11. Juli 2008
SG Sonnenhof Großaspach - VfB Stuttgart   1:3 (1:1)

Großaspach schlägt sich gegen den VfB wacker

Es war die erwartete Fußballparty im Fautenhau. 4700 Fans sahen, wie der VfB Stuttgart die SG Großaspach gestern Abend mit 3:1 bezwang. Ihnen fiel aber auch auf, wie sich der müde Erst- zum Sieg beim Fünftligisten schleppte. Für den Trainer der Profis kein Grund zur Panik: „Ich habe solche Testspiele noch nie überbewertet“, erklärte Armin Veh.

VON STEFFEN GRÜN - Der VfB-Coach wirkte nach der Partie auf dem Weg in die Kabine tatsächlich völlig entspannt. Es ist seine langjährige Erfahrung, die den 47-Jährigen absolut sicher sein lässt: Die Ergebnisse von Testspielen sind ein Muster ohne Wert. In erster Linie erfüllen diese Begegnungen den Zweck, den Co-Trainer Markus Babbel im Interview mit Moderator Jens Zimmermann ansprach: „So ein Spiel ist eine willkommene Abwechslung.“ Ein Ausbruch aus dem Trainingsalltag, der vor allem in den ersten Wochen nach der Sommerpause recht eintönig sein kann. Das Hauptaugenmerk gilt in dieser Phase der Grundlagenausdauer. Beim VfB am gestrigen Tag mit der Folge, die Babbel einräumte: „Die Mannschaft hat müde gewirkt.“ Vor allem in der ersten Halbzeit.

Vor der Pause sah alles, was die Truppe um Kapitän Matthieu Delpierre probierte, schwerfällig und ideenlos aus. Nicht einmal völlig überraschend fiel daher schon nach acht Minuten das 1:0 für den Außenseiter. SG-Zugang Rüdiger Rehm spielte den Ball in die Gasse zu Shiprim Binakaj, der den herauseilenden Keeper Sven Ulreich mit einer Körpertäuschung ins Leere laufen ließ und die Kugel mühelos über die Linie schob. In den Minuten nach dem Gegentor änderte sich an Stuttgarts Spiel wenig. Die Bemühungen der Profis sahen auch aus der an einem riesigen Kran hängend bis zu 100 Meter über dem Gelände schwebenden Arlberg-Gondel nicht vielversprechender als aus nächster Nähe aus.

Immerhin ließ VfB-Neuverpflichtung Jan Simak sein fraglos vorhandenes fußballerisches Können in der 24. Minute ein erstes Mal aufblitzen. Er spielte einen feinen Pass auf Cacau, der mit dem linken Fuß aus zehn Metern ansatzlos abzog und zum 1:1 ins kurze Eck traf. Danach hatte der fünfmalige deutsche Meister bis zur Pause aber keine hundertprozentige Torchance mehr. Babbel bekundete seinen Respekt: „Vor allem in der ersten Halbzeit hat uns Großaspach das Leben sehr schwer gemacht.“

Der Oberligist enttäuschte auch mit einer nach dem Wechsel komplett ausgetauschten Mannschaft nicht. Der Unterschied zur ersten Halbzeit: Der VfB steigerte sich in nennenswertem Umfang, ohne einen begeisternden Angriffswirbel zu entfachen. Eingewechselte Kicker wie der talentierte Sebastian Rudy, der aus Fürth verpflichtete Martin Lanig und die unerwünschte Person a.D. Danijel Ljuboja sorgten für frischen Schwung. In der 48. Minute führte Simak eine Ecke kurz aus und Lanig beförderte die Flanke von Roberto Hilbert mit einem schulmäßigen Kopfball zum 2:1 ins Netz.

Rudy krönte seine engagierte Leistung mit dem Treffer zum 3:1 in der 69. Minute. Von Ljuboja freigespielt, überlistete der 18-Jährige den neuen SG-Ersatzkeeper Kevin Kraus mit einem listigen Heber von der Strafraumgrenze. Bei diesem Ergebnis blieb es und Aspachs Innenverteidiger Dennis Grab war zufrieden: „Wir haben umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Wir haben vor allem vor der Pause wenig Chancen zugelassen.“ Trainer Thomas Letsch, der mit seinem Team am Sonntag um 11 Uhr bei Verbandsligist FSV 08 Bissingen antritt, pflichtete bei: „Unsere sehr junge Mannschaft hat sich sehr gut präsentiert. Es war insgesamt eine tolle Sache. Man hat selten die Chance, gegen einen solchen Gegner zu spielen.“ Sein Ausblick auf die neue Saison: „Wir wollen einen Schritt nach vorne machen und einen einstelligen Tabellenplatz belegen.“ Damit wäre der VfB wohl nicht zufrieden. Bei Rang neun wäre der entspannte Eindruck passé, den Armin Veh gestern zurecht machte.

Stenogramm

SG Sonnenhof Großaspach: Jurkovic (46. Kraus) - Wengert (46. Pelipetz), Grab (46. Seiler), Adamos (46. Aupperle), Cimander (46. Herröder) - Di Biccari (46. Blaskic), Rehm (46. Nierichlo), Marschlich (46. Montero), Deiß (46. Bonsignore) - Mazzola (33. Zivaljevic/59. Sene), Binakaj (46. Krasniqi).
VfB Stuttgart: Ulreich (46. Stolz) - Hilbert, Tasci, Delpierre (63. Schuster), Boka (59. Träsch) - Morys (46. Ljuboja), Pardo (46. Lanig), Simak, Khedira (59. Mandjeck), Bastürk (59. Rudy) - Cacau (63. Fischer).
Tore: 1:0 (8.) Binakaj, 1:1 (24.) Cacau, 1:2 (48.) Lanig, 1:3 (69.) Rudy.
Schiedsrichter: Walz aus Pfedelbach.
Zuschauer: 4700.

Quelle: Backnanger Kreiszeitung am 12. Juli 2008