22. Juli 2007
SG Sonnenhof Großaspach - TSG 1899 Hoffenheim   0:6 (0:5)

Nicht nur eine Nummer zu groß

"Es geht schon wieder gut los." Uli Ferbers Galgenhumor angesichts von sieben verletzten Kickern passte zur Leistung des Oberligisten gegen Zweitligist TSG 1899 Hoffenheim. 0:6 verlor das personell geschwächte Aspach das Saisoneröffnungsspiel im Fautenhau. Vor allem vor der Pause war die Elf von Ralf Rangnick nicht nur eine Nummer zu groß.

VON UWE FLEGEL - Die Gäste aus dem Kraichgau hielten sich gestern im Fautenhau nur einmal arg zurück. Das war kurz vor der Partie. Die SG Sonnenhof stellte ihren Fans jeden Aspacher Spieler einzeln vor. Die Zweitligaprofis schauten sich das Ganze in aller Ruhe mit an und warteten geduldig, bis Schiedsrichter Arno Blos mit fünf Minuten Verspätung anpfiff. Etwa fünf Minuten dauerte es auch, bis Hoffenheim ins Spiel fand. Dann deckten die Profis um ihren Backnanger Trainer Ralf Rangnick die Schwächen des Oberligisten im zentralen Mittelfeld schonungslos auf. Vor allem der Kameruner Issac Vorsah und Francisco Copado sorgten mit direktem und steilem Spiel in die Spitze dafür, dass die Abstimmungsprobleme der SG in der Defensive bestraft wurden. Zsolt Löw (11. Minute), Vedad Ibisevic (23. und 26.), Dragan Paljic (35.) sowie erneut Ibisevic sorgten für ein klares 5:0. Dabei standen sie jeweils alleine oder teilweise sogar zu dritt frei vor Sonnenhof-Torhüter Sven Burkhardt.

Zu Recht stellte Aspachs neuer Trainer Markus Gisdol nach dem Spiel fest, dass die Partie gegen einen starken Zweitligisten für seine Elf zu früh kam (siehe untenstehender Artikel: TSG spielt das...). Zumal der Zweitliga-Neuling vor der Pause eine starke Leistung zeigte. Aggressiv und schnell eroberte die TSG immer wieder den Ball, um ihn dann mit schnellem Direktspiel in die Spitze zu bringen. Einziger kleiner Kritikpunkt von Rangnick nach dem Spiel: "Wir hätten vor der Pause sogar noch mehr Tore schießen können."

Doch mit Ende der ersten Halbzeit war auch die Sturm- und Drangphase der Badener beendet. Die TSG ging mit einer komplett neuen Mannschaft in die zweiten 45 Minuten. Und plötzlich hatten auch die zwei Klassen tiefer beheimateten Aspacher gute Szenen. Im zentralen Mittelfeld stand die SG nun besser. Hoffenheim tat sich zusehends schwerer, zu Chancen zu kommen. Ganz stark war allerdings das 6:0, das Tomislav Maric mit der Hacke einleitete, Mario Göttlicher querlegte und Andreas Mayer freistehend erzielte.

Auf der anderen Seite vergaben die Aspacher gleich dreimal die Chance, wenigstens den Ehrentreffer zu erzielen. In der 55. Minute traf der eingewechselte Mohamed Abou Shoura nur die Latte. Nach einer Stunde scheiterte Hristos Saltidis freistehend an TSG-Keeper Thorsten Kirschbaum und sechs Minuten später war Abou Shoura aus halbrechter Position einfach einen Tick zu unentschlossen.

TSG spielt das, was die SG spielen will

(uwe) Zufriedene Trainer sehen anders als Markus Gisdol aus. Trotzdem suchte der neue Coach des Oberligisten das Positive: "Die erste Halbzeit war für uns eine sehr gute Lehrstunde.

"Denn während bei der SG in Sachen Spielsystem noch ein großer Unterschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft, zeigte Hoffenheim, warum dem Neuling viele Experten zutrauen, in der zweiten Liga eine gute Rolle zu spielen. Auch Ralf Rangnick war mit dem Auftritt seiner Elf vor der Pause zufrieden: "Da waren einige Dinge zu sehen, die wir in den vergangenen zwei Wochen einstudiert haben." Die Aggressivität in der Ball eroberung und das schnelle Spiel in die Spitze war für die Großaspacher nicht nur beispielhaft, sondern zumindest gestern ein noch unlösbares Problem.

Schwierigkeiten hat der Oberligist, bei dem Martin Cimander, Benny Dihl, Fabian Aupperle, Benjamin Gorka, Pietro de Lucia, Mario di Biccari und Gino Russo verletzt fehlten, im zentralen defensiven Mittelfeld. "Da haben wir noch nicht die Idealposition gefunden", bestätigt Gisdol, der eines aber nicht vergaß: "Wir haben gerade mal zwei Wochen Vorbereitung hinter uns". Es bleibt noch Zeit, die Abstimmungsprobleme zu beheben. Zumal Aspach gestern ja guten Anschauungsunterricht hatte. Was Hoffenheim gestern eine Halbzeit zeigte, kommt dem Ideal im modernen Fußball ziemlich nahe. Und: nach der Pause sah beim Sonnenhof ja vieles auch schon viel besser aus.

Stenogramm

SG Sonnenhof Großaspach: Burkhardt (46. Jurkovic) - Seiler (46. Blaskic), Grab, Fichter, Wengert - Beck (85. Weller), Greco (46. Abou Shoura), Adamos, Bonsignore (73. Tiryaki) - Saltidis, Spina (68. Rometsch).
TSG Hoffenheim: Daniel Haas (46. Kirschbaum) - Janker (46. Teber), Jaissle (46. Göttlicher), Nilsson (46. Rundio), Löw (46. Bindnagel) - Copado (46. Keller), Vorsah (46. Steffen Haas), Salihovic (46. Spilacek), Paljic (46. Mayer) - Mesic (46. Maric), Ibisevic (46. Hesse).
Tore: 0:1 (11.) Löw, 0:2 (23.), 0:3 (26.) Ibisevic, 0:4 (35.) Pajic, 0:5 (37.) Ibisevic, 0:6 (58.) Mayer.
Schiedsrichter: Blos (Köngen).
Zuschauer: 800.

Quelle: Backnanger Kreiszeitung am 23. Juli 2007