6. Januar 2016
SG Sonnenhof Großaspach - TSG 1899 Hoffenheim   1:1 (0:0)

 

Mit der letzten Aktion kassiert Aspach den Ausgleich

Drittliga-Kicker der SG Sonnenhof trotzen Erstliga-Schlusslicht 1899 Hoffenheim immerhin ein 1:1 ab – Führung durch Ngankam, für die Gäste trifft Schwegler

In einem Testspiel im Sommer hatten Großaspachs Drittliga-Kicker die Stars aus Leverkusen mit 1:0 bezwungen. Gestern sah es gegen 1899 Hoffenheim nach Roussel Ngankams Tor in der 86. Minute so aus, als würde die SG Sonnenhof wieder einen Erstligisten stolpern lassen. Doch dann sorgte Pirmin Schwegler mit der letzten Aktion für das verdiente 1:1.

Von Steffen Grün - Die einen Zweiter in Liga drei, die anderen Letzter in Liga eins – wäre die Saison bereits beendet, würden Großaspach und Hoffenheim in der neuen Runde in der Zweiten Bundesliga um Punkte kämpfen. So weit ist es zwar noch lange nicht, doch zumindest im gestrigen Duell, das in der Mechatronik-Arena im Fautenhau laut offiziellen Angaben von 2100 Zuschauern verfolgt wurde, war über weite Strecken kein Klassenunterschied zu erkennen.

Kurz vor dem Anpfiff hatten sich beide Trainer noch zum lockeren Plausch an der Seitenlinie getroffen. Als das Spiel begann, waren zunächst die Schützlinge von Huub Stevens präsenter. Nach acht Minuten erzielte Kevin Volland das vermeintliche 1:0, doch der Nationalspieler stand im Abseits. Für die Jungs von Rüdiger Rehm war das der Weckruf, nun kam auch Aspach langsam ins Rollen. In der 17. Minute feuerte Michele Rizzi einen Warnschuss ab, zielte aber noch viel zu hoch. Tobias Strobl (23.) und Tarik Elyounoussi (30.) hätten die favorisierten Gäste in Führung bringen können, doch dazu hätten sie die Kugel richtig treffen müssen. Taten sie nicht und verzogen einmal mehr, einmal weniger deutlich. Zu harmlos, um SG-Torwart Christopher Gäng in die Bredouille zu bringen, war in der 32. Minute auch Vollands Schuss.

Standen sich ab und an selbst im Weg: Hoffenheims Angreifer Kevin Kurányi und Joelinton, die hier von David Kienast bedrängt werden. Tobias Schröck beobachtet die Szene.Fotos: A. Becher

Nun wurde mal der Außenseiter gefährlich. Nach der Linksflanke von Max Dittgen klärte Hoffenheims Innenverteidiger Niklas Süle im letzten Moment vor dem einschussbereiten Shqiprim Binakaj (34.). 120 Sekunden später durfte Michele Rizzi seine Qualitäten als Freistoßspezialist unter Beweis stellen. Aus 22 Metern und aus halblinker Position zirkelte der 27-Jährige die Kugel über die Mauer. Keeper Oliver Baumann wäre machtlos gewesen, fand im linken Außenpfosten allerdings einen Verbündeten. Somit ging es mit dem 0:0 in die Pause, für Hoffenheims Angreifer Volland vor den Augen von Ex-Trainer Ralf Rangnick zu wenig, denn „wir müssen unsere Chancen in der ersten Halbzeit nutzen“. Aber er kam nicht umhin, einzuräumen: „Wir können auch zwei Stück kriegen.“

