30. Juli 2004
SG Sonnenhof Großaspach - VfB Stuttgart   0:5 (0:5)

VfB verpasst nach der Pause die Chance auf ein Fußballfest

Es hätte ein Fußballfest werden können, der Auftritt des Bundesligisten VfB Stuttgart gestern Abend im Fautenhau. Doch aufgrund der lustlosen zweiten Halbzeit waren beim 5:0 über den Großaspacher Verbandsligisten nicht nur ein paar der 4 500 Fans unzufrieden. Auch VfB-Coach Matthias Sammer hatte es die Laune verdorben.

VON UWE FLEGEL - Sie hatten sich richtig bemüht, die Macher um Uli Ferber. Schließlich feierte die SG ihr zehnjähriges Bestehen. Viel Fußball, Verlosungen mit Schlagerstar Andrea Berg als Glücksfee, ein Sommer-Open-Air und ein Feuerwerk gab es. Die SG hatte schön angerichtet. Die Kicker des Verbandsligisten taten das ihrige dazu. Sie spielten engagiert, hatten gegen Ende der Partie durch Rainer Häußermann (84. Minute) und Selahattin Mentese (88.) sogar zwei gute Chancen, den Ehrentreffer zu erzielen. Zu Recht kassierten die Aspacher von ihrem Trainer Herbert Bentz ein Lob: "Ein 0:5 gegen einen Erstligisten ist keine Schande. Insgesamt kann ich zufrieden sein."

Wäre zur Halbzeit bereits Schluss gewesen, hätte VfB-Coach Sammer wohl ein ähnliches Statement abgeliefert. Nach schleppendem Beginn waren die Stuttgarter immer besser ins Spiel gekommen, hatten nach teilweise schönen Toren von Horst Heldt (22. Minute, Foulelfmeter), Cacau (27.), Mario Gomez (34.), Marco Caliguri (41.) und Hakan Yakin (43.) zur Pause mit 5:0 geführt. Nicht geglänzt, aber ganz passabel gespielt.

Doch dann kamen die zweiten 45 Minuten mit nur einer einzigen Möglichkeit, bei der der flinke Cacau in der 86. Minute am gut reagierenden Torwart Michél Höck scheiterte. Die schwache Leistung verschlug Sammer die Sprache und Co-Trainer Günther Schäfer sagte nur: "Über die zweite Halbzeit will ich nicht reden." Noch aussagekräftiger waren Sammers Maßnahmen. Die Kicker durften sich zwar kurz zum Essen ins Blockhaus begeben, aber dann gings sofort zurück auf den Wasen - zum Straftraining. Nicht genug damit. Auch der eigentlich trainingsfreie Samstag wurde gestrichen.

Der Coach selbst hatte einige Aspacher VfB-Fans allerdings auch etwas enttäuscht. Alexander Hleb, weißrussischer Nationalspieler mit Wohnsitz in Aspach, spielte keine Minute. Dabei war es für den dribbelstarken Mittelfeldmann doch quasi ein Heimspiel. "Er hat in Meppen gegen Bremen 90 Minuten gespielt und wir sind mitten in der Vorbereitung auf den Saisonstart nächste Woche gegen Mainz. Da wollen wir kein Risiko eingehen", warb Co-Trainer Schäfer um Verständnis für die Maßnahme. Müßig, darüber zu diskutieren, ob ein 10- oder 15-minütiger Einsatz geschadet hätte.

Den jugendlichen Fans jedenfalls wars egal. Kaum hatte Schiedsrichter Kampka abgepfiffen, begann der Sturm auf Autogramme. Im Gegensatz zu den lustlosen 45 Minuten zuvor, zeigten sich die Profis beim Schreiben und Posieren bis auf ein oder zwei Ausnahmen sehr gut in Form. Für die Zuschauer wars super, doch ihren Trainer stimmten die Bundesligakicker dadurch nicht mehr milde. Es hätte ein richtig tolles Fußballfest werden können. So war es für die SG nur eine nette Feier zum zehnjährigen Bestehen. Ein bisschen schade wars schon.

"Was man so hört"

Im Jahr 2005 steigt die SG Sonnenhof Großaspach in die Fußball-Oberliga auf. So hat es der Vorsitzende des Klubs nach dem Abpfiff des Freundschaftsspiels gegen den VfB Stuttgart prophezeit. Offenbar euphorisiert von der zweiten Hälfte, in der dem Bundesligisten kein einziger Treffer gelingen wollte, sagte Gunnar Stuhlmann sinngemäß: So, wie das Team heute gespielt hat, ist der Aufstieg in die vierte Liga zwingend. Dazu so viel: Ein Vereinschef hat das Recht, ehrgeizige Ziele zu formulieren. Sogar die Pflicht, um genau zu sein. Wichtig ist nur, dass an dieser Stelle ein bremsendes Element ins Geschehen eingreift. In diesem Fall übernahm diese Rolle der Trainer: Herbert Bentz lächelte milde, ob der Aussagen seines Chefs. Um dann darauf zu verweisen, dass das Team recht jung sei und nicht zu stark unter Druck gesetzt werden dürfe. Stuhlmann/Bentz so kann eine gelungene Aufgabenverteilung aussehen. Und wer den SG-Coach kennt, weiß: Im Prinzip geht Bentz mit den hohen Ansprüchen durchaus konform.

Als Fußball-Muffel entpuppte sich am Rande des VfB-Spiels der Aspacher Bürgermeister. Hans-Jörg Weinbrenner gestand: "Ich war noch nie im Neckarstadion." Pardon: "Im Gottlieb-Daimler-Stadion", korrigierte sich der Rathauschef. Dabei darf es nicht bleiben, dachte sich Stuhlmann und lud Weinbrenner spontan ein. Wollen die Profis dann auf Dauer einen neuen Fan finden wollen, sollten sie besser kicken als in Aspach. Sonst bleibt es wohl ein einmaliger Ausflug.

Stenogramm

SG Sonnenhof Großaspach: Bührer (46. Höck); Grab (46. Wagner), Rademann (46. Liebentritt), Gentner, Franz; Blaskic (46. Fichter), Schwarz (46. Grüttner), Reiß (46. Mentese), Spina (75. Häußermann); Di Biccari, Rometsch (46. Savun).
VfB Stuttgart: Heinen; Meissner, Zivkovic (75. Dangelmayer), Delpierre, Gerber; Caliguri (78. Stojanov), Vranjes, Yakin, Heldt; Cacau, Gomez (81. Centurion).
Schiedsrichter: Kampka aus Plüderhausen.
Zuschauer: 4 500.

Quelle: Backnanger Kreiszeitung am 31. Juli 2004