen beiden Tabellenplätze, die zur Relegation für die 3. Liga berechtigen, nicht zu erreichen sein. Doch ist das überhaupt das Ziel der Sonnenhöfer? Nicht zwangsläufig in dieser Saison, wenn man Koukoutrigas glauben schenken darf. "Wir machen uns keinen Druck, müssen wir auch nicht. Wir wollen irgendwann aufsteigen, aber wann das passiert, ist erst einmal zweitrangig," gibt er zu Protokoll. Ein klarer Vorteil gegenüber der Konkurrenz, die teilweise - auch aus wirtschaftlicher Sicht - schon zum Aufstieg verdammt scheint. Und dennoch: Allein für die zwei Derbys gegen die Stuttgarter Teams würde sich der Aufstieg aus Sicht der Großaspacher Verantwortlichen lohnen. Insofern wird auch mit den Stuttgarter Kickers gefiebert, wenn es um den Klassenerhalt geht. Nicht auszudenken, wenn die SG Sonnenhof aufsteigt und die Blauen runter müssten. "Das wäre natürlich unglaublich bitter," so Koukoutrigas.

Wir machen uns keinen Druck, müssen wir auch nicht. Wir wollen irgendwann aufsteigen, aber wann das passiert, ist erst einmal zweitrangig.
Joannis Koukoutrigas hat Zeit und Geduld

Ganz gleich, ob man am Ende mindestens auf dem zweiten Platz steht: Den Aufstieg hat man dadurch noch lange nicht perfekt gemacht. Dann geht es in die Relegation und zwei schwächere Spiele können einem die ganze Saison verhageln. So geschehen bei den Sportfreunden Lotte in der letzten Saison, die die Regionalliga West überragend dominierten und anschließend gegen RB Leipzig die Segel streichen mussten. Kein Wunder also, dass man in Großaspach auf eine wie auch immer geartete Änderung der Aufstiegsregularien hofft, wie sie derzeit vom Verband überprüft wird.

Neureicher Emporkömmling?

Eines ist indessen auch klar: Würde die SGS es tatsächlich darauf anlegen, wäre sie vermutlich längst aufgestiegen. An den fehlenden Finanzen läge es zumindest dank zahlreicher Investoren - allen voran der Familie Ferber - nicht. Vielen Kritikern ist der Club deshalb auch ein Dorn im Auge der Vereinslandschaft. Sie sehen die SG Sonnenhof als Modell Hoffenheim oder Leipzig im Kleinen. Für Joannis Koukoutrigas sind das Scheinargumente aus der Ferne. Ein "Spielzeug" des erfolgreichen und prominenten Spielerberaters sei man nicht. Jeder kleinere Verein sei heute auf eine starke Person im Hintergrund angewiesen. Doch der Teammanager ergänzt: "Natürlich ist Sonnenhof ein wichtiger Sponsor für uns. Aber der Verein ist nicht nur auf Herrn Ferber fixiert, wir haben gerade in den letzten Jahren viele kleinere Sponsoren hinzugewonnen." Deshalb setzt man in Großaspach auch auf langfristige Kontinuität statt auf den schnellen, aber dafür kurzfristigen Erfolg. Solange man die Strukturen nicht gewachsen sieht - und dazu dürfte auch ein höheres Zuschauerinteresse gehören - nimmt man sich scheinbar alle Zeit der Welt, die Arbeit in der 3. Liga fortzusetzen.

 

Der Verein ist nicht nur auf Herrn Ferber fixiert, wir haben gerade in den letzten Jahren viele kleinere Sponsoren hinzugewonnen.
Koukoutrigas kontert den Kritikern

Eng verzahnt

Und dennoch: Viele Mitarbeiter im Management des Vereins sind auf die ein oder andere Weise in Ferbers Betreuungs- oder Marketingagentur eingebunden. Das mag man kritisieren, erfolgreich ist das Modell jedoch in jedem Fall. Das gilt auch für ein Konzept, das man vor zwei Jahren gemeinsam mit den Investoren des Vereins erstellt hat. So wird jedem Spieler, der sich der SG Sonnenhof anschließt, die Möglichkeit geboten, nebenbei ein duales Studium oder eine Ausbildung zu machen. "Auch für einen Halbtagsjob ist nach oder vor dem Training genügend Zeit vorhanden," schätzt Joannis Koukoutrigas die Realität ein. Vielen Spielern müsse klar sein, das man sich eben nur auf der Schwelle zum Profifußball befindet und der Traum von der Karriere jäh ausgeträumt sein kann. So absolvieren beispielsweise Robin Schuster oder Michele Rizzi, dem mit derzeit fünf Treffern besten Torschützen der SG Sonnenhof, nebenbei ein duales Studium. Manuel Fischer, ehemaliges Sturmjuwel des VfB Stuttgart absolviert ebenso wie Tobias Rühle eine Ausbildung.

Das Konzept geht auf und so gelingt es dem Verein, Spieler, die auch nach dem Fußball ihren Lebensmittelpunkt in der Region sehen, zu verpflichten. Heraus kommt dabei eine Mischung aus erfahrenen Spielern, die bereits in höheren Klassen Erfahrungen gesammelt haben, und jungen, talentierten Nachwuchsleuten. "Über uns sollen sie dann den nächsten Schritt in die 3. Liga oder sogar in die 2. Bundesliga schaffen," erläutert Koukoutrigas. Beispiele dafür gab es in der Vergangenheit bereits. So spielt der Schwäbisch Gmünder Julian Grupp mittlerweile erfolgreich für den SV Wehen Wiesbaden. Überhaupt, scheint die hohe Leistungsdichte aus sportlicher Sicht einer der Trümpfe des Vereins zu sein. Offensichtliches Zeugnis: Bereits zehn Torschützen konnten sich in die Trefferstatistik der Regionalliga eintragen. Häufig hat Rüdiger Rehm bei seiner Aufstellung die Qual der Wahl - und nicht selten gelingt es ihm, in knappen Partien den Sieg einzuwechseln. Gerade im Sturm hat man mit Sahr Senesie, Manuel Fischer, Tobias Rühle und Johannes Fiand gleich vier Kandidaten, die regelmäßig durchrotiert werden.

Es wird spannend sein, zu sehen, wie sich das "Modell" SG Sonnenhof Großaspach weiter entwickeln wird. Sollte die Mannschaft beginnen, auch noch zuhause regelmäßig zu punkten, dann ist der Sprung eine Etage höher eventuell schon diese Saison im Rahmen der Möglichkeiten. Joannis Koukoutrigas dazu achselzuckend: "Wenn es kommen sollte, dann freuen wir uns. Und wenn es nicht kommen sollte, dann geht es eben weiter." Geduld scheint eine der wichtigen Tugenden am Fautenhau zu sein.

 

Quelle: "Kick-S - Fußball aus Stuttgart" am 23.10.2013