Das ist keine Klopfertruppe, die wollen schönen attraktiven Fußball spielen und ich find, die haben das gut gemacht.

Bayern-Legende Thomas Müller über die SG-Elf

13. Juli 2013
SG Sonnenhof Großaspach - FC Bayern München   0:6 (0:4)

Regionalliga Südwest trifft auf den "Triple-Sieger"

Starke Bayern, wackerer Regionalligist

10.001 Zuschauer feiern im Fautenhau ein Fußballfest und sehen einen 6:0-Sieg des Triple-Siegers gegen die SG Sonnenhof

Kaiserwetter, obwohl der Kaiser seine Bayern nicht in den Fautenhau begleitet hatte. 10000 begeisterte Zuschauer. Ein Spiel, mit dem beide Teams zufrieden waren. Beim Test zwischen dem Rekordmeister aus München und dem Regionalligisten aus Großaspach, den die Topstars mit 6:0 gewannen, stimmte alles.

Bildete auf der linken Seite ein kongeniales Duo mit Ribéry: Xherdan Shaqiri. Moritz Kuhn hetzt hinterher.Von Steffen Grün - Die Stippvisite des Triple-Siegers um den neuen Startrainer Pep Guardiola versetzte Aspach in den Ausnahmezustand. 10000 Fans pilgerten in die Comtech-Arena, um Kapitän Philipp Lahm und dessen Kollegen einmal aus der Nähe zu sehen, um Fotos zu knipsen und um vielleicht auch das eine oder andere Autogramm zu ergattern. Ein aufregender Abend im Zeitraffer.

