30. Juli 1999
SG Sonnenhof Großaspach - Bayer 04 Leverkusen   1:8 (0:3)

Vizemeister Leverkusen gibt sich beim 8:1 gegen Landesligist keine Blöße

Mit einem standesgemäßen 8:1-Sieg endete gestern Abend das Duell Bundesligist gegen Landesligist. Zu Hause führten die Fußballer des deutschen Vizemeisters Bayer 04 Leverkusen bei der SG Sonnenhof Großaspach vor 2.000 Zuschauern mit 3:0. Den Ehrentreffer erzielte Aspachs Defensivspieler Klaus Petz in der Nachspielzeit.

Bereits das zweite Mal in der Vorbereitung auf die neue Saison fühlten die Landesligakicker aus Aspach einem Profiklub auf den Zahn. Nach dem 0:8 gegen den VfB Stuttgart gab’s  in der Partie Vizemeister der ersten gegen Vizemeister der sechsten Liga ein 1:8. SG-Trainer Raimund Grüttner war mit der Vorstellung seines Teams nicht ganz zufrieden. „Es war unheimlich schwierig gegen die spielstarken Leverkusener in die Zweikämpfe zu kommen.“ Da lag der Coach nicht daneben, obwohl der Champions-League-Teilnehmer nicht gerade um jeden Grashalm kämpfte. Trainer Christoph Daum beurteilte die Anstrengung seiner Elf nach der Partie folgendermaßen: „Das ist so, wie wenn in der Formel 1 nur im zweiten oder dritten Gang gefahren wird.“

Für einen Teil der Leverkusener traf das zu, nicht aber für Kapitän Jens Nowotny. Der Nationalspieler war viel unterwegs, trieb seine Mitspieler ständig an. „Man muss auch in solchen Spielen immer wieder hundertprozentig in die Zweikämpfe gehen,“ machte der Libero klar, dass er Spiele gegen unterklassige  Mannschaften durchaus ernst nimmt. Dass dies durchaus nötig ist, wurde in der dritten Minute fast bewiesen. Marcel Lindner hatte im Zusammenspiel mit Rainer Häußermann die Leverkusener Markus Happe und Robert Kovic versetzt, doch Häußermann verzog freistehend. Für den bulligen Stürmer blieb die Chance übrigens nicht die einzige Möglichkeit. Noch dreimal kam er freistehend an den Ball. Zu einem Tor reichte es dem SG-Angreifer jedoch nicht.

Zur Pause führte die Daum-Elf durch Ulf Kirsten (6. Minute), Jens Nowotny (14.) und ein Eigentor von Markus Widmann (25.) mit 3:0. Eine Glanzleistung war dazu nicht notwendig. Routiniert und zeitweise sehr ballsicher spulten die Profis ihr Programm herunter. Aus der Masse heraus stach der Brasilianer Robson Ponte, der nicht nur mit einem Super-Freistoß aus 25 Metern zum 7:0 begeisterte. Überhaupt gingen die selbsternannten  Bayern-Jäger in der zweiten Halbzeit mit mehr Engagement zu Werke. Thomas Reichenberger (58. Minute), Thomas Brdaric (63.), der zudem noch drei Treffer vorbereitete, erneut Reichenberger (68.), Ponte (77.) und Zoran Mamic (1.) erzielten die Tore zur klaren 8:0-Führung der Leverkusener.

In der Nachspielzeit traf Aspachs Klaus Petz zum 1:8. Es war der erste Treffer der Aspacher im Vergleich mit einem deutschen Erst-Bundesligisten. Es war deshalb sicher auch ein motivierendes Tor. Denn Vergleiche mit Erstligisten sind für Zuschauer und Spieler ein Erlebnis, in der ohnehin harten Vorbereitungszeit teilweise aber auch wegen der Chancenlosigkeit frustrierend. Aspachs Trainer Grüttner weiß denn auch um den geringen sportlichen Wert: „Ich kann es nur als Trainingseinheit sehen.“ Und zumindest in dieser Hinsicht gibt es zwischen Profifußballern und Amateurkickern keinen Unterschied.

Im SG-Team scheint’s an der Kommunikation zu mangeln:
Zwei Keeper in Schlappen

Dass Profi-Fußballer ihre Anhänger, Schiedsrichter oder unterklassige Gegner in Freundschaftsspielen warten lassen, kommt öfter vor. Landesligist  SG Sonnenhof Großaspach schaffte es gestern jedoch, vor dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit, die Bundesliga-Kicker von Bayer 04 Leverkusen warten zu lassen. Grund: Die Aspacher standen ohne Torhüter auf dem Platz. Zunächst hatte Trainer Raimund Grüttner für allseits große Verwunderung gesorgt, als er sich selbst für den verletzten Tobias Hofer zwischen die Pfosten stellte, „weil ich mal wieder Lust hatte zu spielen“. Seinen zweiten Keeper Jan Dolderer, der derzeit seinen Wehrdienst ableistet, hatte der 39jährige Übungsleiter auf die Bank gesetzt. „Ohne Begründung“, wie Dolderer nach dem Spiel misslaunig feststellte.

Doch nicht nur die anfängliche Nichtberücksichtigung war ihm sauer aufgestoßen. Die Kommunikation zwischen Spieler und Trainer war wohl auch in der Halbzeitpause äußerst dürftig. Dolderer erfuhr jedenfalls nicht, „dass ich spielen muss“. Und so saß er nicht aufgewärmt, mit in Badeschlappen steckenden Füßen auf der Bank, um sich die sogleich beginnende zweite Hälfte anzuschauen. Dann sah er seinen Coach daherkommen – jedoch mit gleichem Schuhwerk bekleidet wie Dolderer selbst. Und so warteten alle im Sportpark Fautenhau Anwesenden, bis die SG-Mannschaft schließlich doch noch Torhüter Dolderer, ordentlich mit Kickstiefeln und Trikot bekleidet, aufbieten konnte.

Grüttner, erstmals als Spielertrainer bei der SG Sonnenhof Großaspach in Erscheinung getreten, war im Freundschaftsspiel gegen die Bundesliga-Profis hochmotiviert und mit großem Ernst bei der Sache. Als sich Leverkusens Brasilianer Robson Ponte nach einem Foul per Handschlag bei ihm entschuldigen wollte, nahm der Landesligatrainer diesen nicht an – und erntete dafür prompt Pfiffe.

Stenogramm

SG Sonnenhof Großaspach: Grüttner (46. Dolderer), Widmann, Veith (46. Steiner), Vogel, Petz, Stangl, Schwarz, Häußermann, Gentner (46. Maier), Lindner (46. Nothacker), Gradwohl (46. Bachmann).
Bayer 04 Leverkusen: Heinen, Kovac, Happe (46. Hoffmann), Nowotny, Ramelow (46. Gresko), Zivkovic, PonteYazdani (69. Mamic), Spizak (46. Reichenberger), Kirsten, Brdaric.
Schiedsrichter: Biecheler aus Stutgart.
Zuschauer: 2.000.

Quelle: Backnanger Kreiszeitung am 31. Juli 1999