9. Juli 2009
SG Sonnenhof Großaspach - TSG 1899 Hoffenheim   1:0 (1:0)

Mazzola trifft: SG besiegt Rangnick-Team

Ein Fußballfest mit einem verdienten Erfolg für den Außenseiter. Für die SG Sonnenhof Großaspach hätten die Puma-Tage im Fautenhau nicht besser beginnen können. Durch ein Tor von Nicolo Mazzola besiegte der Regionalliga-Aufsteiger gestern Abend den Erstligisten TSG 1899 Hoffenheim mit 1:0.

Von Heiko Schmidt - Ausgelassene Stimmung im Großaspacher Fautenhau. Dafür gab es auch einen guten Grund. Gefeiert wurde nämlich eine Sensation. Und für die hatte die SG Sonnenhof gesorgt. Der Viertligist überzeugte im ersten Testspiel unter dem neuen Trainer Jürgen Hartmann auf der ganzen Linie. Der Lohn dafür war der 1:0-Erfolg gegen den Bundesliga-Siebten 1899 Hoffenheim. Das goldene Tor erzielte Nicolo Mazzola, der in der Saison 2008/2009 besonders im WFV-Pokal für die entscheidenden Treffer gesorgt hatte.

Auch gestern hatte der SG-Stürmer den richtigen Riecher. Er nahm in der 30. Minute einen Pass von Zugang Shaban Ismaili auf und lief frei auf Timo Hildebrand zu. Mit einem gefühlvollen Heber überwand Mazzola den Hoffenheimer Schlussmann. „Ich hatte die gleiche Situation einen Tag zuvor beim Training. Da habe ich die Chance versiebt“, sagte der Großaspacher. Gegen Hoffenheim nutzte Mazzola aber die Möglichkeit. Er machte sich mit diesem Treffer selbst ein vorzeitiges Geburtstagsgeschenk, denn der Offensivakteur wird am Sonntag 24.

Der Angreifer zeigte wie seine Mannschaftskollegen eine starke Partie. Zwar spielte der Bundesligist aus dem Kraichgau feldüberlegen, aber spätestens am SG-Strafraum war fast immer Schluss. Lediglich zwei Möglichkeiten verhinderte die sonst starke Defensive der Großaspacher nicht. Bei seinem Comeback schlug Hoffenheims Torjäger Vedad Ibisevic drei flinke Haken, schoss dann aber am SG-Kasten vorbei (12.). Zwei Minuten vor der Pause traf Marco Terrazzino aus Nahdistanz den Außenpfosten. Hingegen hätte es durchaus auch 2:0 für Aspach stehen können. In der 40. Minute senkte sich eine Flanke von SG-Außenverteidiger Anton Pelipetz über Hildebrand hinweg, landete aber hinterm Tor. Die 3200 Zuschauer rieben sich in der Halbzeit verwundert die Augen, denn sie hatten eine so starke Aspacher Elf und ein so schwaches Hoffenheimer Team nicht erwartet.

Nach der Pause ging das Fußballfest weiter. Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick schickte eine komplett neue Elf auf den Rasen. Bei den Gastgebern war nur noch Torhüter Kevin Kraus von der Startformation übrig geblieben. Bei solchen Wechselspielen geht sonst der Spielfluss verloren. Aber nicht gestern Abend. Hoffenheim war weiter feldüberlegen, allerdings ohne große Durchschlagskraft. Großaspach kämpfte jedoch bärenstark. Wie schon in der ersten Halbzeit kreuzte der Favorit nur zweimal gefährlich vor dem Sonnenhof-Gehäuse auf. Nationalspieler Tobias Weis traf aus spitzem Winkel das Außennetz (54.). Carlos Eduardo verfehlte mit einem Flachschuss das angepeilte Ziel (70.). Auf der Gegenseite strich ein Schuss von Shiprim Binakaj knapp am Pfosten vorbei (76.). Dies war aber nicht weiter tragisch, denn nach dem Abpfiff stand der große Coup der SG fest.

Von drei Hauptgründen für die Niederlage redete TSG-Trainer Ralf Rangnick. Er sprach von einem „gut und aggressiv verteidigenden und taktisch überzeugenden Gegner“. Er erwähnte „extreme Müdigkeit bei uns“ und merkte an, dass der Platz für das Kombinationsspiel seines Teams nicht förderlich war. Hingegen freute sich Werner Benignus über den 1:0-Erfolg seiner SG – auch wenn das nicht ganz sein Wunschergebnis war. Der Vorstandsvorsitzende der Abteilung Fußball hatte vor Spielbeginn auf ein 4:4, 5:5 oder ein 5:4 für Großaspach getippt. Trotzdem strahlte er nach dem Abpfiff mit den Zuschauern, denn es war ein gelungenes Fußballfest.

