4. Juli 1999
SG Sonnenhof Großaspach - VfB Stuttgart   0:8 (0:2)

VfB trifft in Schlußphase noch viermal

Der Fußball-Bundesligist kommt beim Landesligisten Großaspach zu einem standesgemäßen 8:0

Ein zeitweise munteres Spielchen erlebten gestern abend 4500 Fans im Aspacher Fautenhau. Mit 8:0 gewann Bundesligist VfB Stuttgart das Vorbereitungsspiel gegen den Landesligisten. Die SG lag zur Pause erst 0:2 zurück. Für Stuttgart trafen: Kristijan Djordjevic, Giuseppe Catizone, Heiko Gerber (2), Pavel Kuka (2) sowie Viorel Ganea (2).

Von unserem Redaktionsmitglied UWE FLEGEL - Zur Pause hatte es nicht nach dem klaren Erfolg ausgesehen. 2:0 führte der VfB. Co-Trainer Peter Starzmann: "Das Spiel ist die sechste Einheit seit Freitag. Ich denke aber, daß wir nach dem Wechsel noch einige Tore erzielen." Er behielt recht.

Im Duell Sechstligist gegen Erstligist mühten sich die Amateure zwar redlich, klare Torchancen hatten sie aber während der 90 Minuten nur eine. Die versemmelte Rainer Häußermann in der 37. Minute. Der SG-Stürmer hatte sich gegen Thomas Kies durchgetankt und VfB-Keeper Franz Wohlfahrt bereits umspielt, dann wartete er jedoch zu lange, stolperte über den Ball und schoß anschließend in die Arme des zurückgeeilten Wohlfahrt.

Ansonsten gaben die Profis den Ton an. Von der ersten Minute an dominierte der VfB. Nach sechs Minuten stand es schon 1:0. Der umtriebige Djordjevic hatte aus sechs Metern in den Winkel geköpft.

Nach elf Minuten eine der wenigen SG-Aktionen in der Offensive. Eine Flanke von Frank Wehrsig versuchte Frank Sigle per Fallrückzieher im Tor unterzubringen, traf aber den Ball nicht richtig. Etwas geschickter stellte sich zwei Minuten später Catizone an. Er zirkelte einen Freistoß aus 20 Metern ins Tor. 2:0 für Stuttgart, das danach nicht mehr so druckvoll agierte.

In der Halbzeit wechselte der VfB komplett. Unter anderem kamen nun Krassimir Balakov, die neuen Stürmer Kuka und Ganea sowie der brasilianische Innenverteidiger Marcello Bordon aufs Feld. Zunächst traf allerdings ein anderer Neuer. Heiko Gerber erzielte in der 47. Minute mit einem Kopfball das 3:0. Nur vier Minuten später traf Kuka zum 4:0.

Den Amateuren geht nach einer Stunde die Puste aus

Den Hausherren gingen nun die Kräfte aus. Fast im Minutentakt kam Stuttgart zu Chancen, nutzte aber nur wenige. Gleich dreimal stand außerdem der Pfosten im Weg. In der Schlußviertelstunde klappte es. Ganea traf in der 75. Minute zum 5:0. Kuka staubte sechs Minuten später zum 6:0 ab. Ganea erzielte kurz darauf mit einem Volleyschuß aus zehn Metern das 7:0 und ein Gerber-Kopfball sorgte eine Minute vor Schluß für das Stuttgarter 8:0.

Schnappschuß gelingt

Mehr Schonung für die Nerven der VfB-Fans

Von unserem Redaktionsmitglied JÜRGEN KLEIN - Aufatmen bei Karl-Heinz Förster nach dem 8:0-Sieg des VfB: "Das war ein wesentlich besseres Spiel als beim Auftakt im vergangenen Jahr." Damals kamen die Stuttgarter nur zum 2:1 bei der TSG Fußball. "Das war in Backnang, da haben wir uns ganz schön blamiert", erinnerte sich der ehemalige Weltklasse-Vorstopper auf der Terrasse des Kanadischen Blockhauses im Fautenhau noch genau an die Pleite.