  • 17.25 Uhr: Langsam füllt sich der Fautenhau. Fans, die sich Plätze gesichert haben, die freie Sicht auf den bald vorfahrenden Bayern-Bus garantieren, sind wie festgewachsen. Sie wollen unbedingt einen Blick auf die Idole erhaschen. Was sie nicht ahnen: Um ein Haar hätten sich die Stars mit dem Sonnenhof-Zügle zum Spiel kutschieren lassen müssen. Die Luxuskarosse hatte tags zuvor gestreikt, war aber gerade noch rechtzeitig wieder flott gemacht worden.
  • 18.13 Uhr: Das lange Warten hat ein Ende. Der Bus rollt herbei. Am Steuer: Fachpersonal – nicht Franck Ribéry, der sich einst im Trainingslager in Dubai hinters Lenkrad geklemmt hatte, eine Runde ums Hotel drehen wollte und mit den Mitspielern an Bord zwei Schilder ummähte. Teammanagerin Kathleen Krüger steigt als Erste aus. Der Boss folgt: Pep Guardiola. Ein schüchternes Winken zu den jubelnden Fans – dann ist der 42-Jährige in der Kabine verschwunden. Einige Minuten verstreichen, bis alle Stars den Bus verlassen haben. Besonders laut ist der Jubel bei Ribéry, aber auch die anderen kommen nicht zu kurz.
  • 18.26 Uhr: Rund sechs Minuten nach den Hausherren trabt mit Torwart Tom Starke der erste Münchner auf den Rasen. Sieben Minuten später tun es ihm seine Kollegen gleich, die Stimmung im Stadion ist zum ersten Mal am Siedepunkt. Uli Ferber, die treibende Kraft beim Bau der Arena, zeigt sich kurz vor dem Anpfiff „stolz, dass Uli Hoeneß sein Versprechen, das er mir vor viereinhalb Jahren gegeben hat, zu diesem Spiel anzutreten, gehalten hat“.
  • 18.42 Uhr: SG-Präsident Werner Benignus nennt die Bayern „das Topteam in Europa, das Topteam in der Welt“, lässt aber auch den Wermutstropfen nicht unerwähnt: Mario Gomez fehlt. Der Wechsel nach Florenz verhindert sein Heimspiel. Aber: Der Stürmer verspricht eine Autogrammstunde im von ihm mitfinanzierten Stadion. Bürgermeister Hans-Jörg Weinbrenner zeigt sich stolz, dass der FCB nach „einer historischen Saison“ in seiner Gemeinde gastiert. Stadionsprecher Tankred Volkmer animiert die Zuschauer zur La-Ola-Welle, die prompt durch das weite Rund schwappt.
  • 19.00 Uhr: Nachdem sie sich letzte taktische Anweisungen in der Kabine abgeholt haben, marschieren beide Teams pünktlich auf die Minute auf den Platz – allen voran das Schiedsrichtertrio, dahinter die Kapitäne Daniel Hägele und Ribéry. Was nicht geht: Beide Teams tragen Rot. Ein Fall für die „Hummel-Girls“, so Ulli Potofski, der mit Sky-Kollegin Esther Sedlaczek vor allem Werbeblöcke moderiert. Diese Mädels ziehen den Aspachern die roten Shirts aus, weiße kommen zum Vorschein. Dann wird es mucksmäuschenstill: Schweigeminute für die verstorbenen Inge und Karl Ferber.
  • 19.04 Uhr: Fifa-Schiedsrichter Marco Fritz aus dem nahen Korb pfeift die Begegnung an. Bis die Bayern ins Spiel finden, dauert es aber eine Weile. Den ersten Schuss feuert Aspach ab, doch Daniel Lang zielt viel zu hoch (4.). Nach zehn Minuten hat Xherdan Shaqiri auf der Gegenseite eine dicke Torchance, doch Keeper Christopher Gäng ist zur Stelle. 0:0 nach einer Viertelstunde – beim Favoriten fehlt der Pep, Guardiola rauft sich die kaum vorhandenen Haare.
  • 19.29 Uhr: Der Triple-Sieger hat das Tempo mächtig erhöht, das 1:0 (25.) ist die Folge. Arjen Robben auf Ribéry, der zu Shaqiri, ab ins Eck. Was sie tun sollen, wenn der erste Treffer kassiert ist, hatte SG-Trainer Rüdiger Rehm den Kickern eingetrichtert: „Den Kopf oben behalten.“ Sie tun, wie befohlen. 180 Sekunden später steuert Tobias Rühle frei aufs Tor zu. Er will für Lang auflegen, statt selbst zu schießen. Es geht schief, die Ausgleichschance ist weg.
  • 19.32 Uhr: Shaqiri schlägt nach einer Flanke von Rafinha zum zweiten Mal zu. Nun läuft’s rund bei den Jungs von der Säbener Straße, die vor der Pause noch zwei Treffer erzielen. Toni Kroos (39.) und Robben (45.) erhöhen auf 4:0. Trotzdem zieht SG-Präsident Benignus ein positives Zwischenfazit: „Mit etwas Glück hätten wir sogar ein Tor schießen können.“ Kann ja noch kommen.
  • 20.04 Uhr: Die zweite Halbzeit beginnt. Sie ist gerade vier Minuten alt, als es zu einem Privatduell kommt. Zuerst entschärft SG- Keeper Kevin Kunz einen Schuss von Nationalspieler Thomas Müller, dann wird Müller gefoult. Er missachtet die uralte Regel, läuft selbst zum Elfmeter an und findet in Kunz noch einmal seinen Meister. Es ist aus Großaspacher Sicht die denkwürdigste Szene, weil den Hausherren der Ehrentreffer verwehrt bleibt. Der eingewechselte Dennis Grab köpft in der 70. Minute nach der Flanke von Simon Skarlatidis drüber und muss kurz drauf wieder raus, weil ihm ein Kopfballduell mit Müller eine böse Risswunde über dem Auge beschert.
  • 20.35 Uhr: Der Freistoß von David Alaba aus gut 25 Metern rauscht zum 5:0 (77.) ins Netz. FCB-Talent Julian Green setzt mit einem satten Schuss aus 20 Metern (84.) den Schlusspunkt. Ansonsten plätschert die Partie gegen Ende etwas vor sich hin. Zeit für eine Zuschauerin, sich anderweitig umzusehen. „Der hat schon Sex-Appeal“, sagt sie und schaut auf Guardiola, der ihr gerade den Rücken zudreht.
  • 20.48 Uhr: Referee Fritz macht den Haken unter diese überaus faire Begegnung. Die Jagd der SG-Kicker auf die Trikots der Stars setzt ein. Robin Schuster erbeutet Claudio Pizarros Shirt, Michele Rizzi wird mit Müller handelseinig. Einige Andere gehen aber leer aus, weil die Bayern ihre Hemden lieber behalten wollen. Kaum im Schwabenland, und schon knauserig.
  • 21.00 Uhr: Der 23-malige Meister stellt einen weiteren Rekord auf. Zwölf Minuten nach dem Abpfiff fährt der Bus schon wieder ab. Viele Autogramme waren in dieser kurzen Zeit nicht drin, weshalb viele junge Fans etwas enttäuschten Mienen machen. Die Erinnerung an die unterhaltsame Partie und den insgesamt sympathischen Auftritt der Bayern tröstet sie allerdings.