Stimmen zum Spiel

Wieder mit Vedad Ibisevic und weiter mit Demba Ba

Von Steffen Grün - Trotz der 0:1-Niederlage mit Hoffenheim in Großaspach wird Vedad Ibisevic das gestrige Testspiel im Fautenhau immer in guter Erinnerung behalten. Es steht für sein Comeback nach dem Kreuzbandriss, den sich der 24-Jährige am 14. Januar diesen Jahres zugezogen hatte. Er gehörte zu den elf Fußballern, die Trainer Ralf Rangnick in der ersten Hälfte einsetzte. „Ich freue mich riesig über mein Comeback“, sagte Ibisevic nach der Begegnung: „Es macht sehr viel Spaß, wieder mit den Jungs zu trainieren und zu spielen.“ Für seinen Coach ist die Rückkehr natürlich ebenfalls ein Glücksfall. „Er hat in zwei, drei Situationen schon aufblitzen lassen, was er drauf hat“, stellte Rangnick fest.

Das durfte Fabian Aupperle aus nächster Nähe beobachten. Aspachs Innenverteidiger zollte Ibisevic großen Respekt für dessen Leistung im ersten Spiel nach dieser langen Pause. Ein Lob aus berufenem Munde, denn der SG-Kicker hatte dieselbe Verletzung auch schon. „Ich weiß ja selbst, wie es nach einem Kreuzbandriss ist“, sagte der 23-Jährige. Aupperle weiß aber auch: „Er kann noch nicht so weit sein, wie er vorher war.“ Ibisevic widerspricht nicht, sondern kündigt an: „Ich werde weiterhin hart arbeiten, um die alte Form zu erreichen.“ Die Form aus der Hinrunde der Vorsaison, als der Bosnier mit 18 Treffern einen großen Anteil am Gewinn der Herbstmeisterschaft hatte.

Wie auch sein Stürmerkollege Demba Ba. Um ihn und den möglichen Wechsel zum Erstliga-Rivalen VfB Stuttgart hatte es zuletzt wochenlange Diskussionen gegeben. Sie gehören der Vergangenheit an. „Demba bleibt in Hoffenheim – ganz sicher“, verkündete Manager Jan Schindelmeiser nach dem Abpfiff in Großaspach. Von „viel Lärm um nichts“ sprach Rangnick im Zusammenhang mit dem jetzt zu den Akten gelegten Thema Ba-Abschied.

Die Ruhe selbst war nach dem Spiel der neue Trainer der siegreichen Hausherren. „Das ist gut für die Moral und ein weiterer Motivationsschub“, konstatierte Jürgen Hartmann lediglich und verwies sonst darauf, dass es eben nur ein Test gewesen sei. Angst, die Kicker könnten den Erfolg überbewerten, braucht der 46-Jährige aber kaum zu haben. Das bewies unter anderem die Aussage des Torschützen. „Es war nicht mehr als ein Testspiel“, verkündete Nicolo Mazzola. Teamkollege Aupperle blies ins selbe Horn. Die Leistung sei für das erste Vorbereitungsspiel „ganz gut“ gewesen, stellte der Abwehrspieler fest. Man hätte ihm beinahe etwas mehr Übermut gewünscht. Seinem Trainer wird das Understatement aber gut gefallen. Denn für Hartmann ist klar, dass die Bäume für den Regionalliga-Neuling nicht in den Himmel wachsen. „Für uns geht es nur darum, die Klasse zu halten“, kündigt der Ex-Profi an.

Stenogramm

SG Sonnenhof Großaspach: Kraus – Pelipetz (46. Wengert), Grab (46. Nierichlo), Aupperle (46. Binakaj), Franz (46. Cimander) – Ismaili (46. Schmiedel), Marschlich (46. Adamos), Rehm (46. Biyik), Deiß (46. Bonsignore) – Mazzola (46. Ruiz-Maile), Krasniqi (46. Röcker).
TSG 1899 Hoffenheim: Hildebrand (46. Haas) – Conrad (46. Ibertsberger), Simunic (46. Nilsson), Compper (46. Alex), Eichner (46. Schlottner) – Groß (46. Weis), Gustavo (46. Kamavuaka), Salihovic (46. Eduardo) – Obasi (46. Vukcevic), Ibisevic (46. Wellington), Terrazzino (46. Maicosuel).
Tor: 1:0 (30.) Mazzola.
Schiedsrichter: Steinberg (Korntal-Münchingen).
Zuschauer: 3200.

Quelle: Backnanger Kreiszeitung am 10. Juli 2009