Der Team-Manager war überhaupt ein gefragter Mann. Backnangs Baubürgermeister Frank Distl hatte als eingefleischter VfB-Fan ("was hat mich dieser Verein schon Nerven gekostet") den auskunftsfreudigen Förster gleich in eine tiefgehende Diskussion verwickelt. Ob ihm der Club vom Wasen zukünftig in Wirklichkeit weniger Sorgen bereitet, das werden erst die Punktspiele in der Bundesliga zeigen.

Ob's wirklich mit dem VfB aufwärts geht, hängt viel von Trainer Ralf Rangnick ab. Der Fußballehrer aus Backnang war gestern trotz des standesgemäßen 8:0-Erfolges gegen den Landesligisten SG Sonnenhof Großaspach nicht zu beneiden. Er war im Dauerstreß. Seine Autogramme waren fast begehrter wie kalte Getränke. Auf die Hitze spielte auch Aspachs Bürgermeister Hans-Jörg Weinbrenner bei seiner kurzen Begrüßung an: "Wir wollten Ralf Rangnick einen warmen Empfang bereiten. Das ist uns bei diesen Temperaturen gelungen."

Den Auftritt des Bundesligisten nutzte die SG Sonnenhof Großaspach dazu, Frank Wehrsig zu verabschieden. Der Fußballer war früher Kapitän der Spvgg Großaspach und des FC Sonnenhof gewesen, stand dann als Spielführer zur Verfügung, als sich die Großaspacher und Sonnenhöfler zur Sportgemeinschaft (SG) zusammenschlossen. "It's Time to say good bye", klang durch die Arena, als Wehrsig kurz nach dem Beginn der zweiten Hälfte unter großem Beifall den Platz verließ.

Der Aufgalopp war auch ein Pflichttermin für die Fan-Clubs. Ehrensache, daß der Sulzbacher VfB-Fan-Club Feuer und Flamme mit von der Partie war. Vorsitzender Harald Hohnheit: "Rangnick scheint die Sache in den Griff zu bekommen. Auf jeden Fall habe ich ein gutes Gefühl." Er hofft ebenfalls auf mehr Schonung seiner Nerven.

Gefühle können jedoch täuschen. Nicht so bei Thomas vom Fan-Club Highlander aus Ochsenhausen-Eberhardzell. Der 28jährige hatte offenbar schon vorab geahnt, daß die Stuttgarter mindestens acht Treffer erzielen würden und sich daher schon vorab für jedes zu erwartende Tor einen Gerstensaft des Hauptsponsors genehmigt. So kommentierte er zur Gaudi vieler umstehender Zuschauer lautstark nicht nur das Spiel. "Franz, Franz schau her, der ist von der Presse. Der will ein Foto von dir machen." - Pflichtschuldig drehte sich Keeper Wohlfahrt zur Seite und winkte. - Ein tolles Bild für einen Fotografen, der extra von einer Agentur aus München angereist war. Dank Highlander Thomas hatte der Pressemann seinen Schnappschuß.

Stenogramm

SG Sonnenhof Großaspach: Hofer (66. Dolderer); Widmann (46. Veith), Vogel, Schwarz (66. Bachmann), Stangl (46. Gentner), Petz, Gradwohl, Maier (46. Steiner), Sigle, Wehrsig (50. Lindner), Häußermann.
VfB Stuttgart: Wohlfarth (46. Hollerieth); Legat (46. Stojkovski), Berthold (46. Bordon), Todt (46. Endreß), Kies (46. Schneider), Rost (46. Soldo), Catizone (46. Gerber), Zaharievski (46. Carnell), Lisztes (46. Balakov), Djordjevic (46. Kuka), Ristic (46. Ganea).
Schiedsrichter: Lange aus Herrenberg.
Zuschauer: 4500.

Quelle: Backnanger Kreiszeitung am 5. Juli 1999