Von den 22 Mann, die in den ersten 45 Minuten mitmischten, kehrte alleine SG-Torhüter Gäng auf den Rasen zurück. 21 Wechsel, typisch Testspiel. Und irgendwie war die Luft fürs Erste auch raus, die Begegnung entwickelte sich zum Langweiler. Eine halbe Stunde passierte nichts Nennenswertes, dann nahm die Partie plötzlich noch einmal Fahrt auf. Nach einem schönen Pass in die Tiefe kam Gäste-Spieler Mark Uth vor Bojan Spasojevic, der Gäng mittlerweile abgelöst hatte, an den Ball. Er umkurvte den Keeper, drosch das Leder aus etwas spitzem Winkel aber über das leere Tor. Eine Empfehlung für einen Stammplatz sieht anders aus. Aspachs Tobias Schröck hatte bislang einen, dass er in der 78. Minute drüber schoss und lediglich 60 Sekunden später mit einem Freistoß à la Rizzi an Torwart Alexander Stolz scheiterte, mindert seinen Stellenwert mit Sicherheit nicht. Zumal er vier Minuten vor Schluss mit einem starken Pass, der die weit aufgerückte Abwehr aushebelte, das 1:0 für Großaspach vorbereitete. Tobias Rühle kam vor Kai Herdling an die Kugel und marschierte aufs Tor zu, nur noch begleitet von Teamkollege Ngankam. Uneigennützig legte Rühle quer, sein Sturmpartner in Halbzeit zwei vollstreckte. Stolz war dran, mehr allerdings nicht mehr.

Alles sprach für eine faustdicke Überraschung durch den Drittligisten, doch mit der letzten Aktion wurde eine kleine daraus. Uth scheiterte noch, doch Schwegler stand parat und drosch den Ball ins Netz. Für Hoffenheim geht’s heute ins einwöchige Trainingslager nach Rustenburg (Südafrika), während Großaspach ab 17.30 Uhr (live in Sport 1) am Hallenturnier in Neu-Ulm teilnimmt. Um 18.12 Uhr wartet die Spvgg Greuther Fürth auf die SG, um 19.06 Uhr geht es mit dem 1. FC Kaiserslautern gegen einen weiteren Zweitligisten. Die Halbfinalspiele sind ab 20.38 Uhr geplant, das Finale ist für 22.15 Uhr angesetzt. Für Drittligisten Großaspach sollen Mirko und Robin Schuster, Michele Rizzi, Spyros Fourlanos, der A-Jugendliche Christian Knecht, Shqiprim Binakaj, Pascal Breier, Tobias Rühle, Max Dittgen und Bashkim Renneke das Trikot überstreifen.

Begleiteten die Kicker am Dreikönigsfeiertag aufs Spielfeld: Die Sternsinger der katholischen Kirchengemeinde Aspach/Oppenweiler.

Stimmen zum Spiel

SG-Trainer Rüdiger Rehm: „Es war ein Klassetest gegen einen sehr guten Gegner. In der ersten Halbzeit waren wir richtig gefordert, aber bis zu unserem Tor ist Hoffenheim selten durchgekommen. Vorne hat uns etwas die Durchschlagskraft gefehlt. Wir stehen schon ganz gut im Saft und können uns auch gegen Bundesligisten wehren.“

 

1899-Coach Huub Stevens: „Das Ergebnis ist nicht zweit-, sondern drittrangig. Wichtig war, dass außer den Verletzten alle 45 Minuten gespielt haben. In der ersten Halbzeit haben wir bis zum Strafraum gut gespielt und hätten führen müssen. Wir wollen im Trainingslager die Frische und Explosivität finden und im taktischen Bereich arbeiten.“

Spieler, Tore, Fakten

SG Sonnenhof Großaspach: Gäng (60. Spasojevic) – Schiek (46. Lorch), Leist (46. Mirko Schuster), Gehring (46. Robin Schuster), Vecchione (46. Kienast) – Renneke (46. Röttger), Rizzi (46. Schröck), Hägele (46. Fourlanos), Dittgen (46. Knecht) – Breier (46. Ngankam), Binakaj (46. Rühle).
1899 Hoffenheim: Baumann (46. Stolz) – Kaderábek (46. Rapp), Schär (46. Bicakcic), Süle (46. Herdling), Kim (46. Toljan) – Schmid (46. Uth), Rudy (46. Schwegler), Strobl (46. Polanski), Elyounoussi (46. Ochs) – Volland (46. Joelinton), Vargas (46. Kuranyi). – Tore: 1:0 (86.) Ngankam, 1:1 (90.+1) Schwegler.
Gelbe Karten: Schiek, Mirko Schuster / -.
Schiedsrichter: Petersen (Stuttgart).
Zuschauer: 2100.


