11. Juli 2009
SG Sonnenhof Großaspach - VfB Stuttgart   0:0

Der VfB Stuttgart lässt viele Wünsche offen

Die erste Enttäuschung bereitete der VfB Stuttgart den Fans im Fautenhau schon vor dem Spiel. Die Nationalspieler des Bundesligisten waren zu Hause geblieben. Anschließend bot das entsandte Rumpfteam beim schmeichelhaften 0:0 gegen Regionalliga-Neuling SG Sonnenhof Großaspach nur Fußball-Magerkost.

Von Steffen Grün - Sami Khedira weilt nach dem EM-Titel mit der deutschen U21 noch im Urlaub, das war klar. Auch mit dem Fehlen von Jens Lehmann und Cacau war gerechnet worden (wir berichteten). Dabei blieb es beim Testspiel im Rahmen der Puma-Tage aber nicht. 5600 erwartungsfrohe Fans sahen auch keinen Serdar Tasci und keinen Khalid Boulahrouz. Keinen Arthur Boka. Keinen Christian Träsch. Keinen Ludovic Magnin und keinen Ricardo Osorio. Keinen Roberto Hilbert. Keinen Ciprian Marica und keinen Thomas Hitzlsperger.

„Vielleicht will der VfB seine Karten nicht aufdecken“, unkte Werner Benignus mit Blick auf das DFB-Pokal-Duell. Er sei schon etwas enttäuscht, fügte der Vorstandsvorsitzende der Fußballabteilung der SG Sonnenhof hinzu. Sein Sportlicher Leiter Joannis Koukoutrigas fand’s „schade für die vielen Fans, die hier sind“. Unverblümter äußerte sich Rüdiger Rehm. „Ich fand den Auftritt lächerlich. Das war respektlos und unfair gegenüber 5600 Zuschauern“, schimpfte Aspachs Co-Trainer.

Diesen Vorwurf wollte VfB-Teamchef Markus Babbel nicht kommentieren. Die Nationalspieler am Nachmittag trainieren statt am Abend spielen zu lassen, begründete der VfB-Teamchef mit deren „Nachholbedarf“. Er habe statt in der Halbzeit einmal durchzuwechseln lieber den Spielern, die schon ein wenig weiter sind, einen längeren Einsatz abverlangen wollen.

Heraus kam eine schwache Vorstellung des Dritten der vergangenen Erstligasaison. Das Team um Kapitän Matthieu Delpierre, der in den ersten 45 Minuten mitmischte, kam nur zu einer echten Chance. Jan Simak flankte nach sechs Minuten von der linken Seite auf den langen Pfosten, doch Timo Gebhart köpfte freistehend vorbei. Kein Problem für SG-Keeper Christopher Knett war der Fernschuss von Martin Lanig (65.). Das war’s. Die besseren Torchancen hatte Aspach. Nach einem langen Ball von Shaban Ismaili tauchte Dennis Ruiz-Maile frei vor VfB-Keeper Sven Ulreich auf, vertändelte die Kugel in der achten Minute aber. Nicolo Mazzola wurde erst im letzten Moment von Stefano Celozzi gestört (29.). Kurz nach Wiederbeginn schoss Abedin Krasniqi aus halbrechter Position am langen Pfosten vorbei. Die dickste Möglichkeit hatten die Hausherren in der 75. Minute. Shiprim Binakaj wurde von Torwart Ulreich von den Beinen geholt. Der Referee zeigte auf den Elfmeterpunkt. Doch Krasniqi drosch das Leder in die Wolken. So blieb es beim 0:0.

Für Babbel kein Beinbruch. „Wir waren sehr müde, weil wir intensiv trainiert haben“, warb der Teamchef um Verständnis für den schlappen Kick. Sein Team habe es zudem mit einem sehr gut organisierten Team zu tun gehabt, lobte der Ex-Nationalspieler und Europameister von 1996 die SG. Sein Innenverteidiger Georg Niedermeier hat die Partie trotz ihres zähen Verlaufs „eher genossen, als verflucht“. Spiele seien immer eine willkommene Abwechslung. Für Aspachs Abwehrspieler Fabian Aupperle war das Duell mit dem VfB „ein Höhepunkt der Vorbereitung“. Trainer Jürgen Hartmann war „sehr zufrieden. Das 0:0 ist ein großer Erfolg. Wir haben viel Selbstvertrauen getankt“. Vielleicht hilft es für das DFB-Pokal-Spiel.

Der Blick richtet sich auf den DFB-Pokal

(stg). Nein, beteuerte Markus Babbel nach dem Schlusspfiff im Fautenhau: Mit dem schon am 1. August anstehenden DFB-Pokal-Spiel gegen die SG Sonnenhof Großaspach habe die Entscheidung, zum Testspiel nur ein Rumpfteam zu entsenden, überhaupt nichts zu tun gehabt. „Es kann ohnehin nur einen Verlierer geben“, sagt der VfB-Teamchef mit Blick auf das Duell im Frankenstadion in Heilbronn in knapp drei Wochen. Siegt der Erstligist, ist das nur eine Pflichtübung. Verliert der klare Favorit, wäre das eine bitterböse Blamage.

Dass Babbel die weitaus wichtigere Begegnung zwischen den beiden Klubs bei seinem Entschluss wirklich nicht einmal im Hinterkopf hatte, kann Joannis Koukoutrigas nicht glauben. „Das DFB-Pokal-Spiel hat eine Rolle gespielt“, ist der Sportliche Leiter des Viertliga-Neulings aus Großaspach überzeugt. Einig sind sich alle Beteiligten lediglich darin, dass aus dem Testspiel auf gar keinen Fall größere Rückschlüsse auf das Erstrunden-Duell gezogen werden können. „Das wird ein ganz anderes Spiel“, sagt beispielsweise VfB-Innenverteidiger Georg Niedermeier. „Wir werden frischer sein“, kündigt Babbel an. Schließlich sind es dann nur noch sechs Tage bis zum Start in der Fußball-Bundesliga bei Meister VfL Wolfsburg. Trotzdem wird der krasse Außenseiter aus Großaspach alles probieren, um dem VfB auch dann das Leben schwer zu machen.

Stenogramm

SG Sonnenhof Großaspach: Knett - Pelipetz (46. Wengert), Grab (46. Nierichlo), Röcker (46. Aupperle), Cimander (46. Franz) - Ismaili (46. Bonsignore), Biyik (46. Adamos), Rehm (46. Marschlich), Schmiedel (46. Deiß) - Mazzola (46. Binakaj), Ruiz-Maile (46. Krasniqi).
VfB Stuttgart: Ulreich - Funk, Niedermeier, Delpierre (46. Schwarz), Celozzi - Gebhart (63. Didavi), Lanig, Elson, Simak (63. Rudy) - Riedle (46. Bastürk), Schieber.
Schiedsrichter: Blos (Esslingen).
Zuschauer: 5600.

Quelle: Backnanger Kreiszeitung am 13. Juli 2009