Thomas Müller: „Das ist keine Klopfertruppe“

Regionalliga-Kicker der SG erarbeiten sich den Respekt der Bayern-Stars

(stg). Zufriedene Bayern, die bewiesen haben, dass sie immer besser ins Rollen kommen. Zufriedene Aspacher, die sich den Respekt des Rekordmeisters erarbeitet haben. Die Stimmen zum großen Fußballfest.

SG-Präsident Werner Benignus: „Ein fantastischer Abend, eine sensationelle Kulisse. So etwas haben wir in Aspach noch nicht erlebt. Ich habe zwar 1:5 getippt, aber 0:6 – damit können wir leben.“

FCB-Kapitän Philipp Lahm: „Ein paar Abläufe sind anders. Das ist ganz normal. Es ist ein neuer Trainer. Er hat teilweise neue Dinge, die er entwickeln und verbessern will. Normal, dass das etwas Zeit braucht.“

SG-Trainer Rüdiger Rehm: „Ich war noch nie mit einem 0:6 zufrieden. Gefallen haben mir die ersten 25 Minuten. Zwischen der 25. und 45. Minute haben wir zu viel falsch gemacht, das haben die Bayern eiskalt ausgenutzt. Es ist gegen die Bayern nicht oft der Fall, dass man als Regionalligist drei, vier Chancen bekommt. Wir haben sie gehabt, aber leider nicht genutzt.“

FCB-Sportvorstand Matthias Sammer: „Die SG Sonnenhof war gut organisiert, es war eine gute Handschrift des Trainers zu sehen.“

FCB-Spieler Thomas Müller: „Ich denke, bis zum Champions-League-Finale kommt kein stärkerer Gegner mehr (lacht). Wir wussten, dass Großaspach immer um den Aufstieg mitspielt – oder zumindest ich habe das gewusst. Das ist keine Klopfertruppe, die wollen schönen und attraktiven Fußball spielen. Ich kann die Regionalliga zwar schlecht einschätzen, aber die werden schon wieder vorne mit dabei sein.“

SG-Spieler Simon Skarlatidis: „Davon träumt jedes Kind, das mit dem Ball aufgewachsen ist. Ich habe immer den Willen, einen Sieg einzufahren, aber okay, gegen Bayern kann man mal verlieren.“

Bayern-Fan Gregor Bayon (12, Backnang): „Das Spiel war gut. Aspach hat sich besser geschlagen als mancher Bundesligist.“

SG-Geschäftsführer Thomas Deters: „Das war ein rundum gelungener Tag. Mit dem 0:6 haben wir uns auch recht gut geschlagen. Wir haben uns nicht nur hinten rein gestellt – vor allem in der ersten Halbzeit, als wir noch etwas frischer waren.“

SG-Spieler Michele Rizzi: „Die spielen ein extrem hohes Tempo, das macht den großen Unterschied zu uns aus. Die machen kaum Fehler, sind am Ball absolute Weltklasse. Das ist in der Regionalliga einfach anders. Und in zwei Wochen spielen wir gegen Baunatal, nicht gegen die Bayern.“

Stenogramm

SG Sonnenhof Großaspach: Gäng (46. Kunz) – Kuhn (46. Rizzi), Gehring (80. Wengert), Schuster, Kienast (59. Cimander) – Fiand (46. Renner), Hägele (59. Grab/76. Natsis), Berger (59. Gleißner), Binakaj (59. Skarlatidis) – Lang (80. Schröder), Rühle (80. Niang).
FC Bayern München: Starke – Rafinha (46. Lahm), van Buyten (46. Kirchhoff), Boateng (36. Can), Alaba – Kroos (46. Hojberg) – Robben (46. Müller), Weihrauch, Ribéry (46. Schöpf), Shaqiri (46. Green) – Mandzukic (46. Pizarro).
Tore: 0:1, 0:2 (25./30.) Shaqiri, 0:3 (39.) Kroos, 0:4 (45.) Robben, 0:5 (77.) Alaba, 0:6 (84.) Green.
Schiedsrichter: Fritz (Korb).
Zuschauer: 10.001.

Quelle: Backnanger Kreiszeitung am 15. Juli 2013

Fotos eines denkwürdigen Tages

Fotos: Alexander Becher und privat

BKZ-Stimmen zum Spiel

BKZ-Fotofilm

Spielbericht auf Youtube.com