Vorschau

Aspach fordert Stevens-Team heraus

Fußball-Drittligist trainiert seit gestern wieder und erwartet morgen um 16 Uhr den Erstligisten aus Hoffenheim zum Testspiel

Gestern das erste Training nach der Winterpause, morgen um 16 Uhr in der heimischen Mechatronik-Arena bereits ein Testspiel gegen Erstliga-Schlusslicht 1899 Hoffenheim – die Drittliga-Kicker der SG Sonnenhof Großaspach legen einen Blitzstart ins neue Jahr hin.

Schwor die Mannschaft beim Trainingsauftakt auf den weiteren Saisonverlauf ein: Großaspachs Cheftrainer Rüdiger Rehm.Foto: A. Becher

Von Steffen Grün - Erstaunlich, wie schnell es zu Entzugserscheinungen kommen kann, wenn einem das runde Leder vorenthalten wird. Nur zwei Wochen liegt Aspachs 0:2-Niederlage in Aue zum Ausklang des alten Jahres zurück, trotzdem konnte Michele Rizzi den gestrigen Trainingsstart kaum erwarten. „Ich freue mich darauf, endlich wieder gegen den Ball zu treten“, sagte der Mittelfeldstratege, bevor Rüdiger Rehm die Kicker tatsächlich auf den Platz bat.

24 Mann waren bei der Einheit dabei, auch die länger verletzten Josip Landeka und Nico Jüllich kehrten ins Mannschaftstraining zurück. Somit sind es nur noch Pascal Sohm (Syndesmoseanriss) und Robin Binder (Kreuzbandriss), die weiterhin auf individuelle Weise für ihr Comeback schuften und Geduld brauchen. Der Konkurrenzkampf beim Überraschungszweiten der Dritten Liga dürfte also noch stärker toben, als es im ersten Saisonabschnitt bereits der Fall war. Schon morgen gegen 1899 Hoffenheim werden alle eingesetzten Spieler versuchen, dem Trainer zu zeigen, dass es ohne sie nicht geht. Trotzdem gilt: Das Duell mit dem Team von Coach Huub Stevens ist nicht überzubewerten. „Natürlich wissen wir um den frühen Zeitpunkt des Spiels“, sagt Rehm, „dennoch wollten wir die Partie unbedingt, da es immer eine tolle Sache ist, sich mit einem Bundesligisten zu messen. Vor allem, wenn er wie Hoffenheim aus unserer Region kommt.“

Mit zwei Siegen, sieben Unentschieden und acht Niederlagen ist 1899 derzeit im Besitz der roten Laterne. Eine sportliche Talfahrt, die Ende Oktober den Ex-Aspacher Markus Gisdol den Job auf der Trainerbank kostete. Stattdessen soll nun Stevens versuchen, das zu schaffen, was ihm mit dem VfB Stuttgart zuletzt zweimal gelungen ist, nämlich ein Kellerkind als Feuerwehrmann vor dem Abstieg zu retten. Angehen kann der Niederländer die Aufgabe mit aktuellen und ehemaligen Nationalspielern, denn neben Kevin Volland und Sebastian Rudy, die bei Joachim Löw weiterhin hoch im Kurs stehen, zählt seit Juli 2015 auch Kevin Kurányi zum Kader.

Am Donnerstag (ab 17.30 Uhr, live in Sport1) startet die SG beim Hallenturnier in Neu-Ulm, in der Vorrunde warten mit Fürth und Kaiserslautern zwei Zweitligisten. Kurz nach halb neun folgen die Halbfinalspiele, das Finale ist für 22.15 Uhr geplant. Beim Erstligisten FC Ingolstadt tritt Aspach am Sonntag, 10. Januar, um 16 Uhr an, danach geht es gleich ins Trainingslager nach Berchtesgaden. Trainiert wird beim FC Liefering in Salzburg, gegen den österreichischen Zweitligisten um Aspachs früheren Erfolgscoach Thomas Letsch kickt die SG am Freitag, 15. Januar, auch. Die Generalprobe für den Rückrundenstart beim VfB Stuttgart II am 24. Januar steigt am Mittwoch, 20. Januar, um 19 Uhr zu Hause gegen den SSV Ulm.

Quelle: Backnanger Kreiszeitung am 5. und 7. Januar 2016